Lost Girl 5x16

Lost Girl 5x16

Das war es also, das Finale von Lost Girl - der Serie, die so furios angefangen und dann so stark abgebaut hat. Wie die gesamte Serie hatte das Finale alles: wunderbare Momente, krude Logik, herzerwärmende Liebe und Aktionen zum Kopfschütteln.

Bo dreht durch im Serienfinale von „Lost Girl“. / (c) Showcase
Bo dreht durch im Serienfinale von „Lost Girl“. / (c) Showcase

In gewisser Weise war Rise ein Spiegelbild der gesamten Serie. Sobald es um die übergreifende Handlung ging, war ich ein lebendes Fragezeichen. Weil ich weder die Logik noch die Intention begriffen habe, die sich da vor meinen Augen abspielte. Aber in dem Moment, in dem die zwischenmenschlichen Beziehungen ins Spiel kamen, war ich komplett versöhnt. Weil es so wunderbar war.

Die Welt in Gefahr. Wieder mal.

Bringen wir es schnell hinter uns: Hades (Eric Roberts) will also die Welt unterjochen und sich alle Menschen zu Untertanen machen. Nichts wirklich Neues also. Da Hades aber nicht doof ist, hat er begriffen, was für eine Scharade Bo (Anna Silk) zum Besten gibt, und spielt mit. Er lässt zu, dass Bo Tamsin (Rachel Skarsten) befreit, bricht dann erst Bos Willen und verleitet sie dazu, wirklich allen Menschen der Stadt das Chi auszusaugen. Hier setzen die ersten beiden WTF-Momente ein. Der erste bezieht sich auf Zee, die einen Riesenaufriss in den vergangenen Folgen gemacht hat, wie böse Hades doch ist und dass die Welt untergehen wird und frachmichwas. Sie wollte aber haargenau dasselbe tun. Teilweise vor genau der gleichen Kulisse. Es entstand eine Riesenkonfusion, ob Zee nun böser ist als Hades, aber das Ergebnis ist exakt das Gleiche: die Unterwerfung der Menschheit. Im Prinzip also absoluter Schwachsinn.

Der zweite, viel nervigere Moment: Hades überredet Bo mit dem „Alle-sind-böse-zu-dir-und-verlassen-dich“-Argument und kriegt sie damit dazu, ihre böse Seite zu akzeptieren und durchzudrehen. Nun ist ja prinzipiell nichts dagegen zu sagen, dass ein Mensch beziehungsweise eine Fae sich selbst ganz und gar kennenlernt. Aber mit einer simplen Ansprache, noch dazu mit Argumenten, die gefühlt schon tausendmal ausgetauscht wurden? Hades hat seinen alten Sprüchen nichts Neues hinzugefügt, aber dieses Mal bricht Bo komplett ein. Oh, bitte, das war nicht nur billig, das war eine Beleidigung der Zuschauer. Mal abgesehen davon, dass Anna Silk, so sehr ich sie mag, in solchen Momenten doch an ihre Grenzen kommt und das Ganze nicht wirklich glaubwürdig rüberbrachte.

Vater und Tochter in %26bdquo;Lost Girl%26ldquo; © Showcase
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Aber gut, man ist ja mittlerweile Kummer gewöhnt und könnte mit sehr gutem Willen darüber hinwegsehen. Aber dann kommt der Endkampf zwischen Bo und Daddy. Beide tauschen ein paar Worte aus, die nicht so sehr viel anders sind als die, die sie schon fünfmal vorher hin- und hergeplänkelt haben. Beide strecken ihre Hände aus, ihre Energien kämpfen gegeneinander, Bo stellt plötzlich wieder mal fest, dass auch das Blut des Blood King in ihr fließt, sie sagt „I love you until the day you die“ und PUFF ist Hades wieder da, wo er hingehört. Und Bo erweckt alle wieder zum Leben.

*Das* soll der große Endkampf gewesen sein, auf den die letzten Staffeln vorbereitet haben? Wir alle wissen, dass der Abschluss noch nie die Stärke von Lost Girl war (wir erinnern uns mit Schaudern an den Garruda). Aber das hier war einfach nur schwach und einfallslos. Jedes Wort mehr wäre zu viel. Außer, dass noch nett ein Satz vom Anfang benutzt wurde: „I will live the life I choose.“ Aber sonst? Das war eher nix.

Wenden wir uns also dem wesentlich besseren Teil der Folge, nein, der gesamten Serie zu. Dem zwischenmenschlichen Teil:

Und alles wird gut. Fast jedenfalls.

Wenn ich etwas an der fünften Staffel geliebt habe, dann, dass alte Charaktere wieder aufgetaucht sind. In diesem Fall Bruce (Rob Archer), der mehr oder minder auf Bos Geheiß hin die Crew aus dem Feuer rettet. Von ihm hätte ich wirklich gerne mehr gesehen, aber gut.

Dann hätten wir den cozy chitchat zwischen Dyson (Kris Holden-Ried) und Lauren (Zoie Palmer), bei dem endlich mal alles ausgesprochen wird, was ausgesprochen gehört. Gut, der Zeitpunkt ist nicht der allerbeste, aber hey, wir nehmen, was wir kriegen können.

Kenzi und Lauren %26bdquo;Lost Girl%26ldquo; © Showcase
Kenzi und Lauren %26bdquo;Lost Girl%26ldquo; © Showcase

Und Tamsin, oh Tamsin - endlich hat sie ihre Cojones wiedergefunden. Sie marschiert nicht nur aus dem Gefängnis, sie legt auch mit einem Spruch einen Teil von Hades Armee flach und bringt kurz danach sein Kind zur Welt - nur um danach aufzusteigen und ewigen Frieden zu finden. So stirbt man. Wenn man schon einen Hauptcharakter sterben lassen muss, dann doch bitte so und nicht anders. Übrigens war die Geburtsszene mit Kenzi (Ksenia Solo) einfach wunderbar: „It hurts!“/ „You are telling me!“, vor allem mit dem klirrenden Weimarer Porzellan im Hintergrund.

Ebenso wunderbar: wie Vex (Paul Amos) und Mark (Luke Bilyk) zusammenkommen. Nämlich ohne großes Brimborium, ohne Gesülze und Geschmalze, sondern einfach ganz selbstverständlich. Das hatte wieder was von der längst verloren geglaubten Sex-Positivness, wofür die Serie mal stand. Es ist völlig egal, wen du liebst, Hauptsache du tust es. Danke dafür. Gut, ein Kuss wäre nett gewesen, aber das war wohl Wunschdenken.

Aufgrund der gemeinsamen Geschichte ging das leider nicht ganz so einfach bei Lauren und Bo. Aber auch ihr Zusammenkommen war etwas, was der Serie lange abhanden gekommen ist - es war schlüssig gemacht. Ebenso das Gespräch, zwischen Tamsin, Dyson, Lauren und Bo, das sie ihre Kräfte kontrollieren ließ. Auch das war auf eine seltsame Weise logisch, und man war dankbar, dass man eine Entwicklung einfach mal ohne saures Aufstoßen hinnehmen konnte.

Wirklich grandios war aber, wie sie Dagny vor Hades schützen. Wie Bo selbst wächst das Kind zwar unter Menschen auf. Und doch ist alles anders. Bo gibt Dagny ganz in Kenzis Hände, die sie nicht nur liebevoll, sondern auch im vollen Bewusstsein aufzieht, dass sie eine Fae ist. Als es an der Zeit ist, weil Hades Ansprüche anmeldet - die Szene im Auto mit ihrer potentiellen Liebhaberin? Traum-haft! -, holt Mark sie ins Dal und damit in die Gemeinschaft ihrer Familie. Nach der letzten Szene war man fast traurig, dass es nun wirklich vorbei ist.

Allerdings nur fast.

Tamsin und ihr Baby in %26bdquo;Lost Girl%26ldquo; © Showcase
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Fazit

Wie erwähnt, ist es eigentlich unmöglich, dieser Folge eine nach allen Seiten hin gerechte Bewertung zu geben. Für alles, was den Endkampf angeht, wären 0,5 bis ein Stern angemessen. Für die menschliche/faeliche Seite hingegen würde ich zu einer glatten Fünf greifen, weil es ein wunderbarer Abschluss war. Da man ja seinen Frieden machen und im Guten gehen soll, hab ich mich letztendlich für 3,5 Sterne entschieden.

Und ich werde das tun, was ich schon im letzten Review angekündigt habe: Ich werde mir die ersten beiden Staffeln anschauen, mich sehr freuen über diese tolle Serie und hoffen, dass ich den Rest vergessen kann. Hat bei der „Matrix“ auch geklappt.

Verfasser: Sabine Stevenson am Montag, 26. Oktober 2015
Episode
Staffel 5, Episode 16
(Lost Girl 5x16)
Deutscher Titel der Episode
Aufstieg
Titel der Episode im Original
Rise
Erstausstrahlung der Episode in Kanada
Sonntag, 25. Oktober 2015 (Showcase)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 16. April 2016
Autor
Michael Grassi
Regisseur
Paolo Barzman

Schauspieler in der Episode Lost Girl 5x16

Darsteller
Rolle
Rachel Skarsten

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