Marvel's Helstrom 1x01

© arvel's Helstrom: (c) Hulu/Marvel TV
Marvel's Helstrom wirkt wie ein schizophrenes TV-Format. Die Marvel-Marke scheint (fast) überall entfernt worden zu sein und stattdessen betont man eher die Sendeheimat Hulu. Das mag auch damit zu tun haben, dass das alte Marvel TV, das jahrelang von Jeph Loeb geführt wurde als abgewickelt gilt und „Helstrom“ irgendwie das letzte Realserien-Überbleibsel einer Ära ist, die Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D., Marvel's Agent Carter, Marvel's Runaways, Cloak & Dagger oder die Netflix-Serien rund um Daredevil, Jessica Jones, Luke Cage und Iron Fist hervorgebracht hat. Sie war lose mit dem Marvel Cinematic Universe verbunden, aber bis auf wenige Andeutungen oder Cameos gehörte man doch nie wirklich dazu. „Helstrom“ ist auch ein Format, nach dem wohl die wenigsten Comicfans überhaupt verlangt haben. Darum würde man meinen, dass man eigentlich doch voll und ganz auf den Marvel-Namen setzen würde - oder etwa nicht? Die Figuren selbst sind weder aus der A- noch der B-Riege des großen Marvel-Fundus und doch wurde ihnen ein Format gegönnt. Warum eigentlich?
So oder so: Nun ist also Marvel's Helstrom da, das einst zusammen mit einer „Ghost Rider“-Serie eine eigene mystische Marvel-Ecke bilden sollte, aber einem nun allein das Gruseln lehren möchte. Allerdings ist die Pilotepisode Mother's Little Helpers vor allem gruselig generisch.
Worum geht es in Helstrom?

In Oregon lernen die Zuschauer Daimon Helstrom (Tom Austen) kennen, der eigentlich Uni-Dozent ist, aber nebenbei auch bei Exorzismen aushilft. Manchmal stellen sich diese - wie in der Auftaktfolge - auch als Fake heraus. Aus einer Nervenheilanstalt entkommen derweil zwei Personen, was Dr. Louise Hastings (June Carryl) alarmiert. Sie ist so etwas wie die Ziehmutter des Protagonisten. In ihrer Obhut befindet sich Victoria Helstrom (Elizabeth Marvel), die offenbar von fremden Mächten besessen wird und direkt mit den Ausbrüchen zu tun hat. Gabriella Rosetti (Ariana Guerra) wird ebenfalls involviert und wurde vom Vatikan nach Portland geschickt, um ein Auge auf die Lage zu haben, weil man dort Zweifel an Daimon als Exorzist hat - wegen seiner familiären Hintergründe und der Mächte, die offenbar in ihm schlummern.
Parallel dazu sehen wir, wie Ana Helstrom (Sydney Lemmon) in Kalifornien auf eigene Faust nach potentiellen Übeltätern und mystischen Auffälligkeiten sucht. Dabei wird sie unterstützt vom Caretaker (Robert Wisdom), der sie zu einem Grabmal führt, das mit den Vorfällen in Portland zusammenhängt. Die Geschwister hatten lange Zeit keinen Kontakt mehr, doch die Vorfälle der letzten Zeit bewegen Daimon dazu, seine Schwester um Hilfe zu bitten, denn der Zustand der Mutter scheint sich zu verschlimmern und außerdem lauert wohl noch etwas Schlimmeres. Denn beide finden ein Symbol, das Unheil verspricht...
My body is a cage

Die mystische Ecke des Marvel-Universum wurde bereits mehrfach in diversen Serien angerissen. Etwa mit dem Ghost Rider bei „Agents of S.H.I.E.L.D.“, der Darkforce bei „Agent Carter“ oder allein durch die Kräfte von Cloak und Dagger. Eine reine Horror- respektive Gruselserie gab es so noch nicht. Allerdings ist das als Genre im TV auch relativ gut besetzt. Ob nun Serien über Geister und Exorzisten selbst oder auch andere Mysteryphänome, irgendwie bietet „Helstrom“ nichts, was man so oder so ähnlich nicht bereits woanders gesehen hätte - und dort oftmals auch besser. Es ist natürlich etwas unfair, so ein Urteil schon nach der Pilotfolge zu fällen, aber Serien wie beispielsweise Sleepy Hollow, Evil, Supernatural, Lucifer oder Constantine haben in ähnlichen Gewässern gefischt und dabei schneller mehr Sympathiepunkte sammeln können. Die Liste ließe sich sicher noch erweitern.
Am ehesten ist die Geschwisterdynamik wohl als „Supernatural“ mit Superkräften zu vergleichen, denn auch dort ging es anfangs um übernatürliche Phänomene, die den Familienfrieden störten und Geschwister, die als Erwachsene ihre Kräfte gegen eine Bedrohung bündeln müssen. Sowohl Daimon als auch Ana wirken in ihrem Verhalten teilweise etwas zu abgebrüht, was im Verlauf der Folge durch ein Trauma aus der Kindheit und dessen Spätfolgen zumindest teilweise erklärt wird. Die schauspielerischen Leistungen sind sicherlich okay und vor allem Daimon und Ana schaut man als Charakteren gerne zu, aber es ist nichts Herausragendes dabei, bei dem man sich als Zuschauer denkt: „Jetzt habt Ihr mich aber überzeugt!“ Für mich muss eine Pilotfolge den Appetit anregen und Lust auf mehr machen. Hier war ich größtenteils hingegen eher satt nach der ersten Stunde...
Ein bisschen Humor, der aber nur teilweise funktioniert und gewisse Grusel-Stilmittel, die man, wie bereits erwähnt, eigentlich zur Genüge kennt (wie oft haben wir solche Exorzismen, verstellte Stimmen und flackernde Lichter schon gesehen?), sollen die unheimliche und bedrohliche Atmosphäre untermauern. Überraschungen wollen dabei allerdings keine aufkommen, besonders wenn man auch nur irgendeinen Trailer zur Produktion gesehen hat. Nervig ist zudem der Versuch, Spannung aufzubauen, indem Figuren ahnen, dass sie wissen könnten, wer hinter bestimmten Vorgängen steckt und man sie dann aber nur Pronomen verwenden lässt, damit der Zuschauer weiter im Dunkeln tappen kann. Das passiert gleich zweimal in der Pilotfolge und ist eher nervig und kontraproduktiv.
Die Comicvorlage, auf der das Ganze lose basiert, ist außerdem so obskur, dass die wenigsten wahrscheinlich überhaupt davon gehört haben. Was in dem Fall auch völlig egal ist. Denn die Serie fühlt sich stark nach einem Done-in-One an, ähnlich wie Swamp Thing von DC Universe, bei welchem man vorab schon wusste, dass es eigentlich kaum eine realistische Chance auf eine Verlängerung gibt. So kann man sich natürlich auf die Reise mit den wahrscheinlich lediglich zehn Episoden einlassen oder man belässt es nach dem uninspirierten Auftakt einfach dabei.
Fazit

Leidet man unter akuten Mysteryserienmangel, kann man Marvel's Helstrom sicherlich eine Chance gönnen. Man sollte eben nur die Erwartungen herunterschauben. Die Auftaktfolge ist sicherlich kein peinlicher Reinfall, aber in ihrer generischen Erwartbarkeit kaum zu schlagen. Marvel TV hat in der Vergangenheit bewiesen, dass man auch aus obskuren Figuren und begrenzten Mitteln eine hervorragende Serie machen kann, wie zum Beispiel bei Legion. „Helstrom“ fühlt sich eher wie ein Format an, das man noch einreichen musste, ehe der alte Vertrag ausläuft.
Hier abschließend noch der offizielle Trailer zur Serie „Marvel's Helstrom“:
Verfasser: Adam Arndt am Freitag, 16. Oktober 2020Marvel's Helstrom 1x01 Trailer
(Marvel's Helstrom 1x01)
Schauspieler in der Episode Marvel's Helstrom 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?