Love, Death & Robots: Review des Anthologie-Auftakts

© zenen aus den ersten beiden „LD&R“-Folgen (c) Netflix
Science-Fiction-Anthologien sind oft ein Fundus an originellen Storys, die mithilfe Aliens, Robotern und High-Concept-Gimmicks etwas über die menschliche Natur auszusagen vermögen. Ob in Live-Action-Form wie in „Outer Limits“ und aktuell Black Mirror oder in animierter Form wie in den „Otomo Katsuhiro's Memories“, „Robot Carnival“ oder „The Animatrix“. Netflix präsentiert seinen Zuschauern nun mit Love, Death & Robots eine ebensolche Serie, die verschiedenen Autoren und Animationskünstlern die Gelegenheit bietet, sich in etwa 15 Minuten spekulativ, allegorisch, actionreich, humoristisch und nachdenklich, aber vor allem hinter einer laut angekündigten Altersbeschränkung auszutoben. Wir haben uns für Euch die ersten beiden Folgen dieses von David Fincher („Fight Club“) und Tim Miller („Deadpool“) produzierten neuen Formats angesehen.
Sonnie's Edge
In Sonnie's Edge begleiten wir die hartgesottene Sonnie, der von einem wohlhabenden Mann viel Geld geboten wird, um eines ihrer Matches absichtlich zu verlieren. Sie steigt dabei nicht selbst in den Ring, sondern lässt ihr Bewusstsein in ein wohl künstlich erschaffenes Biest aus Fleisch und Blut laden, das gegen andere Kreaturen und ihre Piloten bis auf den Tod kämpft. Sonnie hat jedoch kein Interesse an Reichtümern oder wenig authentischen Kämpfen. Als Opfer einer brutalen Gruppenvergewaltigung, die äußere wie innere Narben hinterlassen hat, will sie sich im Ring lediglich an jenen Männern Rächen, die ihr diese verpasst haben. Gesagt, getan.

Während die anspruchsvolle CGI-Animation dieses atmosphärischen Action-Schaustücks durchaus zu beeindrucken weiß, wird der popfeministische Anstrich der Rape-Revenge-Story durch eine pubertäre Ausführung unterwandert. Man soll beeindruckt davon sein, wie edgy das Konzept und wie krass der Gore-Faktor ist, ohne darüber nachzudenken, wie die luftigen Kostüme einiger Damen in Szene gesetzt sind oder wie die aus dem Nichts kommende Erotikszene zweier Frauen (die garantiert nicht für queere Repräsentation hier ist) im Kontext herüberkommt. Eine Menge male gaze für eine Geschichte, die angeblich vom empowerment einer Frau handeln soll. Am Ende wird bis auf die zerstückelten Monster lediglich ein Frauenkörper auf schlimmste Weise malträtiert gezeigt, während der Text des Drehbuchs darauf besteht, dass damit in Wirklichkeit die patriarchale Strohmannfigur gepwnd wird. Dass dies der erste Credit überhaupt für den Autor ist, überrascht deshalb nicht nur aufgrund der peinlichen Dialoge, die selbst in Videospiel-Cutszenes unangenehm auffallen würden.
Three Robots
Sehr viel leichtfüßiger und außerdem schwarzhumorig geht es in der Folge Three Robots vor sich, in welcher drei unterschiedliche Roboterkumpanen eine postapokalyptische Metropole lange nach dem Aussterben der Fleischeinheiten erforschen. Wie viel man dieser Comedyfolge abgewinnen kann, wird davon abhängen, wie witzig man den Ausdruck „Fleischeinheiten“ findet und wie gut man diesen Gag von Robotern, die menschliche Kultur nicht verstehen und für sämtliche Sachen mechanisch klingende Roboterbeschreibungen verwenden, vertragen kann. Das Ganze würde besser funktionieren, wenn sämtliche Roboter trocken wie das herumfahrende Alexa-Pendent sprechen würden, ohne dass zwei von ihnen fluchen und in Jugendsprache „freche“ Schenkelklopfer vom Stapel lassen. Vom nachdenklich stimmenden Setting, das wie bei Robokollege „Wall-E“ Themen wie Vergänglichkeit und Fragilität des Lebens anreißt, wird leider nicht viel mitgenommen. Wichtiger war eine kaum sitzende Katzenpointe.
Vermutlich hat hier jemand die Games der „Portal“-Reihe gespielt und wollte sowohl ästhetisch als auch, was den allzu menschlichen Maschinenhumor angeht, etwas Ähnliches anstellen, ohne dabei die notwendige Trockenheit zu bewahren, die das Spiel eigentlich doch so subtil und brillant gemacht hatte.
Fazit
Love, Death & Robots ist ein Format voller Potential, das in den ersten beiden Folgen jedoch zunächst nur ästhetisch und konzeptionell punkten kann. An der Animation ist tatsächlich nichts auszusetzen, wobei unterschiedlichere und experimentellere Looks wohl erst in den späteren Folgen zum Tragen kommen. Die Prämissen beider Folgen sind darüber hinaus genauso originell, wie man es sich wünscht. Das Endprodukt lässt bisher trotzdem zu wünschen übrig, was, wie oben beschreiben, in beiden Fällen auf Schwächen im Drehbuch zurückgeht. Vielleicht hätte man erfahrenere Autoren benötigt, vielleicht soll die Serie aber auch vor allem seinen Ab-18-Stempel zur Schau stellen und durch Gore und fluchende Roboter von sich reden machen - was dann meistens jedoch nur pubertäre Zuschauer unter 18 beeindruckt... Die hohe Altersfreigabe hat man sich verdient, die uneingeschränkte Vorfreude auf 16 weitere Folgen noch nicht.