Marvel's M.O.D.O.K.: Review der Pilotepisode - Hier ist... M.O.D.O.K.

Marvel's M.O.D.O.K.: Review der Pilotepisode - Hier ist... M.O.D.O.K.

Marvel's M.O.D.O.K. ist eine Stop-Motion-Serie für alle Fans des megalomanischen Schurken. Diese startet zeitgleich bei Hulu und dem Star-Bereich von Disney+. Fans von Robot Chicken könnte die freche Animationsserie mit Patton Oswalt gefallen.

Wie ist Marvel's M.O.D.O.K. gelungen? (c) Hulu/Marvel TV/Disney+
Wie ist Marvel's M.O.D.O.K. gelungen? (c) Hulu/Marvel TV/Disney+
© ie ist Marvel's M.O.D.O.K. gelungen? (c) Hulu/Marvel TV/Disney+

Marvel's M.O.D.O.K. hat die Ehre, die erste Produktion von Hulu zu sein, die gleichzeitig weltweit im Star-Bereich von Disney+ startet. Während man in den USA direkt die ganze Staffel der frechen Stop-Motion-Serie bingen kann, kommt sie international hingegen im Wochentakt heraus. Es ist zudem die erste Marvel-Comedyserie für ein erwachsenes Publikum. An ein älteres Publikum richteten sich aber einst auch schon eine Reihe von Animetiteln rund um Wolverine, Blade oder die X-Men, womit man hier kein Animationsneuland betritt.

2019 wurde die Serie als eine von insgesamt vier respektive fünf Animationsserien rund um obskure Marvel-Charaktere angekündigt. Dazu gehörten eigentlich noch „Howard the Duck“, „Hit-Monkey“ sowie „Tigra und Dazzler“ und eine Teamserie namens „The Offenders“. Die Pläne wurden nach der Abwicklung von Marvel TV jedoch größtenteils verworfen. „M.O.D.O.K.“ und „Hit Monkey“ sollten als einzige auf Sendung gehen, wobei es zum Killeraffen schon lange kein Update mehr gab. Die Stop-Motion-Comedy war wohl am aufwändigsten und deswegen am weitesten in der Produktion, weswegen sie nun zu ihrer weltweiten Premiere kommt.

Auf jeden Fall muss man die Arbeit anerkennen, die in diese Animationsmethodik gesteckt wird und die eine nicht alltägliche visuelle Identität verleiht. Kennt man Robot Chicken oder das charmante Rilakkuma and Kaoru von Netflix, dann weiß man ungefähr, was einen erwartet. Der Humor geht eher in Richtung Rick and Morty oder Solar Opposites, wenn auch nicht ganz so verkopft und meta (was sich aber noch ändern könnte).

Worum geht es in Marvel's M.O.D.O.K.?

Hulu/Marvel TV/Disney+
Hulu/Marvel TV/Disney+ - © Hulu/Marvel TV/Disney+

M.O.D.O.K.s (Patton Oswalt) langjähriger Traum ist es, einmal die Welt zu erobern, doch nach vielen gescheiterten Versuchen und Misserfolgen gegen die Avengers hat M.O.D.O.K. seine Firma finanziell zugrunde gerichtet. Da nutzt ihm auch der Teilerfolg wenig, dass er Iron Mans mechanischen Stiefel stehlen konnte... Nachdem die hippe Firma GRUMBL eine Übernahme anstrebt, wird die Hauptfigur als Anführer von A.I.M. abgesetzt und er versucht, seine fragile Ehe und sein Familienleben in den Griff zu bekommen. Wenn er den neuen Besitzern, unter der Führung von Dude-Bro-Geschäftsmann Austin Van Der Sleet (Beck Bennett) einige Gadgets liefert, wird er zumindest geduldet. Allerdings stellt GRUMBL die gesamte Organisation mit Start-up-Veränderungen auf den Kopf.

Mit bürgerlichem Namen heißt der Protagonist eigentlich George Tarleton. Was wenige wissen: Er ist ein zweifacher Vater und Ehemann. Aimee Garcia (Lucifer) spielt besagte Ehefrau Jodie. Sie selbst erlebt in ihren 40ern eine Art zweiten Frühling und will ihren Mommy-Blog zur Lifestyle-Marke machen, ob nun durch AIM, GRUMBL oder Roxxon ist ihr dabei egal. Eigentlich unterstützt sie ihren Partner und hat ihm zwei Kinder geschenkt, doch zum Ende des Auftakts wünscht sie sich eine Scheidung, nachdem er ihren Körper mit nachgemachten Pym-Partikeln übernommen hat, um die Vertragsunterzeichnung zu torpedieren.

Ben Schwartz (Parks and Recreation) ist Lou, der zwölfjährige Sohn des Schurken, der sich eher für sein Outfit bei seiner Bar Mitzwa interessiert als für seinen Papa. Tochter Melissa (Melissa Fumero, Brooklyn Nine-Nine) kommt schon eher nach ihrem Vater - und das nicht nur äußerlich. Sie nutzt beispielsweise im Schulalltag einige schurkischen Methoden gegen unliebsame Mitschüler...

Wichtig zu nennen ist noch Monica Rappaccini (Wendi McLendon-Covey, The Goldbergs), die M.O.D.O.K.s große Rivalin und selbst eine brillante, verrückte Wissenschaftlerin ist. Sie bietet ihm Paroli, nutzt jedoch zudem jede Chance für einen Seitenhieb und Sabotage.

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Mental Organism Designed Only for Killing

Hulu/Marvel TV/Disney+
Hulu/Marvel TV/Disney+ - © Hulu/Marvel TV/Disney+

Schurken stehen recht selten im Zentrum von Marvel-Serien. Legion, Loki und eben Marvel's M.O.D.O.K. sind hier wenige Ausnahmen der Regel. Das kann eine Hürde zwischen Zuschauern und Serie schaffen oder natürlich einen Einschaltgrund liefern. Denn es kommt nicht selten vor, dass vermeintliche missverstandene Schurken sich zu Publikumslieblingen mausern („Joker“) oder komplizierte Hintergründe haben, die es zu ergründen gilt.

Als Comedyformat mit Familientwist taugt die Marvel-Serie in der Auftaktepisode Hier ist... M.O.D.O.K. überraschend gut. Der Humor ist - wie so oft im Genre - reine Geschmackssache, doch die Kreativen und die Synchronsprecher präsentieren eine flotte und freche Einstimmung, die aber hauptsächlich damit beschäftigt ist, die Prämisse und die feindliche Übernahme einzuleiten und alle wichtigen Figuren einzuführen.

Das Marvel-Universum selbstironisch auf die Schippe zu nehmen, stellt dabei einen Reiz dar, den es so beispielsweise auch im bereits erwähnten Robot Chicken (mit Popkultur im Allgemeinen) oder Star Trek: Lower Decks (monothematisch zu Star Trek) gibt. In der ersten Folge erfolgen immerhin schon Auftritte von Iron Man (Jon Hamm) oder dem grünen Drachen Fin Fang Foom. Castingmeldungen haben schon verraten, dass es natürlich nicht nur dabei bleiben wird.

Die Dialoge sind für Fans sicherlich durchaus witzig, für allgemeine Zuschauer aber vielleicht nicht ganz so zugänglich. Allerdings funktionieren viele Witze sicherlich auch ohne Comickenntnis. „M.O.D.O.K.“-Comics muss man ohnehin nicht gelesen haben, weil diese Version eine deutlich überzogene Variante ist, die man keinesfalls ernst nehmen kann und sollte, was in der Vorlage aber auch oft genug nicht so einfach ist. Ich habe die Folge im englischen Original gesehen, aber wie so oft bei Serien, die manchmal Wert auf Wortspiele legen, kann es relativ schwierig sein, passende Gags zu übertragen - so, wie es zum Beispiel in der finalen Szene im Restaurant der Fall ist. Dort funktioniert das Missverständnis mit dem Ober im Deutschen (da habe ich aus Neugier reingeschaut) nämlich nicht so gut (Stichwörter: „Divorce“/„Dove Horse“), aber das ist bei Humor nun einmal oft ein Problem, für das es keine allgemeingültige Lösung gibt.

Spannend wird sein, ob das Format, ähnlich wie Marvel's Helstrom als Überbleibsel der alten Marvel-TV-Ära unter Jeph Loeb behandelt wird oder ob es eine Chance auf eine Fortsetzung erhält. Besonders, weil sie von Beginn an weltweit auf Zuschauerfang gehen kann. Animation gilt zwar als zeitaufwändig, besonders Stop-Motion, aber gleichzeitig auch als Genre, das in der Pandemiezeit eine gewisse Krisensicherheit mitbringt. Serienmacher Jordan Blum hat auf Twitter schon von einer möglichen zweiten Staffel geschrieben, an der eventuell bereits gearbeitet wird.

Bei der virtuellen New York Comic-Con wurde ein Blick in die Entstehung der Serie „Marvel's M.O.D.O.K.“ gewährt - hier im Video:

Fazit

Fans von derben Comedys, obskuren Marvel-Charakteren, Stop-Motion-Spaß und megalomanischen Kopffüßern sollten mal einen Blick in Marvel's M.O.D.O.K. werfen. Wenn das alles nicht nach der eigenen Kragenweite klingt, ist das Animationsformat vielleicht eher nichts für einen und es sollte genug Alternativen geben, die den eigenen Geschmack besser bedienen.

Hier abschließend noch der englische Trailer zur Serie „Marvel's M.O.D.O.K.“ auf Disney+:

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