Love in the Time of Corona 1x01

© ove in the Time of Corona (c) Freeform
Die Coronavirus-Pandemie stellt auch für die Serienwelt die stärkste Erschütterung seit Beginn des Streaming-Zeitalters dar. Fast alle Produktionen mussten über Monate runtergefahren werden, während Produzenten in der Quarantäne nach neuen Möglichkeiten suchten, ihrem Geschäft nachzugehen. Die US-Autorin Joanna Johnson (The Fosters) war eine der Schnellsten im Wettbewerb der Anpassungsfähigkeit. Mit ihrer Freeform-Miniserie Love in the Time of Corona tüftelte sie an einem innovativen Format, das sich nicht nur um Corona drehen, sondern auch Corona-konform gedreht werden sollte.
Mit dem halbstündigen Pilot namens The Course of Love feiert der Vierteiler mit Leslie Odom Jr. („Hamilton“), Nicolette Robinson (The Affair) und Co nun offiziell Premiere. Kann Love in the Time of Corona den später folgenden Corona-Serien eine gute Marschrichtung vorgeben oder sollten sie lieber einen eigenen Weg suchen, um nicht in dieselben Fallen zu tappen? Und wird der anmaßende Serientitel - der als Anspielung auf den Literaturklassiker „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“ verstanden werden kann - den Erwartungen gerecht? Das Testergebnis fällt in dem Fall leider negativ aus...
Worum geht's?
Die Serie stellt uns zunächst verschiedene Konstellationen von Charakteren vor, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben. James (Odom Jr.) und Sade (Robinson) müssen sich als Paar daran gewöhnen, den ganzen Tag im selben Haus festzusitzen. Noch schlimmer trifft es derweil Paul (Gil Bellows) und Sarah (Rya Kihlstedt), die sich eigentlich scheiden lassen wollten, als plötzlich ihre Tochter Sophie (Ava Bellows) wieder einzieht, um den Lockdown bei ihrer Familie zu verbringen.
Das genaue Gegenteil macht das alte Ehepaar Nanda (L. Scott Caldwell) und Charles (Charlie Robinson) durch, die sich nicht mehr sehen können, weil er in einem strengstens abgeriegelten Altenheim wohnt. Noch tragischer wird das Ganze durch Charles' Demenz und sein entfremdetes Verhältnis zum gemeinsamen Sohn. Fast genauso kompliziert, aber dafür nicht ganz so ernst geht es schließlich bei Oscar (Tommy Dorfman) und Elle (Rainey Qualley) zu. Als beste Freunde stacheln sie sich gegenseitig beim Online-Dating an. Doch dann verliebt sie sich in ihn, obwohl er bis dato nur an Männern interessiert war...

Man sieht bereits: Allzu tief ist Showrunner Johnson nicht in sich gegangen, denn keine dieser vier Grundsituationen scheint wirklich einfallsreich - um das böse Urteil „klischeehaft“ zu vermeiden. Noch bedauernswerter ist aber ihr Versäumnis als Regisseurin, denn in Anbetracht der besonderen Produktionsbedingungen der Serie ist der Stil auffällig unauffällig. Statt die Herausforderung anzunehmen, Love in the Time of Corona vollständig aus der heimischen Selbstisolation zu erzählen, wurde viel getrickst. Man hätte zum Beispiel erwarten können, dass sämtliche Szenen in Form von Skype-Sessions inszeniert werden. Stattdessen wurden die Schauspieler direkt ans Set bestellt, wo die Crew sie schöner beleuchten konnte.
Tatsächlich vergisst man zwischenzeitlich sogar, dass Love in the Time of Corona in Corona-Zeiten spielt. Klar sieht man hier und da mal Masken oder kriegt dümmliche Witze zum Thema zu hören, aber unter die Oberfläche gräbt das Ganze nie. Selbstverständlich darf man von einer Freeform-Serie keine allzu tiefen Ozeane an Gedanken erwarten, aber ganz so seicht müssen die Gewässer dann ja auch nicht ausfallen. Man kann nur hoffen, dass wenigstens alle Beteiligten Spaß an den Dreharbeiten der Serie hatten. Und dadurch vielleicht ein bisschen weniger Langeweile im Lockdown durchleiden mussten...
Fazit
Alles in allem ist Love in the Time of Corona ein absoluter Reinfall und keinesfalls die Mühe wert - selbst, wenn man in der Selbstisolation mehr Zeit für Serien haben sollte. Die Serienschöpferin Joanna Johnson wurde leider nicht von derselben Quarantäne-Muse geküsst wie der eingangs erwähnte Shakespeare. Vielleicht ein unfairer Vergleich, aber der von ihr oder Freeform gewählte Serientitel lässt theoretisch schon auf gewisse Ambitionen schließen. Und die lassen sich mit einer so faden Liebesgeschichte, so mutlosen Inszenierung und so halbherzigen Schauspielleistungen leider nicht verwirklichen.
Wir warten also weiter auf die erste gute Corona-Serie, nachdem im Juli schon der hessische Vorreiter „Kontaktlos“ einen Fehlstart hinlegte (unsere damalige Kritik). Noch immer in der Pipeline stecken beispielsweise Netflix' Anthologieserie Social Distance von der Orange Is the New Black-Macherin Jenji Kohan, das BBC-Format „Staged“ mit den Good Omens-Stars Michael Sheen und David Tennant sowie eine noch titellose Corona-Comedy vom selben Team wie bei The Office.
Hier abschließend der Trailer zur Freeform-Serie Love in the Time of Corona: Verfasser: Bjarne Bock am Montag, 24. August 2020Love in the Time of Corona 1x01 Trailer
(Love in the Time of Corona 1x01)
Schauspieler in der Episode Love in the Time of Corona 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?