Master of None 2x10

Master of None 2x10

Mit der zweiten Staffel von Master of None schickt sich Serienschöpfer und Hauptdarsteller Aziz Ansari an, die Dunkelheit eigenhändig aus unserem Leben zu vertreiben. Mit ebenso politisch aufgeklärten wie herz- und gaumenerwärmenden Geschichten gelingt ihm das bravourös.

Die größte Liebesgeschichte, seit es Netflix gibt.
Die größte Liebesgeschichte, seit es Netflix gibt.
© Netflix

Zum Abschluss der hervorragenden ersten Staffel seiner Netflix-Dramedy Master of None verweigerte uns Aziz Ansari noch das klassische RomCom-Ende. Statt seiner Verflossenen Rachel (Noel Wells) nach Japan zu folgen, machte sich Dev (Ansari) nach Italien auf, um seine eigenen beruflichen Träume zu verwirklichen. Genau dort, in Modena, setzt nun die zweite Staffel an, auf die wir anderthalb Jahre warten mussten. Es hat sich gelohnt - sie ist noch besser als die erste.

Busy, beautiful, badass

Die Auftaktepisode, The Thief, nutzen Ansari und sein Ko-Showrunner Alan Yang, ihre Liebe zum italienischen Kino zu bekunden. Die Folge - und die gesamte Staffel - sind ein einziges großes Referenzenfestival.

Dev ist zu Beginn - die Episode ist in wunderbarem Schwarzweiß gedreht - vor allem damit beschäftigt, seine Pastakünste zu verbessern und seine Einsamkeit zu vergessen, was aber nicht so recht nach Plan verläuft. Zum einen will es mit Sara (Clare-Hope Ashitey) trotz eines gelungenen Zufallsdates nicht klappen, zum anderen spukt ihm Rachel weiterhin durch den Kopf, was ganz einfach daran liegt, dass die beiden in lockerem Email-Kontakt stehen. Im Hintergrund positioniert sich indes bereits Francesca (Alessandra Mastronardi), die aber erst später eine zentrale Rolle einnehmen wird.

Bevor Dev nach New York zurückkehrt und seine italienische Blase platzen lassen muss, bekommt er Besuch von seinem besten Freund Arnold (Eric Wareheim), woraus mit Le Nozze eine Episode entsteht, die fast ausschließlich aus vergnüglichen Augenblicken zusammengesetzt ist. Überhaupt lässt sich feststellen, dass Ansari sich wohl vorgenommen hat, unser aller geschundenes Seelenheil mit einer dicken Portion Wohlfühlbalsam einzureiben. Es kann zwar auch ganz schön traurig werden, bleibt aber trotzdem immer schön, ohne ins Kitschige abzudriften.

Mit Rollerspaß in Italien geht es los
Mit Rollerspaß in Italien geht es los - © Netflix

Bevor es in der zweiten Hälfte der Staffel an die amourösen Fleischtöpfe geht, arbeitet Ansari nach Devs Rückkehr nach New York erst einmal gesellschaftliche Themen ab, die ihm persönlich am Herzen liegen. Wie unschwer zu erraten ist, widmet er sich in der Episode Religion den Essensgewohnheiten seiner muslimischen Familie. Jahrelang hat Dev einen Spießrutenlauf mitgemacht, wenn es um den Verzehr von Schweinefleisch und Alkohol ging. Nun will er sich nicht länger verstecken - und steckt auch gleich noch seinen Cousin an.

Forbidden love

Es folgt mit First Date eine der vielen herausstechenden Episoden dieser Staffel, die vor allem wegen ihres Schnitts so bemerkenswert ist. Dev versucht sich am App-Dating, was zu vielen - zumeist witzigen - Fehlversuchen führt, aber auch zu einem potenziellen love interest, nämlich Priya (Tiya Sircar aus The Good Place). Das zweite Date mit ihr läuft jedoch unerwartet schlecht, weil sich die beiden plötzlich gar nichts mehr zu sagen haben. Ein Glück also, dass Francesca gerade in New York weilt, womit der Übergang zur zweiten Hälfte der Staffel beinahe geschafft wäre.

Bevor es jedoch ins Grande Finale und an die Aufarbeitung der für mich besten Will-they-won't-they-Storyline seit Dawson's Creek geht, liefern Ansari und Yang mit New York, I Love You und Thanksgiving zwei Episoden, die zum Besten gehören, was komödiantisches Fernsehen seit der Louie-Evolution hervorgebracht hat. In der erstgenannten treten die Hauptfiguren beiseite, um Platz zu machen für ein ebenso einfühlsames wie witziges Porträt von normalen Stadtbewohnern, das vom Portier über ein taubstummes Pärchen bis zu partyhungrigen Einwanderern reicht.

Am Ende sitzen sie alle zusammen im Kino, um sich den neuesten Horrorschocker anzusehen. In diesem Moment sind sie alle gleich - Protagonisten wie Nebenfiguren. Wie groß Ansaris Herz, wie uneitel er selbst ist, lässt sich vielleicht nirgends besser ablesen als an dieser herausragenden Episode. Oder vielleicht doch, gleich an der übernächsten, die uns zu mehreren Thanksgiving-Parties im Zuhause von Denise (Lena Waithe) einlädt, Devs homosexueller Freundin, die bislang etwas zu kurz kam, nun aber eine ganze Episode nur für sich und ihre Coming-out-Geschichte bekommt.

...mit großen Gefühlen hört es auf.
...mit großen Gefühlen hört es auf. - © Netflix

Zu Gast sind darin nicht nur Kym Whitley und Venida Evans als Denises Verwandte, sondern auch niemand Geringeres als Angela Bassett als ihre Mutter. Die bei diesem Thema äußerst schwierige Balance zwischen Komödie und Tragödie haltend, schafft das Kreativteam hier die sensible Nachzeichnung eines äußerst heiklen Prozesses, die sämtliche Ängste aller involvierten Parteien berücksichtigt - und dabei auch noch wunderbar witzig ist. Ganz abgesehen von den verschiedenen Outfits und Songs, die den Ablauf der Zeit elegant darstellen.

Somebody come and save me

Das alles ist aber nur Vorbereitung für ein Staffelfinale, wie ich es mitreißender, bewegender und einfühlsamer selten gesehen habe. Die Liebesgeschichte zwischen Dev und Francesca hat sich über den Verlauf der zweiten Staffel zart entblättert, um in Amarsi Un Po und Buona Notte ihre ganze Kraft zu entfalten. Wenn ich hier behaupte, dass ich während dieser anderthalb Stunden am Bildschirm geklebt habe, dann ist das keine Übertreibung. Selten, vielleicht sogar nie, war ich so gefesselt von der Frage, ob die beiden Hauptfiguren einer Serie zueinander finden würden.

Dazwischen funkt der Handlungsbogen um Chef Jeff (Bobby Cannavale) und den Verdacht, der sich allmählich gegen ihn erhärtet. Wenn mir jemand eine Pistole an die Schläfe halten und mich zwingen würde, eine Schwäche in dieser nahezu perfekten Staffel zu benennen, dann würde ich wohl diesen Erzählstrang anführen. So sehr ich Cannavale in dieser - und in den meisten anderen Rollen - auch liebe, so deplatziert fühlte es sich an, ihn als Serien-Sextäter dastehen zu lassen. Ich verstehe den Impuls dahinter - Ansari will darauf aufmerksam machen, wie viele Männer es gibt, die sich genau so verhalten, was ja sehr lobenswert ist -, aber es lenkte mich ein bisschen zu sehr von der brillant geschriebenen und inszenierten Liebesgeschichte ab.

Dass diese so außergewöhnlich gut funktioniert, ist zu großen Teilen der hervorragenden Chemie zwischen Mastronardi und Ansari zu verdanken. Dem Drehbuch gelingt es derweil, nachvollziehbar darzustellen, in welch einem verhängnisvollen Dilemma sich die beiden befinden. Auch optisch ist das abermals wunderbar dargestellt.

Am Ende sieht es so aus, als habe sich Francesca für Dev entschieden. Ihr Blick zeugt jedoch davon, wie schwierig das für sie war. Vor lauter Freudentränen fiel es mir schwer, das zu erkennen.

Verfasser: Axel Schmitt am Freitag, 19. Mai 2017
Episode
Staffel 2, Episode 10
(Master of None 2x10)
Titel der Episode im Original
Buona Notte
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 12. Mai 2017 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 12. Mai 2017
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 12. Mai 2017
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 12. Mai 2017
Autoren
Aziz Ansari, Alan Yang
Regisseur
Aziz Ansari

Schauspieler in der Episode Master of None 2x10

Darsteller
Rolle
Eric Wareheim

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