Luther 4x02

Luther-Serienschöpfer Neil Cross verlangt am Ende der nur zweiteiligen vierten Staffel beinahe zuviel Gutmütigkeit von uns Zuschauern. Weil die Jagd nach Steven Rose (John Heffernan), den kannibalischen Serienmörder, erwartbar wenig neue Impulse hergibt, hat er einen Handlungsbogen um den vermeintlichen Tod von Alice Morgan konstruiert, der unglaubwürdiger kaum sein könnte. Demnach wurde die durch den Mord an einem Klassenkameraden traumatisierte Megan Cantor (Laura Haddock) selbst zur Mörderin.
The dead are gone
Und das alles nur, um John Luther (Idris Elba) die Einlösung des Versprechens abzupressen, das er ihr einst als blutiger Anfänger bei der Polizei gemacht hatte. Das ist noch hanebüchener, als die Serie jemals war. Es entstammt dem unbedingten Willen, Alice trotz der Nichtverfügbarkeit von Ruth Wilson weiter wie ein Gespenst durch die Serie geistern zu lassen. Von der Auflösung abgesehen, funktioniert der Handlungsbogen ja auch nicht schlecht. Megan bleibt ebenso rätselhaft wie die Gefühle, die ihre Präsenz in Luther wecken. Äußerlich ist er cool wie immer, aber brodelt es auch in ihm? Ein echtes Urteil lässt sich darüber nicht fällen.
Überdies bleibt weiterhin unklar, ob Alice wirklich tot ist. So hebt sich Cross für etwaige weitere Geschichten - vielleicht gibt es ja bald einepisodige Staffeln - die Möglichkeit auf, Alice doch wieder zurückkehren zu lassen, würde zum Beispiel The Affair abgesetzt oder beendet werden. Dann gäbe es eventuell auch wieder neuen Stoff, um die berufliche und private Lebensrealität von John Luther interessant zu gestalten. Diese beiden jüngsten Episoden haben nämlich gezeigt, dass sich die Prämisse mittlerweile auserzählt hat - ansonsten müssten nicht solche dramaturgischen Verrenkungen veranstaltet werden.
Dabei liegt es ganz sicher nicht an den Schauspielern, die von Elba mit stählernem Charisma bestens angeführt werden. Die Dialoge befinden sich weiterhin auf höchstem Niveau, was auch für die visuelle Umsetzung durch Regisseur Sam Miller gilt. Für die Story gilt das leider nicht, wie sich unschwer daran erkennen lässt, dass der Serienmörder nicht nur möglichst brutal sein Unwesen treiben darf, sondern die Organe seiner Opfer auch aufessen muss. Mich hat dieser Handlungsbogen überhaupt nicht interessiert, auch wenn mit dem Überleben von Emma Lane (Rose Leslie) ein schöner Mini-Twist eingebaut wurde.

Als sie nämlich in dieser Episode abermals zum Handy griff, um ihrer schwangeren Freundin zu versichern, dass sie wirklich so bald heimkommen werde wie möglich, war ich mir äußerst sicher, dass sie ebendas nicht tun würde. Bis kurz vor Schluss sieht es denn auch danach aus, dass sie dem Kannibalen zum Opfer fallen wird, schließlich begibt sie sich getrennt von Luther in die Höhle des Löwen.
Everyone's favourite worst nightmare
Doch ein Trick, der auch nur mit viel Wohlwollen hingenommen werden kann - warum erschießt sie Rose nicht direkt oder hält ihn zumindest mit der Waffe hin, statt sich zu verstecken? - beschert Emma ein einigermaßen glückliches Ende. Es hat Spaß gemacht, die tolle Rose Leslie in einer anderen Rolle als die der Wildling-Kriegerin in Game of Thrones zu sehen, etwas mehr Leindwandpräsenz hätte ich ihr aber durchaus gegönnt. Immerhin ist sie am Schluss die Heldin.
Technikspezialist Benny Silver (Michael Smiley) darf am Ende auch noch einmal glänzen, als er Luther unwissentlich ebenjene Diamanten in die Hände spielt, mit denen er und Alice einst das Weite suchen wollten. Dies könnte nun ein Hinweis darauf sein, dass sie noch lebt, ebensogut aber ein weiteres Ablenkungsmanöver. Für mich steht jedenfalls fest, dass ich Luther nur noch mit Allison sehen muss - vielleicht wirklich mit John auf der Flucht vor Interpol, in den Großstädten und an den Traumstränden dieser Welt.
Eines muss ich jedenfalls in naher Zukunft nicht mehr sehen - Serienkiller, die immer auch ein bisschen fetischisiert wurden. Es ist eine äußerst manipulative Erzähltechnik, die Cross da anwendet, was mir in früheren Episoden nie so richtig aufgefallen ist. Wenn es aber kaum andere Handlungsbögen gibt, fällt das noch schwerer ins Gewicht. Wir leben im Zeitalter der vielschichtigen Bösewichte, da fallen diese Comicfiguren immer deutlicher auf. Idris Elba und Ruth Wilson könnte ich hingegen ewig zuschauen. Vielleicht geht das anderen Kreativen ja auch so, und sie besetzen das Traumpaar für etwas anderes als eine düstere Dramaserie - eine Sitcom zum Beispiel. I would watch the hell out of that!
Verfasser: Axel Schmitt am Mittwoch, 23. Dezember 2015(Luther 4x02)
Schauspieler in der Episode Luther 4x02
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?