Mandy und die Mächte des Bösen: Review der ersten beiden Episoden der Mystery-Comedyserie

© Prime Video
Das passiert in der Serie „Mandy und die Mächte des Bösen“
Mandy und ihre Mutter Tiffany verdienen sich in Mandy und die Mächte des Bösen ihren Lebensunterhalt damit, Seancen zu faken und ihre Nachbarn auszunehmen. Als der Student Adrian (Rafael Gareisen) aber mit seinen Freundinnen Selcan (Bayan Layla) und Agnes (Antonia Jung) im Keller des von einem Okkultisten gebauten Wohngebäudes den Oberdämon Nuksi beschwört, werden Mandys schlimmste Albträume Wirklichkeit. Denn ohne es zu wissen, ist sie eine Seherin und Nuksi braucht die junge Frau, um sein Nachtgartenreich verlassen und in die Welt der Menschen eindringen zu können.
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Retrocharme
„Mandy und die Mächte des Bösen“ basiert auf der an sich witzigen Idee, bekannte Young-Adult-Genreformate zu persiflieren und kräftig auf die Schippe zu nehmen. Die achtteilige je 25-minütige Serie beginnt entsprechend. Die Studenten Adrian, Selcan und Agnes beschwören im Keller ihres Wohnhauses ein Dämon, zu dessen Reich es durch einen Putzschrank geht. Die Beschwörung und der Nachtgarten des toll von (Michael Pink) gespielten übernatürlichen Oberbösewichts gelingt inszenatorisch recht gut, wobei auch der Gore-Faktor nicht zu kurz kommt.
Kaum fühlt man sich dank der hübschen Retro-Kulisse und Maskenarbeit an die gute alte Zeit erinnert, in der Serien wie Charmed und Buffy the Vampire Slayer über die Bildschirme flimmerten, landet man auch schon im Wohnzimmer von Tiffany. Dass dort mächtig was los ist, ist offensichtlich. An einer Wand stehen zahlreiche Stühle und die Besucher ziehen hübsch brav Nummern. Der Grund für diese skurrile Idee erschließt sich schnell, denn Tiffany und ihre unter Agoraphobie leidende Tochter Mandy zocken die Nachbarschaft kräftig ab. Vor einigen Monaten war Mandy von einem Balkon gefallen und lag einige Wochen im Koma.
Doch sie ist längst erwacht, was die beiden findigen Frauen allerdings geheim halten. Seit Monaten gaukeln sie nun ihren Freunden vor, dass Mandy noch immer im Koma läge und Kontakt zu den Toten aufnehmen könne. Dass sie für die angeblich aus der Geisterwelt stammenden, mehr oder weniger guten Ratschläge einen Obolus kassieren, ist selbstverständlich...
Das ist eine charmante und amüsante Idee, die sich produktionstechnisch zwar eher auf dem Niveau des deutschen Comedy-Klassikers „Hausmeister Krause“ bewegt, aber aufgrund des hübsch überzogenen Schauspiels von Rebecca Immanuel (Tiffany) und Eli Riccardi (Mandy) gut funktioniert.
Das Tor zur Unterwelt

Bis hierhin geht „Mandy und die Mächte des Bösen“ vollkommen in Ordnung, wenn man sich darüber bewusst bleibt, dass sich die Serie weder ernst nimmt noch, dass Amazon Prime Video viel Geld für die erste Staffel in die Hand genommen hat. Die sicherlich finanziellen Einschränkungen im Hinterkopf behaltend, darf man aber sagen, dass das Autoren-Duo Elisabeth und Andreas Schmied das schmale Budget gut investiert haben. Die Spezialeffekte sind angemessen und orientieren sich zweifellos an den oben erwähnten großen Serienvorbildern.
Die Geschichte wird richtig verrückt, als Nuksi seine Dämonen losschickt, um fünf Herzen zu besorgen, mit denen er die Freilassung seiner fürchterlichen Göttin einleiten kann. Ein Bekannter Mandys und Tiffanys nach dem anderen fällt den Übernatürlichen zu Opfer und treibt anschließend sein Unwesen.
Besonders gefährlich ist Mandys Patentante Babs (Christina Trefny), die zu einem Sukkubus geworden ist und jeden Menschen mit dem Kuss des Bösen infizieren kann. Das alles macht Spaß, weil sich Spannungsbogen, abgedrehter Humor und Nostalgiefaktor miteinander in der Waage befinden und das Pacing schon aufgrund der kurzen Episodenlaufzeiten relativ hoch ist.
Wermutstropfen
Auch die Idee, dass die im Nachtgarten ermordete Selcan Mandy als Geist erscheint und sich mit ihr verbündet, ist nett und durchaus humorig. Doch hier stößt die Serie Mandy und die Mächte des Bösen denn auch an ihre Grenzen, denn abgesehen von dem einen oder anderen platten Dialog ist Bayan Layla leider nicht unbedingt die perfekte Wahl für die so wichtige Rolle der Selcan. Zwar ist Selcan eine schüchterne, naive und irgendwie knuffige Person, Eigenschaften, die Layla sympathisch an das Publikum heranträgt.
Doch an darstellerischer Erfahrung mangelt es ihr offensichtlich. Die Jungschauspielern agiert bisweilen hölzern und präsentiert wenig natürlich und auswendig gelernt klingende Dialoge. Oft wiegt der Sympathiefaktor diese Schwäche auf, weil man eine gewisse Zuneigung für die Figur entwickelt, doch eben nicht immer. Diese Momente führen dann zu Brüchen, an die man sich erst einmal gewöhnen muss.
Allerdings klingt das nun schlimmer, als es ist, zumal Bayan Layla von routinierten Kolleginnen und Kollegen umgeben ist, die ihre Unerfahrenheit in den meisten Fällen abzufedern wissen. Und da dies zudem erst die dritte Produktion der Aktrice ist, darf man hier auch gerne mal die berühmten fünfe gerade sein lassen.
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Fazit

Für ein kleines Häppchen zwischendurch zum Chillen und Schmunzeln ist „Mandy und die Mächte des Bösen“ sicherlich nicht die schlechteste Wahl. Okay, die Serie verfügt nicht über das höchste Budget, der Plot ist altbekannt und Selcan-Darstellerin Bayan Layla hat noch einiges zu lernen.
Erstens ist es aber dennoch lobenswert, dass Amazon Prime Video auch jungen Produzentinnen und Produzenten die Chance gibt, ihre Träume zu verwirklichen, und zweitens ist die erste Staffel bei weitem nicht so schlecht wie befürchtet. Mandy eine Chance zu geben, schadet also nicht und macht womöglich dem einen oder anderen Zuschauenden sogar Spaß. Dreieinhalb von fünf Dämonen.