
Marc Maron ist ein amerikanischer Stand-up-Comedian, der bereits zahlreiche Auftritte in beliebten Sendungen wie Late Night with Conan O'Brien oder der Late Show with David Letterman absolviert hat. Obwohl Maron auch noch in weiteren Formaten mitwirkte, hat er sich vor allem durch seinen Podcast „WTF with Marc Maron“ einen Namen gemacht, in dem er sich seit dem Jahr 2009 zweimal wöchentlich mit Kollegen aus der Comedybranche auseinandersetzt.
Marons Macken
Die neue Comedy Maron, in der Marc sich selbst mehr oder weniger authentisch in der Hauptrolle verkörpert, thematisiert die besagten Podcasts und setzt sie in den fiktiven Zusammenhang einer Sitcom. Die ausgeprägten Unsicherheiten und Neurosen, mit denen sich Maron auch gern auf exhibitionistische Weise in seinem Podcast beschäftigt, teilt der Comedian ebenso freimütig mit den verschiedenen Figuren, die ihn in der Welt von „Maron“ tangieren.
Marons übersteigertes Mitteilungsbedürfnis entlädt sich so auch gleich auf schonungslose Art und Weise im Untersuchungszimmer seiner Tierärztin, die der ausgeprägte Katzenfreund öfter konsultiert, als es der Frau lieb ist. Seine Schilderung eines Sextraumes, bei der die Veterinärin und Marc bei der Vollziehung des Aktes von einer Reihe von Tieren beobachtet werden, ist dabei ebenso wenig von Erfolg gekrönt wie das Zusammentreffen mit seiner zweiten Exfrau Michelle (Jessica Makinson). Seine Verblichene sieht er ausgerechnet in dem Moment wieder, in dem sie mit ihrem reicheren, attraktiveren neuen Mann und ihrem Babybauch in einem Café sitzt, während er selbst gerade eine zugekackte Katzenbox mit sich herumtransportiert. Hier bringt Maron seine Unzufriedenheit auf unorthodox egozentrische Weise zum Ausdruck: „You are having a baby at me. That is a spite-baby.“ Obwohl beide Begegnungen mit dem anderen Geschlecht von einer gehörigen Portion Fremdscham profitieren, setzen sie doch keine neuen Maßstäbe in Bezug auf die Originalität der Witze.
Fiktion und Realität
Auch der Marc der Realität ist bereits zweimal geschieden. Diese bittere Lebenserfahrung schlägt sich in unterhaltsamer Selbstironie in der Sitcom wider. Die Rezensentin ist nicht mit Marons Podcasts vertraut, doch die neue Serie macht Lust darauf, ihn sich anzuhören. So erkundet man an seiner Seite die Realität eines grundsätzlich recht unzufriedenen Mannes um fünfzig, der sein Geld zwar mit den neuen Medien verdient, ihnen aber gleichzeitig auch mit staunendem Misstrauen gegenübersteht.
Immer wieder werden Elemente aus Marons Alltag in der Sitcom aufgegriffen. In der Pilotepisode Internet Troll werden Marcs Erfahrungen mit ungewolltem Feedback zu seiner Audiosendung abgehandelt. Als besonders ungewogen zeigt sich hier ein Nutzer namens Dragonmaster: „Marc Maron wasn't funny when he was funny. And that was 20 years ago.“
Statt sich mit seinem Freund und Kollegen Dave Foley, der angetrunken und eine Woche zu spät zu seinem Interviewtermin für WTF erscheint, in sein Aufnahmestudio zurückzuziehen, macht sich Maron lieber auf die Jagd nach seinem anonymen Kritiker. Der Ausflug führt die beiden gut harmonierenden Comedians samt einer kackenden Katze nach Orange County, wo Marc und Foley auf erquickliche Weise in eine Welt der Nerds eintauchen. Dragonmaster, den Maron nach einer eingehenden Recherche als jungen Brillenträger namens Daryl (Erik Charles Nielsen, Community) identifiziert, ist gerade in eine Runde des berüchtigten Rollenspieles Dungeons and Dragons vertieft. Der Zeitpunkt für eine Konfrontation scheint günstig.

Marc geht es bei seiner Vendetta jedoch keinesfalls um sein gekränktes Ego. Niemals! Er versteht sich vielmehr als selbstloser Partizipant einer „crusade for decency“: „I'm taking a stand against Internet bullies - these maladjusted assholes who anonymously spew lies and hate.“
Rückschläge und ein trauriger Lichtblick
Bedauerlicherweise lässt sich Dragonmaster Daryl nicht durch die Präsenz des Comedian einschüchtern und erweist sich zu allem Überfluss auch noch als großer Fan von Marons Begleiter Foley. Nach dieser weiteren Schmähung verläuft auch der geplante Podcast, der wie im wahren Leben in Marons Garage aufgezeichnet wird, im auditiven Sande. Die Kommunikation der beiden Gesprächspartner beschränkt sich mehr oder weniger auf Foleys Burrito. Doch der Tag hält für Maron auch noch etwas Positives bereit: Er stößt mit dem wortkargen Sid endlich auf einen Fan seiner Arbeit. Die Tatsache, dass sich Marons eigenes Wesen und die vermeintliche gesellschaftliche Irrelevanz in diesem Bewunderer widerspiegelt, ist ein gutes Beispiel für den ironisch-selbstreflexiven Humor von Maron. Auch bei Sid, den Marc in einem kleinen Supermarkt kennenlernt, handelt es sich um einen optisch durchschnittlichen Mann, dessen beste Jahre wohl gezählt sind. In gewisser Weise scheint Maron durch ihn einen zynischen Blick in die eigene, katzenreichere Zukunft zu werfen...
Fazit
Die Serie Maron präsentiert einen irgendwie doch sympathischen Protagonisten, der über genügend Ecken und Kanten verfügt, um nicht zu schnell langweilig zu werden. Das Aufgreifen von charakteristischen Schwerpunkten aus den WTF-Podcasts mag zwar noch so manchen Insider vor der Rezensentin verborgen haben, doch Marons schonungslose Selbstreflexion unter dem Deckmantel eines übersteigerten Egos hält auch so genug Humor bereit. Auf diese Weise manifestiert sich in dieser Sitcom, die in ihrer Konzeptualisierung an die Serie Louie denken lässt, auch ein Reiz für diejenigen Zuschauer, die nicht mit Marons Podcast vertraut sind.
Das humoristische Spektrum des Comedians scheint allerdings recht schnell erfasst zu sein und die Rezensentin bezweifelt, inwieweit zu viele Katzen und ein übersteigertes Geltungsbedürfnis die Serie langfristig mit originellem Witz versorgen können. Doch die Tatsache, dass man sich mit dem Protagonisten und seinem lebensnahen Aufbegehren - wie dem Kampf gegen digitale Lästermäuler -, stimmt einen wohlgesonnen. Gleiches gilt für die angekündigte Reihe von Gaststars im Verlauf der ersten Staffel - wie Judd Hirsch als Marcs Vater und andere Größen aus der Comedybranche. So macht die Auftaktepisode Internet Troll nicht nur überambitionierten Tiersammlern Lust darauf, den semifiktiven Leidensweg des Marc Maron auch weiterhin mitzuverfolgen.