Mayans MC: Review der Pilotepisode

Mayans MC: Review der Pilotepisode

Mit der Serie Mayans MC setzt Kurt Sutter nach Sons of Anarchy zu einer zweiten Bikerserie an, die im Umfeld der Sons spielt. Aus Charming bewegen wir uns in den Süden Kaliforniens und finden uns auf beiden Seiten der Grenze zu Mexiko wieder. Kann die Geschichte um den jungen EZ und seine Gang überzeugen?

„Mayans MC“ (c) FX
„Mayans MC“ (c) FX
© ??Mayans MC“ (c) FX

Die Sons of Anarchy-Krähe liegt darnieder auf der Straße, während die neue Generation der Mayans an ihr vorrüberrollt. Doch das soll vorerst das letzte Mal sein, dass die Mutterserie erwähnt wird. Denn Mayans MC muss für sich alleine stehen oder fallen. Zu der Frage, ob es für „SoA“-Fans geeignet ist, kommen wir dennoch am Ende. In welche Richtung stellt Serienschöpfer Kurt Sutter die Weichen in der Pilotepisode?

Worum geht es?

EZ (JD Prado) fährt mit seinem Rad durch die Kleinstadt Santo Padre im Süden Kaliforniens, während seine Ganggenossen in einer Schneiderei ihren Drogengeschäften nachgehen. An einer Schule erinnert EZ sich an seine Vergangenheit, als ein Studium in Stanford und eine stabile Beziehung die bestimmenden Faktoren seines Lebens waren. Nun ist er Prospect des Motorradclubs Mayans und wird von deren Anführer zu seiner ersten großen Aufgabe bestimmt. Er soll eine Lieferung nach Las Vegas begleiten.

Doch EZ ahnt noch nichts davon und kehrt erst mal bei seinem Pops (Edward James Olmos) in der Fleischerei ein, in der er ein kleines Paket übergibt und sich Tipps für neue Bücher holt.

Vor dem Laden wartet bereits sein Bruder Angel (Clayton Cardenas), sein Vorgesetzter bei den Mayans, mit der großen Neuigkeit.

Der nächtliche Konvoi wird überfallen und schnell stehen die Mayans maskierten Männern gegenüber, die sich auch nicht davon beeindrucken lassen, dass sie gerade dabei sind, sich das berüchtigte Galindo-Kartell zum Feind zu machen. Um ihren Kumpel, den die Angreifer als Geisel haben, zu schützen, geben die Mayans nach und lassen die Männer mit den Kleidern und dem darin eingenähten Kokain entkommen. Erst danach bemerkt EZ, dass sein Bruder noch in dem verunglückten und mittlerweile brennenden Lastwagen liegt und zieht ihn in letzter Minute heraus.

Der Verteter des Galindo-Kartells, Miguel Galindo (Danny Pino), ist gar nicht beeindruckt von der Nachricht, dass die Mayans mehr als zwei Millionen Dollar seiner Ware verloren haben und interessiert sich daher brennend für die Beobachtung, die EZ gemacht hat. Er hat eine verdächtige Tätowierung am Handgelenk eines der Räuber gesehen.

Doch der Präsident des Clubs, Obispo ,Bishop' Losa (Michael Irby), findet es gar nicht gut, dass der Prospect sich ungefragt in die Unterhaltung einmischt.

Durch einen Tunnel kriechen Angel, EZ und ein paar andere Mayans anschließend ins Land ihrer Vorfahren, um dort einen angeschossenen Kampfgenossen zur Behandlung zu einem Hinterzimmerdoktor zu bringen. Während die Behandlung läuft, begeben sich Angel und die anderen Vollmitglieder auf ein Treffen in die Bar Diana, während der Prospect draußen warten muss. Dort sieht er einen Jungen, der einen Maiskolben klaut und erwischt wird. EZ beschwichtigt den Verkäufer und zahlt den Maiskolben, um anschließend zu beobachten, dass die Kinder in die Bar Diana ziehen.

Zurück geht es in die Staaten, wo die Santo-Padre-Mayans sich mit ihrem Marcus Alvarez (Emilio Rivera) treffen, dem Boss des Mayans-Chapters in Oakland. Dabei ereilt EZ ein weiterer Rückblick in die Vergangenheit. Acht Jahre zuvor sitzt er nämlich seiner Highschoolfreundin und großen Liebe zu der Zeit, Emily (Sarah Bolger), in einem Besucherraum des Gefängnisses gegenüber. Sie weint und verlangt Antworten, die er nicht liefern kann. Sie legt ihm den Ultraschall eines Babys hin und verlässt den Raum. In der Gegenwart steigt sie adrett angezogen aus einem SUV und lässt zunächst offen, wie sie die soziale Leiter hochgeklettert ist.

Während die anderen also eine Versammlung abhalten, wartet EZ im Hof bei den Bikes. Die Mitglieder beraten, ob sie jemanden für den Überfall an die Galindos ausliefern sollen.

Bei Pops läuft unterdessen ein DEA-Agent auf, der ein Gespräch sucht. Doch die Mayans sind gerade mit den mutmaßlichen Koksräubern in eine Schießerei auf dem Friedhof verwickelt. Unterstützung bekommen sie dabei von den Sons of Anarchy aus San Bernadino unter der Führung des Man of Mayhem, Lee Packer (Robert Patrick).

Einen abgehackten Arm später wissen wir, dass das Galindo-Kartell nicht gerade zimperlich ist und dass EZs Gangkollegen eventuell einen Unschuldigen ausgeliefert haben. Doch für die Leiche, die nach der Galindo-Folteraktion zurückbleibt, haben die Mayans vor allem Galgenhumor übrig. Während der Mörder Miguel zum Abendessen mit seiner Familie in ein gutes Restaurant eilt, entsorgt EZ die Leiche und wir erfahren, dass der Galindo-Boss ausgerechnet mit Emily zusammen ist.

Der Ex muss sich jedoch zunächst mit dem Drogenfahnder Kevin Jimenez (Maurice Compte) im Hinterzimmer der Fleischerei auseinandersetzen. Denn er hat einen Deal gemacht, um die Beamten bei Galindo einzuschleusen, während der MC dabei sicher sein sollte.

Wie kommt es rüber?

Mit der Pilotepisode tauchen wir ein in eine Welt, in der man nachmittags noch mit seinen Kumpels durch die Gegend fährt und kurze Zeit später von einem Kartellboss zu Tode gefoltert wird. Wir lernen Menschen kennen, die sich an diesem grausamen Spiel beteiligen, vielleicht aus einem Mangel an Perspektiven, vielleicht auf der Suche nach dem schnellen Geld. Und wir sehen, dass viele von ihnen mit Geheimnissen und einer schwierigen Vergangenheit herumlaufen. Manchmal ist das der Exfreund, manchmal ist es ein Deal mit den Behörden.

Die Serienmacher schaffen es in der der gut einstündigen Auftaktepisode, uns einen kleinen Blick auf die Tiefschichtigkeit zu geben, die sie präsentieren wollen. Schwarz-Weiß-Denken hat keinen Platz, aber, um es nicht dröge werden zu lassen, dürfen die Schockeffekte und großangelegten Schießereien auch nicht fehlen.

Wichtig für ein solches Unterfangen ist das Charisma des Casts, denn schließlich sollen wir uns hier in Charaktere vergucken, die angesichts einer Leiche abgestumpfte Witze reißen und gleichzeitig die Probleme der Kinder ernst nehmen, deren Eltern den Gangkriegen zum Opfer gefallen sind.

Bei EZ und seinem Vater ist der Sympathieträgerfaktor generell hoch, die anderen, inklusive sein Bruder Angel, bleiben noch zu blass. Das sollte sich jedoch bald ändern.

Ist es etwas für „Sons of Anarchy"-Fans?

Nun kommen wir doch zur Mutterserie und der Frage: Ist es was für SAMCRO-Fans? Ich würde sagen: Ja! Es ist auf jeden Fall einen besseren Versuch wert als das unsägliche The Bastard Executioner-Debakel. Mayans MC ist einfach näher dran an dem Thema, mit dem Kurt Sutter einst schon begeistern konnte. Nicht nur die Kutten, auch die Bilder, die Schnitte, die Farbfilter, selbst die Musikauswahl erinnern an die Mutterserie und das ist in diesem Fall nicht schlecht. Die neue Serie gibt nicht vor, ein Neustart zu sein, immer wieder grätschen bekannte Gesichter ins Bild und wir erleben bereits bekannte Konstellationen. Doch die Charaktere um EZ haben auch eigenes Gepäck dabei, die Geschichte und die Kultur südlich der Grenze gibt etwas Neues, Vielversprechendes her, das man in Charming nicht kannte.

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