Marvel's Agent Carter 1x08

Marvel's Agent Carter 1x08

Mit der Episode Valediction kommt die erste Staffel der ABC-Serie Marvel's Agent Carter zu ihrem Ende. Es gilt, die Feinde zu stellen und sie von ihrem großen Plan abzuhalten. Passiert das mit einem Knall oder verpufft der Schluss eher?

Szenenfoto aus der Episode „Valediction“ der Serie „Marvel's Agent Carter“ / (c) ABC
Szenenfoto aus der Episode „Valediction“ der Serie „Marvel's Agent Carter“ / (c) ABC
© (c) ABC

Valediction bringt die Abenteuer von Peggy Carter (Hayley Atwell) zu einem vorläufigen Abschluss. Dabei kommt noch einmal die eine oder andere wichtige Figur vorbei, um die Handlung mit einer erzählerischen Schleife zu versehen. Trotzdem wird man das Gefühl nicht los, dass noch etwas mehr drin gewesen wäre.

Festhalten kann man, dass so gut wie alle Erfindungen von Howard Starks (Dominic Cooper) glorifizierte McGuffins darstellen, die Gefahr suggerieren, aber entweder recht leicht aus der Welt geschaffen werden oder gefühlt ohne Konsequenzen verschwinden. Im Fall des Item 17 muss man das vielleicht einschränken, weil im Kino 47 Menschen gestorben sind, die sich brutal gegenseitig abgeschlachtet haben. Der Mann, der sich diese ausgedacht hat, wird immer wieder als Buhmann dargestellt und die Autoren schreiben sich immer wieder Ausreden zurecht, dass irgendeine dritte Fraktion diejenige ist, die Schindluder damit treibt.

Ob nun Dottie (Bridget Regan) und Dr. Ivchenko (Ralph Brown) oder irgendwelche gesichtslosen Generäle. Stark wird nie die Schuld tragen, auch wenn gesagt wird, dass die Figur sich schlecht und schuldig fühlt - überzeugend ist das nicht. Es ist allerdings auch deswegen nicht effektiv, weil die Figur zu wenig in den acht Folgen präsent ist und immer nur dann erscheint, wenn sie gerade die Handlung voranbringen kann. Das klingt vielleicht härter, als es gemeint ist, trägt jedoch dazu bei, dass sich dieser Abschluss nicht ganz auf dem erhofften Niveau bewegt.

Souza dreht durch, Stark will Schuld sühnen

Das Einatmen der Item-17-Rückstände durch Souza (Enver Gjokaj) verdeutlicht dabei, wie nebensächlich die Erfindungen sind und dass sie eigentlich nur dazu da sind, um Exposition unterzubringen und den Plot, der im Endeffekt etwas uninspiriert daherkommt, voranzutreiben. So wissen die SSR-Agenten und Zuschauer gleichermaßen, was es damit auf sich hat, sofern die Szene im Kino das nicht schon mehr als deutlich gemacht hat.

Dottie und der Hypnosedoktor planen derweil um, als sie erfahren, dass Howard Stark wieder in der Stadt ist und er sich der Öffentlichkeit in einer Pressekonferenz stellen will. Die beiden Schurken machen sich in einem seiner geheimen Hangars heimisch und planen, ihn zu manipulieren und mit einigen Kanistern seines eigenen Gemisches auf den Time Square fliegen zu lassen. Bis dahin gilt es, wenig Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. So wird ein Wachmann von Dottie aus dem Weg geräumt und ein Polizist für ihre Zwecke manipuliert.

Szenenfoto aus der Episode %26bdquo;Valediction%26ldquo; der Serie %26bdquo;Marvel%26#039;s Agent Carter%26ldquo; © ABC
Szenenfoto aus der Episode %26bdquo;Valediction%26ldquo; der Serie %26bdquo;Marvel%26#039;s Agent Carter%26ldquo; © ABC

Immerhin denken sie wieder voraus: Die Konferenz, die eigentlich die Feinde des SSR aus der Reserve locken sollte, nutzen Dottie und der Doktor, um einen Scharfschützenanschlag auf Stark zu fingieren und ihn in seinen Hangar zu entführen. Dort werden die Motive des Doktors deutlicher. Durch das midnight oil aka Item 17, das Stark erdacht hat, kam beim „Battle of Finnau“ der Bruder des Doktors um.

Denn, wie Stark bei seinem Auftritt im Büro des SSR erklärt, sollte dies eigentlich ein Mittel sein, um Soldaten wachzuhalten, denn die Nebenwirkungen Wut, Halluzinationen und Psychosen - bis hin zum gegenseitigen Umbringen - waren so nicht beabsichtigt. Wie so oft bei Stark... Doch, statt Übel aus der Welt zu schaffen, fallen solche tödliche Artefakte wegen seiner Unachtsamkeit wiederholt in die falschen Hände und kosten zahlreiche Menschenleben.

Dass Stark Reue zeigt, interessiert den Doktor, der selbst nur durch eine Gasmaske überlebte, herzlich wenig und er möchte ihn leiden sehen, indem er ihn an seine größte Verfehlung erinnert: den Verlust von Steve Rogers. Bis das SSR zu Stark aufschließt, sitzt der aber schon im Flieger und wird von Ivchenko per Funk manipuliert. Ein Rätsel bleibt das genaue Ausmaß seiner Fähigkeiten. Denn hier gelingt die Manipulation auch gänzlich ohne Ring. Oder reicht es bereits, den Prozess loszutreten und schon ist ein Opfer in seinem Bann? Eindeutig ist anders.

Peggy vs. Dottie

Szenenfoto aus der Episode %26bdquo;Valediction%26ldquo; der Serie %26bdquo;Marvel%26#039;s Agent Carter%26ldquo; © ABC
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Allerdings versucht Peggy, die Manipulation durch den hypnosegeschulten Doktor mit einem Gewehr zu unterbinden und gerät zunächst mit Dottie aneinander. Der Kampf der beiden Frauen ist etwas, auf das man sich im Vorfeld gefreut hat und insgesamt auch das Actionhighlight der Episode. Hier kommen Handtücher und Messer, aber auch wuchtige Baseballschläger zum Einsatz. Peggy gelingt es überraschend schnell, Dottie aus dem Fenster zu kicken, wodurch diese blutend auf der Tragfläche eines Flugzeugs aufkommt.

Natürlich ist das noch nicht das letzte Mal, dass man Dottie sehen könnte, denn später fehlt von ihr jede Spur. Sollte es also eine zweite Staffel geben oder eine Verwendung für die Figur im Marvel-Cinematic-Universe gefunden werden, könnte man sie wieder sehen.

Um Stark zu retten, wird Jarvis (James D'Arcy) mit der Luftverfolgung beauftragt. Sollte es Peggy nicht gelingen, ihn mit Worten aus der Hypnose zu holen, dann ist es an seinem Butler, ihn aus der Luft zu holen. Er selbst ist zwar schon geflogen, hat jedoch noch nie jemanden abgeschlossen, weswegen Peggy alles daran setzt, ihn auf ihre Weise zu retten.

Thompson vs Souza?

Um den Doktor kümmern sich derweil Thompson (Chad Michael Murray) und Agent Souza - sie versuchen es zumindest. Thompson wird nämlich niedergeschlagen und dann hängt es an Souza, den Manipulator auszuschalten. In einer Szene, die so oder so ähnlich schon mehrfach in der Serie genutzt wurde, um Spannung zu erzeugen, sehen wir, wie eine Figur etwas tut, nur damit die Macher dann nach einer langen Sequenz offenbaren, dass eine andere Intention dahintersteckt.

Wir erinnern uns zum Beispiel an den angeblichen Anschlag durch Dottie auf den Doktor, welcher sich als geheime Kontaktaufnahme herausstellte. Hier ist es nun Souza, der mühevoll auf den Doktor zuläuft, während er plappernd versucht, ihn dazu zu bewegen, Thompson zu erschießen. Im Endeffekt hat Souza aber durch einen Hörschutz vorgesorgt. Das Zurückgreifen auf solche erzählerischen Mittel ist nicht verkehrt, doch in gewisser Weise ist die Umsetzung in „Agent Carter“ nicht immer überzeugend. Die Möglichkeit, dass Souza wirklich Thompson erschießt, wurde einfach nicht glaubhaft genug gemacht.

Während Jarvis die Möglichkeit hätte, Stark vom Himmel zu holen, versucht Peggy unter Tränen weiterhin, an Howards Inneres zu appellieren. Die Inszenierung dieses Versuches ist ganz bewusst an ihre letzte Unterhaltung mit Steve Rogers (Chris Evans) in „Captain America - The First Avenger“ angelehnt. Genauso wie das Radiohörspiel am Episodenbeginn direkt darauf Bezug nimmt und die Serie, wie sich im Staffelfinale herausstellt, nur eine große Verarbeitung des Verlusts von Captain America darstellt - und das sowohl für Peggy als auch für Howard.

Denn für Howard ist Cap das einzige Gute, was er in die Welt gebracht, aber auch wieder verloren hat. Peggy ihrerseits will Howard nicht verlieren, denn er ist der einzige, der an sie glaubte. Mit dieser emotionalen Bindung gelingt es dann auch, die Trance zu brechen und den Flieger umzukehren. Somit steht Howard erneut in Peggys Schuld, was er kurze Zeit später durch die Gründung und die Übertragung der Leitung von S.H.I.E.L.D. mehr als wiedergutmachen wird.

Applaus, Applaus

Beim SSR wird Peggy inzwischen mit Applaus überschüttet. Sie selbst weiß jedoch nicht, ob sie zurückkehren will und ist vor allem wegen ihres Gehaltschecks da. Kurze Zeit später kommt ein Mitglied des Senats vorbei, das Agent Thompson seine Anerkennung für die Mission mitteilen will. Statt Peggy auch hier einzubeziehen, erntet er den Ruhm alleine. So sehr verändert hat er sich also nicht.

Immerhin bringt das Souza auf die Palme, was ein Rückbezug auf die erste Folge ist - der Kreis schließt sich also. Doch Peggy will die öffentliche Anerkennung und die Ehrungen gar nicht, da es ihr reicht, zu wissen, was sie vollbracht hat. Immerhin traut sich Souza, sie auf einen Drink einzuladen. Festlegen will sie sich aber noch nicht, denn sie hat noch etwas vor. Ein anderes Mal also. Doch das Lächeln spricht Bände und sie scheint geschmeichelt zu sein.

Sechs Zimmer und acht Bäder

Das besagte Treffen findet mit Jarvis statt, der Peggy und Angie (Lyndsy Fonseca) eine neue Bleibe mit sechs Schlafzimmern und acht Badezimmern sowie einigen anderen Luxusextras wie Bibliothek, Terrasse und Telefonen in jedem Zimmer im Namen von Howard Stark zeigt, die sie kostenlos beziehen können. Für Angie gibt es wohl kaum etwas Besseres als die Vorstellung, hier mit Peggy zu wohnen.

Der Butler teilt Peggy überdies mit, dass Howard sich dazu entschieden hat, einen Großteil seiner Erfindungen zu zerstören. Außerdem ist es ihm gelungen, die Blutkanüle, die Howard aus dem SSR-Labor hat mitgehen lassen, von ihm zu entwenden und in Peggys Obhut zu geben. Sie ist die einzige, die wisse, was man damit machen sollte. Zwar schuldet Jarvis Howard so einiges, aber Ähnliches gilt für Peggy. Sie beschließt jedenfalls, dass das Blut in niemandes Hände geraten sollte. So kippt sie es von der Brooklyn Bridge und verabschiedet sich für die nächsten circa sechzig Jahre von ihrem geliebten Steve.

Überraschungsgast

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Dr. Ivchenko wird derweil verhaftet und diesmal mit einer Vorrichtung versehen, die verhindern soll, dass er sprechen und andere in seinen Bann ziehen kann. Doch das hält seinen Zellengenossen nicht davon ab, eine Zusammenarbeit mit ihm zu planen. Arnim Zola (Toby Jones) will die Talente des Doktors für seine Zwecke nutzen. Wenn er nicht sprechen kann, dann kann er sie ja wenigstens niederschreiben. Man kann davon ausgehen, dass hier die Grundsteine für das spätere Hydra-Comeback gelegt werden, die in Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. sowie „Captain America 2: The Return of the First Avenger“ für viel Trubel, Chaos und die Rückkehr Zolas gesorgt haben.

Fazit

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Das war sie also: die erste und vielleicht auch einzige Staffel von Marvel's Agent Carter (wenn man mal auf die Einschaltquoten schielt). Als Einschub mit kurzen Staffeln gefällt mir das Konzept von Agent Carter eigentlich gut, obwohl mich das Finale in bestimmten Belangen enttäuscht hat.

Der Endkampf mit Dottie etwa wirkte nach dem guten Aufbau der Figur als Gegenspielerin auf Augenhöhe eher langweilig und zu kurz. Die Bedrohung durch Leviathan und den Doktor sollte zwar durch viele Tote eine gewisse Fallhöhe erhalten, dennoch wird nicht wirklich der Eindruck von großer Gefahr vermittelt oder die Möglichkeit, dass die Bösen tatsächlich gewinnen könnten. Das Endresultat fällt dann auch - bis auf Dotties Flucht - sehr, sehr eindeutig zugunsten des SSR aus. Hier wurde in meinen Augen einiges an Potenzial verschenkt.

Die Crossover mit der anderen großen Marvel-Serie von ABC sind ebenfalls minimal, was man im Vorfeld vielleicht anders vermutet hätte, der Unterhaltung jedoch nicht im Weg stand. Dafür ist die Synergie mit dem Cap-Franchise maximal und die Einführung des Black-Widow-Programms sorgte für eine weitere Komponente, die Comicfans und Marvel-Cinematic-Universe-Freunde beglückte.

Allerdings haben die Autoren immer wieder gewisse Muster wiederholt. Zum Beginn der Staffel ähnelte sich der Ablauf der ersten drei Episoden sehr stark. Später wurden dann zumindest beim Spannungsaufbau stets zu ähnliche Muster verfolgt, die dazu führten, dass sich der Effekt abnutzte oder verpuffte.

Stärken der Serie liegen in den Hauptdarstellern, allen voran natürlich der tollen Hayley Atwell, sowie der Chemie, die sie mit Jarvis und mit Abstrichen auch mit Howard Stark hatte. Vor allem das Gespann Peggy/Jarvis wird in den folgenden Monaten vermisst werden. Dooley, Thompson und Souza sind mir im Laufe der Zeit auch ans Herz gewachsen, auch wenn sie nicht immer sympathisch waren, was natürlich auch an der Zeit liegt, aus der sie stammen.

Das Autorenteam hat es in der kurzen Zeit geschafft, jedem von ihnen eine passende Hintergrundgeschichte und individuelle Wesenszüge zu verschaffen. Angie als comic relief, Bezugsperson und Verbündete hatte zwar nicht immer viel zu tun und nutzte das Talent ihrer Darstellerin nicht immer aus. Sie wusste aber doch meistens zu unterhalten und ergänzte Peggy fast immer passend.

Alles in allem hätte ich nichts dagegen, Agent Carter entweder in weiteren Miniserien - am liebsten in anderen Dekaden - oder in Fernsehfilmen - wenn nicht bei ABC, dann bei Netflix oder auf einem anderem Weg - noch einmal in Action zu sehen. Immerhin hat sie nun den Weg freigemacht für weitere weibliche Figuren aus dem Marvel-Universum, die nun das Rampenlicht genießen können. Marvel's A.K.A. Jessica Jones oder „Captain Marvel“ lassen jedoch noch etwas auf sich warten.

Verfasser: Adam Arndt am Mittwoch, 25. Februar 2015

Marvel's Agent Carter 1x08 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 8
(Marvel's Agent Carter 1x08)
Deutscher Titel der Episode
Das ist erst der Anfang
Titel der Episode im Original
Valediction
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 24. Februar 2015 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 15. Juli 2015
Autoren
Michele Fazekas, Tara Butters
Regisseur
Christopher Misiano

Schauspieler in der Episode Marvel's Agent Carter 1x08

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