Made In Jersey 1x01

Made In Jersey 1x01

Martina Garretti hat es aus einer kunterbunten Großfamilie in Jersey in die Welt der Top-Anwälte in Manhattan geschafft. Die Serie Made in Jersey begleitet den Lebens- und Karriereweg einer unangepassten Frau. Und mutet dem Zuschauer in der Pilotepisode ein Übermaß an Stereotypen zu.

Sie setzt sich durch: Jane Montgomery als Anwältin Martina Garretti in der Serie „Made in Jersey“ / (c) CBS
Sie setzt sich durch: Jane Montgomery als Anwältin Martina Garretti in der Serie „Made in Jersey“ / (c) CBS

In einer Welt der schwarzen Anzugjacken und weißen Hemden, fällt sie auf mit ihrem schreiend roten Blazer und einer gemusterten Bluse. Sie ist der Underdog einer Top-Kanzlei in Manhattan, und sie zeigt, was sie drauf hat.

Kleines Mädchen in der großen Welt

Martina Garretti (Janet Montgomery, Human Target, Entourage) stammt aus einer lauten und bunten Großfamilie in Jersey. Ihr Jura-Studium hat sie an einer Universität ohne besonders guten Ruf absolviert und trotzdem begegnen wir ihr auf dem Weg zu ihrem neuen Arbeitgeber, eine Top-Anwaltskanzlei in Manhattan.

Sie wird als idealistische Person vorgestellt, die sich auch nicht schämt, einen Radfahrer auf offener Straße zur Entschuldigung aufzufordern. Sie ist das Gegenteil ihrer abgebrühten Kollegen.

Und genau das bringt ihr einen entscheidenden Vorteil. Denn mit dem Wissen über das Leben der „kleinen“ Leute, löst sie die Anklage in einem Mordfall in wenigen Sekunden in Luft auf.

Dieses Know-How schätzt auch ihr Vorgesetzter Donovan Stark (Kyle MacLachlan, Desperate Housewives, Twin Peaks) und setzt sie auf einen weiteren Fall an - den einer Studentin, die des Mordes an ihrem Professor angeklagt ist.

Klischeeschleuder

Die Idee des unterschätzten Mädchens in der großen Karrierewelt ist nicht neu, hätte aber dank des Lokalkolorits und durch clevere Handlungsstränge trotzdem Aussicht auf eine interessante Serie gehabt. Das jedoch verspielt die Serie Made In Jersey durch eindimensionale Charaktere und einen schwachen Fall, der ohne jegliche Spannung daherkommt.

Von den Dingen, die man erwarten konnte, gibt es ein bisschen zu viel. Dass Martinas Familie in Jersey laut und bunt sein würde, durfte man erwarten. Das Problem ist, dass sie ein Stück zu laut, bunt und quirlig ist und vor allem nichts darüber hinaus ist. Hier werden Stereotype bedient, die etwas lieblos bis auf's Letzte ausgequetscht werden.

Im Gegensatz dazu sind die Top-Anwälte ihrer Firma langweilige Schwarz-Weiß-Träger. Martina hat nur zu den weniger wichtigen Angestellten ein gutes Verhältnis. Natalie Minka (Stephanie March, Law & Order: Special Victims Unit), eine High-Class-Anwältin, mit der sie zusammenarbeiten soll, hat bisher kaum eine andere Funktion als Martina wegen ihrer Herkunft zu beleidigen und die gefühlskalte Frau raushängen zu lassen. Anders jedoch Donovan Stark persönlich, der Chef der Kanzlei. Er scheint, Martina unter seine Fittiche zu nehmen, und beginnt, sie zu fördern.

Dass die Frau gegen und der Mann für sie ist, passt einfach zu gut in die Tatsache, dass Martina einfach umwerfend hübsch aussieht. Anders als zum Beispiel in der Serie Ugly Betty wirkt Martinas Underdog-Status einfach zu niedlich. Sie ist wunderschön, dafür darf ihr Haar ein bisschen zu toupiert sein. Sie ist clever, dafür darf sie sich zu Beginn der Pilotepisode ein bisschen Seife auf ihre Bluse spritzen als Zeichen einer Tolpatschigkeit, die dann nicht wieder vorkommt.

Fallermittlungen auf Jersey-Art

Zeugen befragen, mögliche Tatorte untersuchen, Alibis widerlegen. Ist das noch Anwaltsarbeit oder übernimmt Martina ganz nebenbei auch noch den Job des Polizeiermittlers?

Die Studentin, die ihren Professor umgebracht haben soll, bekommt einen ähnlichen Underdog-Status aufgedrückt, wie Martina selbst ihn vor sich herträgt. Schlechtere Startchancen als alle anderen, aber mit Biss und Cleverness. Natürlich glaubt die Anwältin an die Unschuld des Mädchens und natürlich wird diese Unschuld auch lupenrein bewiesen. Als Mörder abgestempelt wird der arrogante, neidische Kollege des Opfers. Die Guten tun Gutes, die Schlechten Böses und am Ende bekommen alle, was sie verdienen.

Das scheint die Art von Fall zu sein, die wir von „Made in Jersey“ zu erwarten haben und das bringt bei vielen Zuschauern keine richtige Spannung auf.

Dazu kommt, dass auch hier einfach ein bisschen zu viel von allem ist. Martina löst den Fall im Alleingang, liefert dann noch die Top-Strategie, um die Wahrheit vor Gericht zu beweisen und - natürlich - führt diese auch selbst brillant durch.

Zwei Lebenswelten

Ihre Hinweise deckt Martina fast durchgehend dadurch auf, dass sie ihre zwei Welten verbindet. Sie denkt praktisch und kennt die Lebenswelt der Menschen von der Straße, anders als die arroganten Star-Anwälte. Das passiert jedoch nicht einmal, nicht zweimal, sondern gefühlt durchgehend fällt Martina eine Spur ins Auge wenn sie sich auf ihre Wurzeln besinnt.

Während man noch versucht ist, die Wiederholungen auf das Wesen einer Pilotepisode zu schieben, setzt die Titelheldin zu einer flammenden Rede darüber an, dass die arme Angeklagte sich die Haare getönt hat, um wie ihre anderen auszusehen als wenn sie frisch aus dem Urlaub zurückgekehrt wäre und blickt dabei drein wie ein kleines, verwundetes, aber so tapferes Rehkitz.

Fazit

Das Beste an der Serie Made In Jersey sind die Darsteller. Leider bleiben sie zumindest in der Pilotepisode auch das einzig wirklich Gute. Die Klischees schreien den Zuschauer geradezu an, der Fall könnte kaum langweiliger und vorhersehbarer sein und zu guter Letzt sucht man selbst die Komik vergebens.

Verfasser: Serienjunkies.de am Samstag, 29. September 2012
Episode
Staffel 1, Episode 1
(Made In Jersey 1x01)
Titel der Episode im Original
Pilot
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 28. September 2012 (CBS)
Autor
Pineapple Tangaroa
Regisseur
Mark Waters

Schauspieler in der Episode Made In Jersey 1x01

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