Manhattan 1x01

Manhattan 1x01

Mit der Miniserie Manhattan wagt sich der amerikanische Kabelsender WGN Network nach Salem an das nächste Projekt. Ob die Dramaserie, welche als zentrales Thema das Rennen um die Konstruktion der ersten Atombombe beinhaltet, das Vertrauen des Senders rechtfertigt, könnt Ihr hier lesen.

Der Cast von „Manhattan“ / (c) WGN America
Der Cast von „Manhattan“ / (c) WGN America

Im Zuge des Manhattan-Projektes wurden unter der Leitung des Militärs und des theoretischen Physikers J. Robert Oppenheimer während des Zweiten Weltkriegs die ersten Atombomben entwickelt. Manhattan beginnt im Jahre 1943 im Rennen um die Entwicklung der Bomben in der künstlich geschaffenen Stadt Los Alamos im US-Bundesstaat New Mexico.

I don't want to set the world on fire

Zunächst verfolgen wir die Ankunft von Physiker Charie Isaaks (Ashley Zukerman, Rush), seiner Frau Abby (Rachel Brosnahan House of Cards) und seinem kleinen Sohn. Isaaks hat anfangs keine Ahnung, worum es bei dem geheimen Projekt gehen soll, doch ein kurzer Blick auf die Formeln verschafft ihm schnell ein klares Bild seiner Arbeit. Die Wissenschaftler, die die Bombe entwickeln sollen, sind in zwei Lager aufgeteilt: Zum einen ist da die wesentlich größere Gruppe von Reed Akley (David Harbour), zu der auch Isaaks gehören wird. Auf der anderen Seite steht Dr. Frank Winter (John Benjamin Hickey, The Big C) mit seinem Mentor Glen Babbit (Daniel Stern) sowie einer kleinen Gruppe bunt zusammengewürfelter Wissenschaftler. Diese versuchen, eine schnellere alternative Bombe zu der von Alkey zu entwickeln.

There's no place like home

Das Leben in der künstlichen Siedlung mitten in der Wüste wird vor allem durch Abby und Winters Frau Liza (sehr stark gespielt von Olivia Williams) dargestellt. Durch sie wird das Unbehagen, über die Tätigkeit ihrer Männer im Dunkeln zu stehen, die nicht ganz unbegründete Paranoia, ständig überwacht zu werden und die Isolation an den Zuschauer übertragen. Durch die Arbeit ihrer Männer werden auf der anderen Seite die komplexen moralischen und philosophischen Aspekte ihrer Arbeit aufgeworfen und hinterfragt.

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Dr. Winter rechtfertigt und verteidigt bei mehreren Gelegenheiten seine Arbeit hauptsächlich damit, dass es ein dringenderes Anliegen ist, den Krieg zu beenden, als die Konsequenz aus der Existenz von nuklearen Sprengkörpern dieses massiven Ausmaßes. Doch auch er scheint innerlich mehr Konflikte auszutragen, als es nach außen scheint. Sonst würde er wohl kaum träumen, wie die Druckwelle einer Bombe seine Familie erfasst, während auf seinem Plattenspieler „I Don't Want to Set the World on Fire“ von The Ink Spots läuft.

Rechtfertigungen, Geheimnisse und Lügen

Winter genießt das Vertrauen seiner kleinen Gruppe. Als die Militärpolizei Nachforschungen aufgrund des Verdachts des Geheimnisverrats in seiner Gruppe anstellen will, wehrt er diese ab. Dieser Beweis von Integrität veranlasst seinen Kollegen Sidney Liao (Eddie Shin) dazu, ihm anzuvertrauen, dass er für den Diebstahl verantwortlich ist, um sie an (amerikanische) Käufer zu veräußern und dadurch seine Familie zu versorgen. Die Idee des Geheimnisverrats ist hierbei alles andere als fiktional, denn das „Manhattan-Projekt“ hatte tatsächlich mit Sabotage und Geheimnisverrat zu kämpfen. Doch wie loyal ist ein Mensch, wenn seine Überzeugung auf dem Spiel steht?

Winter ist überzeugt davon, dass mit seiner Bombe Zeit gespart und somit durch Beendigung des Krieges auch Leben gerettet werden. Als die Existenz seines Projektes auf dem Spiel steht, leitet er Liaos Vergehen an das Militär weiter, um so durch Hilfsmittel seine Forschung zu sichern. Seine Frau dient ihm in vielerlei Hinsicht als Stütze, doch all ihre Überzeugungskraft kann ihn nicht dazu bewegen, mit ihr über seine Arbeit zu sprechen. Ist es die Angst vor den hohen Strafen, die er gerade in Liaos Fall mitbekommen hat, oder ist da vielleicht ein wenig Scham, an der Entwicklung solch einer grausamen Waffe beteiligt zu sein?

Bei Isaaks scheint zumindest letzteres zuzutreffen, denn er vertraut seiner Frau das „Geheimnis“ an, er würde an einer Technik zur Abhörung der Nazis arbeiten, die den Krieg entscheiden und Leben retten könnte. Er äußert seine Gewissensbisse offener gegenüber seinen Kollegen, als er Winter mithilfe einer Metapher fragt, ob er nicht Angst habe, das zerstörerische Potential der Waffe könne außer Kontrolle geraten. Auch hier schmettert Winter die Bedenken ab. In einer letzten Szene hören wir allerdings dann doch noch seine Rechtfertigung, eine solche Waffe sei besser in der Kontrolle der Alliierten als in den Händen anderer, denn es sei nur eine Frage der Zeit, bis jemand anderes die Bombe baut. Diese vertraut er der für ihn einzig sicheren Quelle an, der Haushaltshilfe, die darauf nur mit „No ingles!“ antwortet.

Fazit

Allein atmosphärisch ist die Auftaktepisode von Manhattan bereits gut gelungen. Düster, melancholisch, mit geerdeten philosophischen Ansätzen, Metaphern und komplexen, moralisch herausfordernden Figuren. Optisch wird sowohl die Wüstenstadt als auch die Zeitperiode gekonnt und gut durchdacht eingefangen. Selbst der Ton, wie beispielsweise an der kleinen, aber feinen Szene mit dem Skorpion im Glas zu erkennen ist, macht einen einwandfreien Eindruck. Eine Stunde ohne Mordfälle, Explosionen oder Vampire und ich fühlte mich jederzeit auf angenehme Weise gefordert und unterhalten. Die einzige Sorge ist momentan, dass die, bis auf Oppenheimer, fiktionalen Charaktere und Geschehnisse in Los Alamos im Namen der Fernsehtauglichkeit zu stark überdramatisiert werden, denn das hat die Serie wirklich nicht nötig. Alles in Allem ein wirklich starker Auftakt.

Verfasser: Tim Krüger am Dienstag, 29. Juli 2014

Manhattan 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Manhattan 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Manhattan
Titel der Episode im Original
You Always Hurt the One You Love
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 27. Juli 2014 (WGN America)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 1. März 2016
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Dienstag, 1. März 2016
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Dienstag, 1. März 2016
Regisseur
Thomas Schlamme

Schauspieler in der Episode Manhattan 1x01

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