Darum macht mich die neue Anwaltsserie mit Kathy Bates nur fast glücklich

Darum macht mich die neue Anwaltsserie mit Kathy Bates nur fast glücklich

Mit „Matlock“ startet das lang erwartete Reboot einer der beliebtesten Anwaltsserien der 80er Jahre und entpuppt sich nicht als simpler Abklatsch, sondern als durchaus gelungene Hommage. Mehr dazu gibt es in unserem Review.

Kathy Bates in der Serie „Matlock“
Kathy Bates in der Serie „Matlock“
© CBS

Das passiert in der Pilotfolge der Anwaltsserie „Matlock“

Madeline „Maddie“ Matlock (Kathy Bates) ist in der Serie Matlock auf den ersten Blick eine ältere, nette Dame, die es aber bei näherem Hinsehen faustdick hinter den Ohren hat. Um trotz ihres Alters und ihrer 30-jährigen Abwesenheit aus dem Job eine Anstellung zu ergattern, platzt sie einfach in ein Meeting und überzeugt den Seniorchef einer angesehenen Kanzlei, sie einzustellen.

Dieser teilt sie der ehrgeizigen Olympia (Syke P. Marshall) zu, die zunächst wenig erbaut von der Aussicht ist, eine Rentnerin zu beschäftigen. Doch schon bald freundet sich Madeline mit ihren Kollegen Billy (David Del Rio) sowie Sarah (Leah Lewis) an und erweist sich darüber hinaus als überaus nützlich. Doch hinter der Fassade der smarten Seniorin verbirgt sich mehr, als eine kluge Menschenkennerin, denn in Wirklichkeit ist sie nicht diejenige, die sie vorgibt, zu sein...

Kein wirkliches Reboot

Warum in letzter Zeit immer wieder große Serientitel für angebliche Reboots herhalten müssen, die in Wirklichkeit eigentlich nichts mit dem Original zu tun haben, ist vielen Fans zurecht schleierhaft. So auch bei der Neuauflage von „Matlock“, das mit dem Klassiker ungefähr so viel gemeinsam hat, wie Boston Legal mit Bull. Bei beiden handelt es sich auf den Kern heruntergebrochen um Anwaltsserien, ansonsten sind sie aber vollkommen unterschiedlich angelegt.

Ähnliches lässt sich über die neue Serie von Jennie Snyder Urman (Charmed (2018), Jane the Virgin) sagen, die sich für ihr neues Projekt einen berühmten Serientitel geschnappt hat und diesen über ein völlig anderes Konzept überstülpte, um damit eben auch die immer noch zahlreichen Fans des Vorgängers vor die Bildschirme zu locken.

Die einzige Nähe beider Formate bilden nämlich das Genre und der Titel, auf dessen Herkunft in der Pilotfolge in Form einer sicherlich nett und respektvoll gemeinten Hommage kurz eingegangen wird. Ansonsten übernimmt die Showrunnerin weder den Ton noch den Charakter des klassischen „Matlock“ und auch keine einzige Figur aus dem 80er Hit. Dass man hier schon von einer bewussten Täuschung reden darf, ist evident.

Die neuen Anwälte

Der Cast der US-Serie „Matlock“
Der Cast der US-Serie „Matlock“ - © CBS

Das ist durchaus ein wenig schade, zumal es die unterhaltsame Debüt-Folge eigentlich gar nicht nötig hat, auf dem Hollywood-Serienfriedhof herumzuschleichen, um nach Grabsteinen zu suchen, die man irgendwie doch noch wiederverwerten kann. Die von Urman erdachte Prämisse geht nämlich auch ohne solche unverschämten Tricks auf, wie die ersten 45 Minuten beweisen.

Da ist zunächst einmal die stark gewinnorientierte Anwaltskanzlei, die von dem abgebrühten Senior (gespielt von Stargate SG-1-Star Beau Bridges) geführt wird und in der die junge, ehrgeizige Olympia ein Team leitet. Eines Tages platzt die Rentnerin Madeline während eines Meetings ins Büro und verlangt nach einem Job, den sie dank ihrer scharfen Zunge auch erhält.

Sehr zu Olympias Unwillen, teilt Senior ausgerechnet ihr die neue Kollegin zu, die sich schnell mit ihren Mitstreitern Billy und Sarah anfreundet. Zudem erweist sie sich als sehr nützlich, was ihr letztlich die Anstellung sichern wird. Kathy Bates spielt dabei ihre starke Kamerapräsenz, aber auch ihre Lebenserfahrung und außergewöhnliche schauspielerischer Kunstfertigkeit voll aus, so dass sie das Publikum schon in den ersten Minuten für ihre Figur vereinnahmt.

Die wesentlich jüngeren David Del Rio und vor allem Leah Lewis wirken neben der smarten Seniorin erfrischend naiv, auch wenn der Schein zum Glück letztlich trügt. Im Endeffekt erweisen sich die drei tatsächlich als sehr gutes Team, wobei sich die Figur der Matlock mit ihrer Empathie für die zu befragenden Personen schnell als Tonangeberin erweist.

Olympia ist als Chefin hingegen eine eiskalte Karrierefrau, die aber im Sinne ihrer Klienten handelt, zumal sie sich persönlich in den ersten gemeinsam zu lösenden Fall involviert fühlt. On top gibt es dann noch ein Maddie umgebendes Geheimnis, auf das wir aus Spoiler-Gründen an dieser Stelle allerdings nicht näher eingehen wollen...

Angemerkt sei nur, dass die Debütfolge mit einem Twist endet, der zu einem übergreifenden Handlungsbogen überleitet. Derartige Konzeptionierungen sind inzwischen auch bei für den linearen TV-Markt produzierten Serien üblich geworden, wie wir bereits in unseren Review zum ebenfalls neu gestarteten Cosy-Crime-Format High Potential betonten.

Der Fall

Was die Fallkonstruktion anbelangt, erwartet uns zunächst einmal nicht viel Neues auf der Legal-Drama-Schiene. Im Kern geht es um einen zu Unrecht als Mörder verurteilten Mann, der nun den Staat auf eine hohe Kompensationszahlung verklagt. Aufgrund einiger mehr oder weniger großer Fehler Olympias fällt das Angebot allerdings wesentlich niedriger aus als gedacht, womit Madeleine Matlock auf den Plan tritt. Am Ende kommt es dann zur Verhandlung, die natürlich einen positiven Verlauf nimmt.

Eingebettet ist dieser Retorten-Plot in eine leichte Erzählweise mit humorigen, sympathischen und familienfreundlichen Einlagen, womit sich „Matlock“ problemlos in die Kategorie Feierabend-TV einordnen lässt. Komplexe Zusammenhänge sollte man in den „Fällen der Woche“ wohl nicht erwarten, den großen Spannungsbogen könnte die Serie allerdings aus dem Main-Plot beziehen, wenn dieser gut geschrieben ist. Eine Prognose lässt sich in diese Richtung indes noch nicht abgeben, obwohl der gesetzte Wendepunkt durchaus interessant ist und für Spannung sorgen könnte.

Abgesehen davon gehen Urman und ihr Team aber kein Risiko ein. Man verlässt sich storytechnisch auf Standardkost und Standardfiguren, die ihren Unterhaltungswert haben, bisher aber abgesehen von Madeleine selbst auch keinen großen Wiedererkennungswert aufweisen. Es bleibt abzuwarten, inwiefern die Serienmacher im Verlauf der ersten Season an diesem Umstand feilen werden und wie sich die übergreifende Geschichte auf die Beziehungen der Figuren auswirkt.

Fazit

Die Pilotfolge der Serie „Matlock“ ist keinesfalls schlecht - weit entfernt davon -, lässt aber den einen oder anderen innovativen Ansatz vermissen. Im Grunde genommen serviert man uns mit dem Reboot, das eigentlich gar keines ist, pure Standardkost, die ganz gut schmeckt, aber auch niemanden wirklich vom Hocker haut. Klar, wenn so eine Serie läuft und man derartige Konzepte mag, schaut man natürlich rein und will auch wissen, wohin die Reise geht. Die seichte Erzählweise dürfte zudem dafür sorgen, dass sich genug Zuschauende finden. Ob es jedoch für ein Platz auf dem Treppchen der besten Anwaltsserien der letzten zehn Jahre reichen wird, muss sich erst noch beweisen.

Wir verteilen dennoch zunächst vier von fünf Mandanten.

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