Manifest 1x01

Manifest 1x01

NBC schickt mit Manifest eine neue Mysteryserie ins Rennen. Die Leben der Passagiere eines Flugzeuges verändern sich für immer. Sie verschwinden für fünf Jahre spurlos und kehren dann unter mysteriösen Umständen zurück...

Wie ist die Pilotfolge von „Manifest“ gelungen? (c) NBC
Wie ist die Pilotfolge von „Manifest“ gelungen? (c) NBC
© ie ist die Pilotfolge von „Manifest“ gelungen? (c) NBC

Mit schöner Regelmäßigkeit versuchen die US-Networks sich am Thema Mysteryserien. Einst hatte Lost großen Erfolg damit und es gab viele Nachahmer, doch der große Hype oder Zuschauerzuspruch blieb meistens aus. Allein NBC, der Heimatsender des hier besprochenen neuen Formats, hatte in den letzten zehn bis 15 Jahren Serien wie The Event oder Believe zu bieten, die selten über eine erste Staffel hinausgekommen sind.

Aus dem Hause Warner Bros. kommt jetzt der nächste Versuch namens Manifest und wie schon bei Lost beginnt die Handlung mit einem Vorfall in einem Flugzeug. Am 7. April 2013 wird das Leben zahlreicher Menschen verändert, denn ein übervoller Flug sorgt dafür, dass 400 Dollar Entschädigung pro Kopf bezahlt werden, wenn man auf einen anderen Flug ausweicht, was auch einige Passagiere, darunter Ben Stone (Josh Dallas) und seine Schwester Michaela (Melissa Roxburgh) in Anspruch nehmen. Auch Bens schwerkranker Sohn Cal (Jack Messina) nimmt den folgenschweren Flug...

Plötzliche Turbulenzen sorgen zwar für einen kleinen Schock und einen kaputten Laptop bei der Forscherin Saanvi (Parveen Kaur), aber niemand kommt ernsthaft zu Schaden. Bald steht der Landeanflug an und der Tower traut seinen Ohren kaum, als der Captain durchsagt, wie die Bezeichnung des Flugzeugs lautet. Es ist inzwischen der 4. November 2018 und die Insassen galten fünfeinhalb Jahre für verschollen und wurden für tot gehalten. Allerdings sind sie keinen Tag gealtert, dafür hat sich aber die Welt ohne sie weitergedreht. Das bedeutet, dass Geschwister gealtert, geliebte Menschen gestorben und neue Beziehungen entstanden sind, was die Flugreisenden ordentlich aus der Bahn wirft.

Polizistin Michaela steht nun ohne Wohnung, Mutter und Freund da, dafür hört sie bisweilen ihre eigene Stimme, die sie in bestimmten Situationen warnt. Beispielsweise weiß sie instinktiv, dass ein Busfahrer das Tempo drosseln muss. Das kommt jedoch erst in dem Moment heraus, als ihre Aktionen einem Kind das Leben retten.

In fünf Jahren kann sich aber auch viel positiv verändern. Bei Saanvi ist es etwa ihre Forschung, die schon Hunderten von Menschen mit einer bestimmten Krebsart das Leben gerettet hat. Wegen einer formellen Regel zum Zeitablauf einer Studie fällt Cal als Kandidat jedoch heraus und das, obwohl sich sein Zustand wie durch ein Wunder verbessert hat.

Set them free

NBC
NBC - © NBC

Der Befehl „Set them free“ verfolgt Michaela die ganze Folge über und gilt nicht, wie zunächst angenommen, wilden, bellenden Hunden, sondern zwei eingesperrten Kindern, die der Officer somit aus der Gefangenschaft eines Schweißers rettet. Das Gimmick mit den Stimmen im Kopf wird aber schon in der Pilotfolge dermaßen maximal ausgereizt und nervt ob der zahlreichen Wiederholungen dann doch schneller, als den Serienmachern wohl lieb ist.

Die Stimmen im Kopf scheinen nicht nur Michaela zu leiten, sondern auch Bruder Ben zu verfolgen - und womöglich sogar das gesamte Flugzeug. Denn, wie es bei solchen Serien oft der Fall ist, wurde die ganze Gruppe nach der gemeinsamen Erfahrung verändert, was wohl ein treibendes Element der Debütstaffel sein könnte.

Eine gute Mysteryserie steht und fällt für mich mit dem Mysterium und der Frage, ob es den Serienmachern gelingt, vom Start weg so viel Neugierde zu wecken, dass man wissen möchte, wie es weitergeht. Lost konnte genau das meisterhaft, aber auch FlashForward und The Event haben im Piloten eine Prämisse präsentiert, die Potential hatte, nur um dann doch schnell abzubauen. In meinen Augen hat einzig Lost hier genügend Stoff in seine Mythologie gepackt, um mich am Ball zu halten. Ein anderes positives Beispiel ist jedoch noch Fringe, wobei hier Mystery auf Science-Fiction und sympathische Figuren getroffen war. Manifest versucht zumindest im Piloten, die zwischenmenschlichen Beziehungen in den Vordergrund zur rücken, was mit gemischten Ergebnissen daherkommt. Der Familienzusammenhalt von Ben, seiner Frau und den Kindern sowie von Schwester Michaela ist eine solide Grundlage, die aber nur in Teilen spannend ist. Bens Teil gefällt mir auf Anhieb etwas besser, weil der kranke Sohn und die älter gewordene Zwillingsschwester reichlich Potential für zukünftige Konflikte liefern. Leider gibt es beim Aspekt der Zurückkehrer in meinen Augen schon spannendere Serien (Les Revenants/Les Revenants/Resurrection), die das bereits von Beginn an deutlich intimer und tiefer verarbeiten, so dass Manifest nicht ganz mithalten kann.

Mit Michaela probiert man zudem eventuell noch, Polizeiprocedural-Elemente für die Networkzuschauer zu integrieren. Allerdings werde ich mit ihrer Schauspielerin im Auftakt nicht unbedingt warm. Das Ensemble an sich überzeugt mich auf Anhieb nicht so recht, keiner sticht durch sein enormes Charisma heraus. Dallas kenne ich natürlich noch als Prince Charming aus Once Upon a Time. Hier spielt er nun einen Familienvater, der einst seine volle Energie in seinen kranken Sohn steckte und deswegen seine Tochter vernachlässigte sowie obendrein noch eine Frau an seiner Seite hat, deren Leben in den fünf Jahren seit seinem Verschwinden nun mal weitergegangen ist. Auf dem Papier liest sich das spannend, in der Pilotfolge geben mir die Autoren nicht genug Gründe, warum ich auch beim nächsten Mal einschalten sollte.

Der Pilot verfügt über kaum ein Alleinstellungsmerkmal und wirkt eher wie der routinierte Versuch, wieder einmal auf ein Wunder zu hoffen, mit dem sich die Autoren mehr Zeit erkaufen, um ihre Geschichte zu erzählen, die sie wahrscheinlich noch nicht zu Ende konstruiert haben...

Fazit

NBC
NBC - © NBC

Aufgrund der aufgezählten Gründe gehen also schon beim Mysterium, der Ausführung und dem Cast Sympathiepunkte flöten. Entsprechend glaube ich, dass wir es bei Manifest nicht mit eine neuem Lost, sondern höchstens eher einem FlashForward oder The Event zu tun haben. Dort war das Initialinteresse groß, aber bald schon machte sich Ernüchterung breit und nach einer Staffel war das Mysterium beendet oder verpufft.

Der Trailer zu „Manifest":

Verfasser: Adam Arndt am Dienstag, 25. September 2018

Manifest 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Manifest 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Stimmen im Kopf
Titel der Episode im Original
Pilot
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 24. September 2018 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 1. November 2019
Autor
Jeff Rake
Regisseur
David Frankel

Schauspieler in der Episode Manifest 1x01

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