Beth und das Leben: Kritik zur Hulu-Comedy von Amy Schumer

© my Schumer in der Serie Life & Beth (c) Hulu
Nach The Kings of Napa vom Kabelsender OWN und dem ABC-Drama Promised Land startet mit der neuen Hulu-Comedy Life & Beth von und mit Amy Schumer („Inside Amy Schumer“, „Dating Queen“) nun bereits die dritte US-Serie des Jahres, die sich um den Anbau oder den Verkauf von Wein dreht. Die „Leidenschaft“ für einen guten Tropfen zieht in Hollywood also derzeit ihre Kreise, worüber sich fiese Vermutungen anstellen ließen im Zusammenhang mit den Corona-Lockdowns...
Hierzulande wird die neue Eigenproduktion der Streaming-Plattform erst am 18. Mai im Star-Bereich von Disney+ erscheinen. Dem deutschen Titel, „Beth und das Leben“, fehlt es wie gewohnt an Cleverness im Vergleich zum wortverspielten Original. Trotzdem kann man für die Serie durchaus eine Empfehlung aussprechen, weil man in der Verkostung der Auftaktepisode nicht nur Schumers derben Sinn für Humor, sondern auch ein paar bittere Noten herausschmeckt. Ein Format mit mehr Tiefe als erwartet - und für einige vielleicht auch ein willkommener Ausflug nach New York!
Worum geht's?
Weinhändler:innen wissen besser als andere Berufsgruppen, dass ein Flaschenetikett genauso entscheidend für den Genuss eines Weines sein kann wie der eigentliche Inhalt. Die Poppsychologie ist voll von lustigen Studien, die beweisen wollen, dass ein billiger Wein mit einem künstlich erhöhten Preis tatsächlich besser schmecken kann (siehe hier). Bei der Protagonistin von „Life & Beth“ ist die Sache etwas komplizierter: Zwar sieht ihr Leben als erfolgreiche Weinhändlerin in Manhattan - mit einem attraktiven Mann an ihrer Seite - zunächst nicht schlecht aus, doch ihr innerliches Unglück dringt durch alle Poren. Schon im ersten Verkaufsgespräch beweist Beth wenig Geschick darin, sich selbst anzupreisen.
Um in der Metapher zu bleiben, könnte man sagen, dass Beth nervös an ihrem sonst so edlen Etikett herumkratzt. Völlig entfernt wird der Anschein der Perfektion, als sie auf ihre Mutter trifft, die beim gemeinsamen Shopping-Bummel nur wenige Knöpfe drücken muss, um Beth zur Weißglut zu bringen. So lernen wir unsere brüchige Heldin in der kompakten ersten Folge - die sich übrigens The Sign nennt - durch eine Aneinanderreihung von situationskomischen Szenen kennen. Schumer setzt damit auf ihre Sketch-Wurzeln und entblößt sich selbst als sozial unbeholfen.
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Die erfrischend wenig schamerfüllte Art und Weise, wie die Komikerin in ihren Stand-up-Specials, ihren Romcom-Streifen oder eben auch in ihrer erfolgreichen Sketchshow „Inside Amy Schumer“ auftritt, sichert ihr viele Anfeindungen meist männlicher Internet-User. Als etwas fülligere Frau geht Schumer in den Augen ihrer engstirnigen Hater vielleicht „zu offensiv“ mit ihrer Sexualität oder einfach mit ihrem Körper um, was auch bei Life & Beth der Fall ist. Viele feiern sie derweil für ihre selbstbewussten Statements, die traurigerweise noch immer solche Irritationen auslösen können.
In einer perfekten Welt würde ich diesen Punkt bei der Kritik von „Life & Beth“ überhaupt nicht ansprechen. Doch man sieht leider schon, wie sich die Verrisse für Schumers jüngstes Werk im Web stapeln (allen voran bei der jugendlich männlich geprägten Plattform IMDb). Es bedarf also einer gewissen Einordnung, damit niemand Neutrales von so verzerrten Negativbewertungen abgeschreckt wird und dadurch eine sehr solide Serie verpasst. Ich persönlich, der ich selbst kein großer Fan von Schumer bin, war jedenfalls beeindruckt von den neuen Facetten, die sie hier zeigt. Vor allem gegen Ende der ersten Episode schlägt der Ton heftig um, was nun die Bühne für mehr Drama bietet.
Es erwartet uns eine ehrliche Einsicht in die Psyche einer Person, die im Inneren unsicherer ist, als sie nach außen ausstrahlt. Schumer legt mit ihrem Alter Ego in der zehnteiligen Auftaktstaffel eine Selbstfindungsreise hin, in der auch in die Vergangenheit geschaut wird. „Life & Beth“ dreht sich nämlich auch um Jugendtrauma und um das Thema Mutterschaft. Interessant wird sicherlich auch zu sehen, wie sich Michael Cera (Arrested Development) in die Geschichte eingliedert.
Wie ist es?
Alles in allem ein ziemlich vielversprechender Start für die neue Hulu-Serie „Life & Beth“, die hierzulande wie gesagt als „Beth und das Leben“ erst Mitte Mai bei Disney+ erscheint. Amy Schumer legt mit ihrer größtenteils selbst geschriebenen Comedyserie ein gut getimtes Comeback hin, nachdem es die letzten Jahre eher ruhig um sie war. Am Sonntag, den 27. März ist sie zudem als Oscar-Moderatorin im Einsatz. Viele werden sich freuen, sie zurückzuhaben und zu sehen, wie sie neben ihrem oftmals obszönen Humor nun auch neue Tiefen erkennen lässt.
Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Hulu-Comedy Life & Beth: