Matlock 1x01

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Das passiert in der Pilotfolge der Anwaltsserie âMatlockâ
Madeline „Maddie“ Matlock (Kathy Bates) ist in der Serie Matlock auf den ersten Blick eine Ă€ltere, nette Dame, die es aber bei nĂ€herem Hinsehen faustdick hinter den Ohren hat. Um trotz ihres Alters und ihrer 30-jĂ€hrigen Abwesenheit aus dem Job eine Anstellung zu ergattern, platzt sie einfach in ein Meeting und ĂŒberzeugt den Seniorchef einer angesehenen Kanzlei, sie einzustellen.
Dieser teilt sie der ehrgeizigen Olympia (Syke P. Marshall) zu, die zunĂ€chst wenig erbaut von der Aussicht ist, eine Rentnerin zu beschĂ€ftigen. Doch schon bald freundet sich Madeline mit ihren Kollegen Billy (David Del Rio) sowie Sarah (Leah Lewis) an und erweist sich darĂŒber hinaus als ĂŒberaus nĂŒtzlich. Doch hinter der Fassade der smarten Seniorin verbirgt sich mehr, als eine kluge Menschenkennerin, denn in Wirklichkeit ist sie nicht diejenige, die sie vorgibt, zu sein...
Kein wirkliches Reboot
Warum in letzter Zeit immer wieder groĂe Serientitel fĂŒr angebliche Reboots herhalten mĂŒssen, die in Wirklichkeit eigentlich nichts mit dem Original zu tun haben, ist vielen Fans zurecht schleierhaft. So auch bei der Neuauflage von „Matlock“, das mit dem Klassiker ungefĂ€hr so viel gemeinsam hat, wie Boston Legal mit Bull. Bei beiden handelt es sich auf den Kern heruntergebrochen um Anwaltsserien, ansonsten sind sie aber vollkommen unterschiedlich angelegt.
Ăhnliches lĂ€sst sich ĂŒber die neue Serie von Jennie Snyder Urman (Charmed (2018), Jane the Virgin) sagen, die sich fĂŒr ihr neues Projekt einen berĂŒhmten Serientitel geschnappt hat und diesen ĂŒber ein völlig anderes Konzept ĂŒberstĂŒlpte, um damit eben auch die immer noch zahlreichen Fans des VorgĂ€ngers vor die Bildschirme zu locken.
Die einzige NĂ€he beider Formate bilden nĂ€mlich das Genre und der Titel, auf dessen Herkunft in der Pilotfolge in Form einer sicherlich nett und respektvoll gemeinten Hommage kurz eingegangen wird. Ansonsten ĂŒbernimmt die Showrunnerin weder den Ton noch den Charakter des klassischen „Matlock“ und auch keine einzige Figur aus dem 80er Hit. Dass man hier schon von einer bewussten TĂ€uschung reden darf, ist evident.
Die neuen AnwÀlte

Das ist durchaus ein wenig schade, zumal es die unterhaltsame DebĂŒt-Folge eigentlich gar nicht nötig hat, auf dem Hollywood-Serienfriedhof herumzuschleichen, um nach Grabsteinen zu suchen, die man irgendwie doch noch wiederverwerten kann. Die von Urman erdachte PrĂ€misse geht nĂ€mlich auch ohne solche unverschĂ€mten Tricks auf, wie die ersten 45 Minuten beweisen.
Da ist zunĂ€chst einmal die stark gewinnorientierte Anwaltskanzlei, die von dem abgebrĂŒhten Senior (gespielt von Stargate SG-1-Star Beau Bridges) gefĂŒhrt wird und in der die junge, ehrgeizige Olympia ein Team leitet. Eines Tages platzt die Rentnerin Madeline wĂ€hrend eines Meetings ins BĂŒro und verlangt nach einem Job, den sie dank ihrer scharfen Zunge auch erhĂ€lt.
Sehr zu Olympias Unwillen, teilt Senior ausgerechnet ihr die neue Kollegin zu, die sich schnell mit ihren Mitstreitern Billy und Sarah anfreundet. Zudem erweist sie sich als sehr nĂŒtzlich, was ihr letztlich die Anstellung sichern wird. Kathy Bates spielt dabei ihre starke KameraprĂ€senz, aber auch ihre Lebenserfahrung und auĂergewöhnliche schauspielerischer Kunstfertigkeit voll aus, so dass sie das Publikum schon in den ersten Minuten fĂŒr ihre Figur vereinnahmt.
Die wesentlich jĂŒngeren David Del Rio und vor allem Leah Lewis wirken neben der smarten Seniorin erfrischend naiv, auch wenn der Schein zum GlĂŒck letztlich trĂŒgt. Im Endeffekt erweisen sich die drei tatsĂ€chlich als sehr gutes Team, wobei sich die Figur der Matlock mit ihrer Empathie fĂŒr die zu befragenden Personen schnell als Tonangeberin erweist.
Olympia ist als Chefin hingegen eine eiskalte Karrierefrau, die aber im Sinne ihrer Klienten handelt, zumal sie sich persönlich in den ersten gemeinsam zu lösenden Fall involviert fĂŒhlt. On top gibt es dann noch ein Maddie umgebendes Geheimnis, auf das wir aus Spoiler-GrĂŒnden an dieser Stelle allerdings nicht nĂ€her eingehen wollen...
Angemerkt sei nur, dass die DebĂŒtfolge mit einem Twist endet, der zu einem ĂŒbergreifenden Handlungsbogen ĂŒberleitet. Derartige Konzeptionierungen sind inzwischen auch bei für den linearen TV-Markt produzierten Serien üblich geworden, wie wir bereits in unseren Review zum ebenfalls neu gestarteten Cosy-Crime-Format High Potential betonten.
Der Fall
Was die Fallkonstruktion anbelangt, erwartet uns zunĂ€chst einmal nicht viel Neues auf der Legal-Drama-Schiene. Im Kern geht es um einen zu Unrecht als Mörder verurteilten Mann, der nun den Staat auf eine hohe Kompensationszahlung verklagt. Aufgrund einiger mehr oder weniger groĂer Fehler Olympias fĂ€llt das Angebot allerdings wesentlich niedriger aus als gedacht, womit Madeleine Matlock auf den Plan tritt. Am Ende kommt es dann zur Verhandlung, die natĂŒrlich einen positiven Verlauf nimmt.
Eingebettet ist dieser Retorten-Plot in eine leichte ErzĂ€hlweise mit humorigen, sympathischen und familienfreundlichen Einlagen, womit sich „Matlock“ problemlos in die Kategorie Feierabend-TV einordnen lĂ€sst. Komplexe ZusammenhĂ€nge sollte man in den „FĂ€llen der Woche“ wohl nicht erwarten, den groĂen Spannungsbogen könnte die Serie allerdings aus dem Main-Plot beziehen, wenn dieser gut geschrieben ist. Eine Prognose lĂ€sst sich in diese Richtung indes noch nicht abgeben, obwohl der gesetzte Wendepunkt durchaus interessant ist und fĂŒr Spannung sorgen könnte.
Abgesehen davon gehen Urman und ihr Team aber kein Risiko ein. Man verlĂ€sst sich storytechnisch auf Standardkost und Standardfiguren, die ihren Unterhaltungswert haben, bisher aber abgesehen von Madeleine selbst auch keinen groĂen Wiedererkennungswert aufweisen. Es bleibt abzuwarten, inwiefern die Serienmacher im Verlauf der ersten Season an diesem Umstand feilen werden und wie sich die ĂŒbergreifende Geschichte auf die Beziehungen der Figuren auswirkt.
Fazit
Die Pilotfolge der Serie „Matlock“ ist keinesfalls schlecht - weit entfernt davon -, lĂ€sst aber den einen oder anderen innovativen Ansatz vermissen. Im Grunde genommen serviert man uns mit dem Reboot, das eigentlich gar keines ist, pure Standardkost, die ganz gut schmeckt, aber auch niemanden wirklich vom Hocker haut. Klar, wenn so eine Serie lĂ€uft und man derartige Konzepte mag, schaut man natĂŒrlich rein und will auch wissen, wohin die Reise geht. Die seichte ErzĂ€hlweise dĂŒrfte zudem dafĂŒr sorgen, dass sich genug Zuschauende finden. Ob es jedoch fĂŒr ein Platz auf dem Treppchen der besten Anwaltsserien der letzten zehn Jahre reichen wird, muss sich erst noch beweisen.
Wir verteilen dennoch zunĂ€chst vier von fĂŒnf Mandanten.
Verfasser: Reinhard Prahl am Dienstag, 24. September 2024Matlock 1x01 Trailer
(Matlock 1x01)
Schauspieler in der Episode Matlock 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?