Married 1x01

FX schickt mit Married eine neue Comedyserie ins Rennen. Dabei spielen Judy Greer und Oscargewinner Nat Faxon das von Problemen im Bett geplagte Ehepaar Lina und Russ Bowman. In der ersten Episode der Single-Camera-Serie versuchen sie das Problem mit einer Geliebten fĂŒr Russ zu lösen.
Daddy is sleeping on the couch again
Russ Bowmann hat es nicht leicht. Seine zugegeben ungeschickten Versuche Ehefrau Lina (Judy Greer) zum Sex zu motivieren enden fĂŒr ihn nicht zum ersten Mal auf der Wohnzimmercouch. Aber er gibt nicht auf. Seine Frau steht auf Vampirfilme und BĂŒcher, da muss seine Verkleidung als Dracula doch zum Erfolg fĂŒhren, oder? Wieder ist die Couch die Endstation seiner Nachtruhe. Lina gibt ihm bei ihrem GesprĂ€ch am nĂ€chsten Morgen zu verstehen, sie könne keine Energie fĂŒr drei Kinder und gleichzeitig noch fĂŒr abendliche IntimitĂ€ten aufbringen. Vielleicht sollte er das doch âwo andersâ suchen. Nach kurzer Besprechung beim abendlichen Kneipenbesuch wird nach Motivation durch seine Freunde AJ Brett Gelman und Jess Jenny Slate beschlossen, seine Ehefrau wörtlich zu nehmen.
Beim wachsen seines Ohres macht er auch schon ein potenzielles Ziel aus und geht ĂŒberrascht von seinem möglichen Erfolg mit der labilen Isis (Karolin Luna) mit nach Hause. Unsicher ob er deren Zustand ausnutzen soll und doch spitz genug, laufen die Dinge trotzdem nicht so, wie er sich das erhofft hat, denn ein Telefonanruf seiner Frau bringt ihn dazu, die Mission abzubrechen.
Diskretion zÀhlt nicht zu seinen StÀrken
Hier offenbart sich die gröĂte SchwĂ€che der Serie: Es wird verhĂ€ltnismĂ€Ăig viel Zeit in Russ investiert, um ihn aus möglichst vielen Blickwinkeln erscheinen zu lassen. Doch Empathie fĂŒr ihn kommt nur durch gelegentliches FremdschĂ€men auf. Vielmehr wirkt er sehr oberflĂ€chlich und wenig sympathisch. Es wird sehr offensichtlich versucht, ernste Thematik mit Situationskomik in einem Stil zu kombinieren, der sehr an die seltsamen und peinlichen Situationen aus Louie erinnert. Deren QualitĂ€t wird nur an manchen Stellen erreicht. Doch das macht Married noch lange nicht schlecht. Die Dialoge zwischen Lina und Russ sind frisch, witzig und eloquent vorgetragen. Dementsprechend lĂ€sst sich vom schauspielerischen Standpunkt aus gesehen sagen, dass Nat Faxon und vor allem Judy Greer wirklich gute Arbeit leisten.

Russ beschlieĂt die noch nicht begonnene AffĂ€re auf Ă€uĂerst kreative und moralisch grenzwertige Weise zu beenden. Er bringt Isis das Halstuch des Hundes, den er zuvor gekauft hatte, um bei ihr zu landen, blutig eingefĂ€rbt mit an das Krankenbett der GroĂmutter. Diese Szene ist bitterböse und trotzdem sehr komisch. Diese Art von schwarzem Humor steht der Serie gut. Auch die letzte Szene, in der Russ wieder aus dem Ehebett verbannt wird, hat mir ein Schmunzeln entlockt.
Fazit
Married macht vieles richtig und hat doch Probleme. Um mich wirklich weiter am Bildschirm zu halten, muss mich in Relation zu seiner Screentime, die Figur von Russ mehr Emphatie empfinden lassen, auch wenn es nur Mitleid ist. Es darf einem nicht egal sein, ob seine Eskapaden erfolgreich oder peinlich ausgehen. Ăndert sich dies, hat die am ehesten als Dramedy einzuordnende Serie, Potential einen festen Platz im Serienprogramm finden. All diejenigen, die schwarzem Humor in Kombination mit geerdeter, ernsterer Thematik etwas abgewinnen können sei empfohlen, die Scheidung noch nicht einzureichen.
Verfasser: Tim KrĂŒger am Freitag, 18. Juli 2014Married 1x01 Trailer
(Married 1x01)
Schauspieler in der Episode Married 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?