Lost in Space: Kritik zur ersten Folge des Sci-Fi-Revivals von Netflix

Lost in Space: Kritik zur ersten Folge des Sci-Fi-Revivals von Netflix

In Lost in Space muss sich eine Familie gegen alle denkbaren Widrigkeiten des Weltraums und fremder Planeten stemmen. Sie baut dabei auf Zusammenhalt und einen mysteriösen Roboter. Lädt das Sci-Fi-Drama zum Mitfiebern ein oder ist das Revival ein Schuss in den Ofen?

„Lost in Space“ (c) Netflix
„Lost in Space“ (c) Netflix
© ??Lost in Space“ (c) Netflix

Der Revival-Wahn im aktuellen Seriengeschäft geht munter weiter und beschränkt sich nicht allein auf die großen TV-Networks aus den USA. Auch der Streaminganbieter Netflix mischt seit längerer Zeit in dieser Sparte mit, wie die Neuauflagen beziehungsweise Fortsetzungen zu Gilmore Girls und Full House gezeigt haben. Mit Lost in Space steht nun der nächste Vertreter dieser Zunft auf der Startrampe und wartet darauf, ab dem heutigen Freitag, den 13. April den Serienorbit von Millionen Netflix-Abonnenten weltweit unsicher zu machen.

Als Vorlage dient dabei die Originalserie von Irwin Allen aus den 60er Jahren (zu der es auch diverse Filmadaption gibt), die hierzulande unter den Titel „Verschollen zwischen fremden Welten“ Bekanntheit erlangte. Darin begibt sich die Familie der Robinsons (angelehnt an den Kinderbuchklassiker „Swiss Family Robinson“) auf eine gewagte Expedition ins All, um neue Welten zu entdecken, zu erkunden und zu besiedeln. Das Unterfangen steht jedoch unter keinem guten Stern. Die Familie erleidet binnen kürzester Zeit Raumschiffbruch und muss sich fortan an einem ihr unbekannten, außerirdischen Ort durchschlagen. Sowohl die Gefahren dieser neuen Welt als auch die Dynamik und die potentiellen Konflikte unter den einzelnen Familienmitgliedern bestimmen fortan die Geschichte.

Verloren im Weltraum

Die Adaption von Netflix baut auf genau die gleiche Prämisse wie auch schon das Original vor gut 50 Jahren. Dennoch handelt es sich um eine moderne, zeitgemäßere Umsetzung des bekannten Materials, das an einigen Stellen angepasst und verändert wurde. So gestaltet sich das Familienbild der Robinsons von Beginn an weniger im Sinne der typischen Kernfamilie, sondern eher im Stil einer Patchworkgemeinschaft, unter deren Fassade einiges im Argen liegt. Wie sich herausstellt, sieht zum Beispiel die Beziehung zwischen den beiden Eltern Maureen (Molly Parker) (eine exzellente Wissenschaftlerin und äußerst fähige Ingenieurin) und John Robinson (Toby Stephens) (ein Berufssoldat, der Wiedergutmachung für verpasste Familienzeit leisten will) ziemlich frostig aus.

Das Paar befindet sich inmitten einer Trennung, was dem Nachwuchs schonend beigebracht werden soll. Bei den Kindern der Familie zeigt sich ebenfalls, dass sie alles andere als unkompliziert sind: Penny Robinson (sehr amüsant: Mina Sundwall) kommt einem rebellischen Teenager gleich, die von den Problemen ihrer Eltern eigentlich gar nichts wissen will. Judy Robinson (Taylor Russell) ist wiederum eine Art Wunderkind und setzt sich selbst unter extremen Druck, um stets ihr Bestmögliches abzurufen. Und der kleine Will Robinson (Maxwell Jenkins) versucht es ebenfalls, seinen Eltern recht zu machen und muss sich bereits in jungen Jahren die Frage stellen, wer er eigentlich sein will. Man sieht schon: Bei dieser bunten Mischung an Charakteren kann das Familiendrama nicht weit entfernt sein.

Und „Lost in Space“ setzt auf diese Karte, wenn auch bei weitem nicht so ausladend und ernst, wie man es von anderen Serien aus diesem Genre kennt. Das Familiendrama ist eine Komponente des Revivals, in dem der Aspekt Weltraumabenteuer mindestens genauso, wenn nicht sogar etwas größer geschrieben wird. Die Serienschöpfer Matt Sazama und Burk Sharpless kombinieren diese beiden Facetten und erzeugen dabei in der abwechslungsreichen Pilotepisode ein durchaus unterhaltsames Sci-Fi-Drama, mit dem man zum einen ein breitgefächertes Publikum anspricht, vor allem aber eine ganz bestimmte Zielgruppe im Blick hat, die nicht besonders überraschen dürfte: Familien.

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Netflix
Netflix - © Netflix

Zwischen Familiendrama und Weltraumabenteuer

Dementsprechend harmlos wirkt Lost in Space auch, selbst wenn es stellenweise ein wenig düsterer zugeht, was allen voran bei ein paar späteren Szenen zutrifft, in denen die Hintergründe zu dem geheimnisvollen Roboter beleuchtet werden, mit dem Will Robinson recht schnell einen wertvollen Bund schließt. Auch über die Figur der Dr. Smith, in dieser Version weiblich und eigentlich perfekt mit der ambivalenten Parker Posey besetzt, wandelt „Lost in Space“ gelegentlich auf vergleichsweise finsteren Pfaden. Im Großen und Ganzen qualifiziert sich das Format aber definitiv für einen geselligen Abend in familiärer Runde - etwas, das sich die Macher so auch vorgenommen haben und was von der Darstellerriege im Vorfeld über diverse Interviews immer wieder unterstrichen wurde.

Diese Harmlosigkeit ist wiederum Fluch und Segen zugleich. Einerseits kann man sich gut in die unkomplizierte Geschichte reinfallen lassen und leicht mit den Robinsons mitfiebern, die sich hier und da mal selbst an die Gurgel gehen, sich dann aber wieder zusammenraffen, um eine eigentlich unmögliche Herausforderung zu meistern. Andererseits kann sich diese Formel aber eben auch furchtbar schnell abnutzen. Die Dynamik unter den Figuren ist fix etabliert und bleibt lange Zeit eher starr (zusätzlich zu der Pilotepisode habe ich vier weitere Episoden der zehnteiligen ersten Staffel gesehen). Ob „Lost in Space“ an dieser Front noch die Biege bekommt und aus seiner eigenen Formelhaftigkeit, so unterhaltsam diese phasenweise auch sein kann, ausbrechen kann, wird sich erst noch zeigen müssen.

Positiv hervorzuheben ist indes die äußerst ansehnliche Machart des Formats. Natürlich ist hier viel vor dem Greenscreen oder eben auf aufwändig gestalteten, limitierten Sets entstanden. Allen voran den Innenräumen des abgestürzten Raumschiffes der Familie Robinson sieht man dies an. Dennoch punktet man mit einem coolen, authentischen Science-Fiction-Look sowie mit teils epischen Aufnahmen fremder Welten, bei denen man schon mal ins Staunen kommen kann. „Lost in Space“ verfügt schlichtweg über das notwendige Ausmaß, dass diese Welt braucht, um sich in ihr zu verlieren und die unschöne Bredouille der Robinsons nachvollziehen zu können. Hinzu kommt der geschickte Einsatz des neuen Roboters, der ein paar sehenswerte Tricks im Ärmel hat und mehr als einmal seinen menschlichen Kollegen dank eines windschnittigen Designs und speziellen Fähigkeiten die Show stiehlt.

Zu den vielen visuellen Leckerbissen gesellt sich darüber hinaus ein fantastischer Score dazu, der sich gezielt an einem der ganz großen Komponisten der Film- und Fernsehgeschichte orientiert: John Williams. Dieser ist hinlänglich für seine Arbeit an „Star Wars“ und diversen Filmen von Steven Spielberg bekannt, siehe „Indiana Jones“, „Jaws“ oder „Jurassic Park“, um ein paar Beispiele zu nennen, deren Titelmelodien mittlerweile legendär sind. Williams hat sich Zeit seines Lebens aber auch im TV als Komponist verdingt und steuerte unter anderem auch die Titelmelodie zur Originalserie von „Lost in Space“ bei. Diese orchestralen, anmutigen Klänge nimmt man sich nun zum Vorbild und fährt mitunter beeindruckende Kompositionen auf, die wie die Faust aufs Auge passen, wenn die Charaktere von den neuen Wundern fremder Welten überrumpelt werden.

Die gelungene Umsetzung auf bildlicher und musikalischer Ebene trägt zum Popcorn-Kino-Flair des Netflix-Neustarts bei, das insgesamt gesehen aber an vielen Stellen noch Luft nach oben hat. Der Cast schlägt sich sehr passabel, auch die Ausrichtung der vielen selbstbestimmten weiblichen Charaktere ist sehr positiv. Gefühlt scheuen die Macher aber ein wenig davor zurück, sich voll einem gewissen Thema zu widmen. Dadurch wird oft nur an der Oberfläche gekratzt oder es werden halt recht klischeehafte Dramen innerhalb der Familie präsentiert, nur eben unter besonderen Umständen, sprich auf einem fremden Planeten irgendwo im Weltraum. Ob Lost in Space noch den feinen Mittelweg zwischen den Welten finden wird, die man hier vereinen möchte, bleibt abzuwarten.

Trailer zu „Lost in Space“:

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