Einen überraschend guten Serienpiloten zeigt ABC mit Man Up: Komplexe Handlungsstränge, eine gute Mischung aus kurzen Pointen, Running Gags und Momenten fürs Herz lassen darauf hoffen, dass die Serie in den Einschaltquoten nicht weiter absäuft.

Der Cast der Fernsehserie „Man Up“ / (c) ABC
Der Cast der Fernsehserie „Man Up“ / (c) ABC

Wann ist ein Mann ein Mann?“ - diese Frage brachte Herbert Grönemeyer 1984 mit dem Lied Männer in die deutschen Köpfe. Und in der neuen Serie Man Up stellen sich auch drei Freunde im besten Alter diesem Problem. Denn in der modernen Welt ist kaum noch Platz für die klassischerweise als „typisch männlich“ bezeichneten Verhaltensweisen.

Die Hauptfiguren der Serie Man Up sind drei langjährige Freunde. Will (Mather Zickel) ist ein verheirateter Versicherungsangestellter mit zwei Kindern im Preteen-Alter - im Serienpilot wird sein Sohn 13 Jahre alt. Seine Ehefrau Theresa (Teri Polo) ist gleichzeitig die Schwester seines Freundes Kenny (Dan Fogler) und von dessen biestiger Ex-Frau Bridgette (Amanda Detmer), die es liebt, Kenny zu quälen. Der Dritte im Bunde ist der eher künstlerisch angehauchte Craig (Christopher Moynihan), der immer noch nicht über die Trennung von seiner langjährigen Freundin hinweggekommen ist.

Im Serienpilot treffen nun mehrere Dinge aufeinander: Wills Sohn wird 13 Jahre und steht damit an der Schwelle zum Erwachsensein. Als Vater möchte Will diesen Meilenstein natürlich mit einem möglichst passenden Geschenk würdigen - hat aber keine zündende Idee. Bei der Geburtstagsfeier lässt es sich nicht vermeiden, dass Kenny auf seine Ex trifft - ist sie doch irgendwie Tante des Geburtstagskindes. Die bringt zu allem Überfluss auch noch ein Date mit: einen durchtrainierten, gesund lebenden, großgewachsenen „Adonis“ (Henry Simmons). Natürlich versucht Kenny sich aufzuspielen und sich gegen die „Bedrohung“ durchzusetzen, muss aber ebenso natürlich scheitern. Auch bei Craig liegen die Nerven blank: Seine Ex schreitet vor den Traualtar und er sehnt ein Zeichen herbei, dass sie kalte Füße kriegt und zu ihm zurück will.

Die drei Freunde Will, Craig und Kenny haben als moderne Männer ihren Platz in der Welt gefunden. Will und Craig arbeiten in einem Versicherungsunternehmen, wo Eigeninitiative nicht gefragt ist und manche widersinnige Entscheidung der oberen Etagen durchgedrückt werden muss. Sie sind höfliche Menschen, die die Frauen in ihrer Umwelt sehr respektvoll behandeln. Zuliebe von Wills Kindern haben sie das Fluchen aufgegeben. Und wenn sie mal etwas durchsetzen wollen, dann greifen sie - vor allem der verheiratete Will - eher zu kleinen Tricks, als sich auf eine Konfrontation einzulassen. Die beiden leben in einer Welt, in der fast alles geregelt ist und es fast nie einen Grund gibt, einen Streit vom Zaun zu brechen.

Kenny ist durch seine lange, destruktive Hass-Liebe zur Ex etwas aus der Bahn geworfen. Er ist eigensinniger, ein bisschen rebellisch gar. Generell bewegt aber auch er sich in einem Rahmen, von dem er weiß, dass er gesellschaftlich akzeptiert ist - beziehungsweise er ist realistisch genug zu wissen, dass seine abstruseren Vorschläge und Ideen von seinen Freunden zurückgepfiffen werden.

Wenn die drei Kumpel mal Dampf ablassen müssen, dann tun sie das auch in einer möglichst regulierten Art und Weise: mit einem Computerspiel - ohne Anstrengung, bequem von der Couch zu Hause aus und an die Bedürfnisse des modernen (Familien-)Lebens angepasst.

Kritik

Man Up gelingt es weitestgehend, den Balanceakt zwischen übertrieben komischer Darstellung und besinnlichem Realismus zu halten, gewürzt mit einer Prise Fremdschämen. In der Comedyserie ist der Familienvater Will die Identifikationsfigur, der „Normalo“. Daneben ist Craig überzeichnet unselbständig und feingeistig, während Kenny mit seiner übertriebenen Art für die Kalauer zuständig ist. Auch Bridgettes Freund Grant (Henry Simmons), mit seinem extrem freundlichen und doch bestimmtem Verhalten, dem perfekten Geburtstagsgeschenk, seiner perfekten Ernährung, seinen Erzählungen von den positiven Folgen von Pilates und schließlich mit seinem beherzten Eingreifen in einen Streit ist ein bisschen zu angepasst, um nicht lustig zu sein.

Auf nahezu allen Ebenen gelingt es dem Serienpiloten, unterhaltsam zu sein. Etwa die Beobachtung modernen Verhaltens: Die Art, wie Will gleichzeitig auf seine Männlichkeit pocht und gleichzeitig seine Frau bittet, aromatisierte Kaffesahne zu kaufen - aber bitte die ohne Tiermilch. Die Freude von Will, als er „Assault of the Dead - II“ in den Händen hält. Oder die absolut überfüllte Garage. Der von zahllosen Romantic Comedys gestützte Irrglaube Craigs, seine Ex wolle von ihm gerettet werden und die beiden seien füreinander bestimmt.

Clever eingesetzt sind auch popkulturelle Anspielungen, sei es Craigs Gitarrenauftritt in der Kirche oder der als Tumble-Weed-Ersatz fungierende Luftballon, der beim abschließenden Showdown zwischen den beiden Parteien über den Rasen fliegt. Oder auch die Nebenwirkungen bei einem von Kennys vertriebenen Medikamenten.

Und das ganze garniert mit kleineren Gags, die einfach zünden - etwa der sich bekreuzigende Kenny in der Kirche. Die running gags in der Episode funktionieren auch sehr gut, etwa die Sache mit dem Mittagessen um 10.15 Uhr, WWTMD und fluffing.

Auch Momente fürs Herz gibt es zahlreiche, etwa rührende Vater-Sohn-Momente oder Szenen, in denen sich Theresa nicht nur als Mutter für ihre Kinder erweist, sondern auch für ihren gesamten Freundeskreis als mütterliche Figur fungiert. Und schließlich die Szenen, in denen die drei Freunde trotz aller Gegensätze bedingungslos zusammenhalten.

Daneben hervorzuheben ist die elegante Verknüpfung der zahlreichen Handlungsstränge, wobei die drei Hauptstränge und ein halbes Dutzend Nebenstränge unter einen Hut gebracht und mit zügigem Tempo vorangetrieben werden. Auch die Darsteller harmonieren ausgezeichnet miteinander.

Fazit

Der Serienpilot zu Man Up hat deutlich mehr zu bieten als der Trailer, der sich vor allem auf die absurderen Szenen beschränkte, versprochen hatte. Wie beim Single-Kamera-Format üblich gibt es weniger „Schenkelklopfer“, dafür aber jede Menge Schmunzel-Momente. Dazu kann von Seite des Rezensenten angemerkt werden, dass der Serienpilot bei mehrfachem Konsum wegen seines Detailreichtums durchaus noch gewinnt.

Trotzdem gibt es leichte Abzüge in der B-Note: Sowohl der von Henry Simmons dargestellte Pilates-Guru Grant wie auch der von Dan Fogler porträtierte Kenny sind für meinen Geschmack etwas zu sehr aufgesetzt und überreizen dadurch den Fremdschäm-Faktor. Das ist aber, zugegeben, eine Geschmacksfrage.

Der Serienpilot zu Man Up hat insgesamt ein unterhaltsames, kleines Feuerwerk abgeliefert. Den ganz großen Knall ist er aber noch schuldig geblieben.

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