Mad Love 1x01

Mad Love 1x01

Man jage How I Met Your Mother durch die Marktforschung, bis alle Ecken und Kanten verschwunden sind - und heraus kommt Mad Love. Was hat sich Sarah Chalke dabei gedacht, ausgerechnet mit dieser Nullnumer an Scrubs-Zeiten anzuknüpfen?

Cast von „Mad Love“: Wie „How I Met Your Mother“ ohne Barney. Und Ted. Und Robin. Ihr versteht schon. / (c) CBS
Cast von „Mad Love“: Wie „How I Met Your Mother“ ohne Barney. Und Ted. Und Robin. Ihr versteht schon. / (c) CBS

Einige der einprägsamsten Songs aller Zeiten basieren auf einer simplen Akkordfolge. Wer nicht ein Ohr dafür hat, hört nicht einmal, wie die Industrie ihn zum Narren hält und ihm seit drei Jahrzehnten Geld für Variationen Ein- und Desselben aus der Tasche zieht. Was in der Musik immer noch gelingt, kann im Fernsehen viel leichter nach hinten losgehen - wie gerade Mad Love beweist.

CBS paart ausgerechnet seine Vorzeige-New-York-Sitcom How I Met Your Mother mit diesem uninspirierten Neuling, indem es - was auch sonst - um das Liebesleben von vier New Yorkern geht. Schwerer könnte man es „Mad Love“ kaum machen, denn obwohl „HIMYM“ längst nicht mehr so großartig ist wie zu Beginn, wird dem Zuschauer im direkten Vergleich schmerzlich bewusst, was der neuen Serie alles fehlt.

Da hilft es nicht, dass die Bar des Quartetts dem McClaren's zum Verwechseln ähnlich sieht. Und dass dort mit Sarah Chalke auch noch eine Hauptdarstellerin sitzt, die auch im „Mother“-Universum eine nicht unwesentliche Rolle spielt.

Die Geschichte von „Mad Love“ beginnt - ausgerechnet - auf dem Dach des Empire State Building, wo sich Ben (Jason Biggs) und Kate (Chalke) zum ersten Mal treffen und auf Anhieb verlieben. Quasi „How I Met Your Mother“, wenn Ted seine zukünftige Braut gleich in der ersten Folge getroffen hätte. Im Verlauf der Pilotepisode müssen Ben und Kate zwar noch das ein oder andere Missverständnis überwinden, doch am Ende sind sie ein Paar und zwar eines wie aus dem Märchen, wie man uns weismachen will.

Zu blöd, dass es den Hauptdarstellern völlig an Chemie mangelt.

Jason Biggs darf seinen jungenhaften Charme aufwärmen, der ein bisschen weniger albern und etwas gesetzter ist als damals, als er seine Genitalien in einen Apfelkuchen steckte. Und Chalke, die viel von ihren bekanntesten Charakteren - der neurotischen und tollpatschigen Elliot in Scrubs und der Romantikerin Stella in How I Met Your Mother - in diese Rolle einbringt, darf ihren Schauspielpartner pausenlos verträumt anstarren, als klebe ein Bild von Dornröschen und ihrem Prinzen auf seiner Stirn.

Die Darsteller bemühen sich wirklich sehr, doch die ganze Ausgangssituation der Serie ist derart gekünstelt, dass auch ihr erprobtes Comedy-Timing nicht helfen kann. Zumal sie alle nur aufgewärmte 08/15-Sätze von sich geben dürfen, die klingen, als hätte CBS die Drehbücher akribisch von zwei Dutzend Marktforschern aus den 90er Jahren lesen lassen, bis auch die letzten Ecken und Kanten ausradiert waren.

Was zwischen den beiden Hauptfiguren passiert, soll Liebe auf den ersten Blick sein. Das ist nur deshalb nicht zu übersehen, weil es einem mit jedem Detail vom Voice-over bis zum Setting aufgedrängt wird. Der wohl größte Fehler ist die forcierte „Schlaflos in Seattle“-Parallele. Zwei New Yorker haben ausgerechnet eine Touristenattraktion zu ihrem liebsten Platz auserkoren und fahren trotz happiger Preise so häufig rauf und runter, dass sie schon den Mitarbeiter am Fahrstuhl mit Namen kennen? Und dann treffen sie sich dort auch gleich zwei Mal, weil sie das Handy findet, dass er aus der Tasche genommen, an den Rand der in über 300 Metern Höhe gelegenen Plattform gelegt und dort vergessen hat?

Nein, der Funke will in der Episode Fireworks einfach nicht überspringen. Und das trotz des tatsächlichen Feuerwerks im Hintergrund.

Verachtung auf den ersten Blick

Wie so oft sind die Sidekicks interessanter als die Hauptfiguren, im Fall von „Mad Love“ die besten Freunde der hoffnungslos langweilig Verliebten. Judy Greer spielt die überfürsorgliche beste Freundin Connie, und Tyler Labine aus Reaper gibt den furchtbar plumpen Larry. Bei Ben und Kate ist es Liebe, bei ihnen Verachtung auf den ersten Blick.

Und doch tun sie sich zusammen, als es um das potentielle Liebesglück des Schicksalspaares geht. „I am not the hero of the story“, gibt Larry Connie zu verstehen. „But every love story should have one like me.“ Einen Amor, der schlechte Witze macht und es schafft, abstoßend und anziehend zugleich zu wirken.

Auch wenn ihre pseudo-schlagfertigen Dialoge in der Pilotepisode konstruiert wirken, haben Connie und Larry immerhin eine nicht zu verachtende Dynamik, aus der sich durchaus etwas entwickeln könnte. Und entwickeln wird, daraus machen die Autoren gar keinen Hehl und lassen Labine diese Entwicklung in seinem furchtbar deplatziert wirkenden Voice-over gleich mal ankündigen.

Vielleicht lohnt es sich, Mad Love noch ein oder zwei Folgen Zeit zu lassen, die Chemie zwischen Labine und Greer zu erkunden, wenn schon das namhafte Gespann Biggs/Chalke so hoffnungslos daherkommt. Dafür muss aber noch einiges passieren.

Einmal lachen in einer über 20-minütigen Comedy-Episode ist einfach zu wenig.

Verfasser: Carolin Neumann am Dienstag, 15. Februar 2011
Episode
Staffel 1, Episode 1
(Mad Love 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Feuerwerk
Titel der Episode im Original
Fireworks
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 14. Februar 2011 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 18. Juni 2012
Autor
Matt Tarses
Regisseur
Pamela Fryman

Schauspieler in der Episode Mad Love 1x01

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