Lost Girl 5x08

Subtilität kann eine wunderbare Sache sein, wenn die verschiedenen Plots gekonnt miteinander verwoben werden und die Serie leichtfüßig voranschreitet. Man kann aber auch sagen, dass diese Art der Plotentwicklung total überbewertet wird. Dieser Meinung sind anscheinend die Produzenten von Lost Girl. Selten hat man einem Mid-Season-Final so mit der Brechstange eins übergebraten. So sehr, dass es eigentlich keinen Sinn hat, an den verschiedenen Plots zu hängen, es sei denn, man will eine sehr verwirrende Nacherzählung schreiben.
Da aber alle wichtige Charaktere dieses Mal genug Screentime hatten, machen wir das Review an den Akteuren fest.
Bo - the Bo
Bo (Anna Silk) hat es nicht leicht in End of Faes. Tamsin (Rachel Skarsten) kündigt ihr nicht nur die Freundschaft. Sie geht auch mit dem festen Willen, aus ihrem Leben zu verschwinden. Zeus aka Zee (Amanda Walsh) schickt ihr eine Einladung, die sich als ein Ritual herausstellt, damit sie sich von Hades (Eric Roberts) emanzipieren kann. Dann stellt sich aber raus, dass Zeus zumindest nicht so ganz die Wahrheit gesagt hat. Auf der Suche nach der Wahrheit bekommt sie eine Killerhand, mit der sie sogar Götter aka Superfaes niederringen kann. Sie bekommt Visionen, die ihr den weiteren Weg zeigen - und, dass Daddy Hades vielleicht doch gar nicht so böse ist. Und das, obwohl ihr doch immer wieder gesagt und gezeigt wird, dass ihr Vater die Welt vernichten will. Ach ja, und sie möchte doch bitte wieder mit Lauren (Zoie Palmer) zusammenkommen ...
*Tieflufthol* Noch jemand außer Atem? Schön, das ist nämlich genau der Zustand, in dem mich End of Faes zurückgelassen hat. Leider nicht im positiven Sinne. Atemlos rannte der Plot von einem Topic zum anderen durch die Nacht, nur um noch ja schnell abzuarbeiten, was abzuarbeiten geht. Da kann es schon mal passieren, dass Bo von jetzt auf gleich eine Vision von ihrem Vater bekommt, so ganz ohne Orakel, obwohl sie eigentlich sonst nicht dazu neigt. Oder sie ist bereit, sich von jemandem, der gerade noch der schlimmste Feind war, am Körper rumschnippeln zu lassen. Zumindest ein klein wenig Logik, zum Beispiel, dass es wenigstens Lauren ist, die eine mittlere OP vornimmt - das wäre doch zu wünschen gewesen.
Zeus - die Gute
Abgesehen davon, dass wir jetzt wissen, dass Zeus auch mal Odin, Amun oder Jupiter war, wissen wir auch, dass sie gar nicht so böse ist. Und sie ist Bos Tante, was die Frage aufwirft, ob Bo jetzt eine Halbgöttin ist. Aber das nur am Rande, denn eigentlich will Zeus, die Gutherzige, nur die Welt retten, wenn auch mit ihren eigenen Methoden. Was aber anscheinend auch nur wieder eine geschickte Illusion ist, weiln sie eigentlich doch so böse ist, wie man glaubt - warum sonst sollte sie einen Blitz in die liebeskranke TamTam fahren lassen? Sie hat das arme Iris-Kind ans Bett gefesselt und sie total unter Kontrolle, was eigentlich nur böse sein kann. Und die Kiste von Bruder Hades will sie auch nur zum Zwecke des….? Man weiß es nicht.
Das ist ja prinzipiell gar nicht schlecht und im Großen und Ganzen auch gut gedacht - wenn man dieser Entwicklung vielleicht ein oder zwei Folgen mehr Zeit gegeben hätte. Oder wenigstens nicht noch einzweidrei ganz viele andere Dinge mit reingequetscht hätte. So ist Zeus' Entwicklung irgendwie etwas zu kurz gekommen - viel zu viel verschenktes Potential. Was ein weiteres Merkmal von End of Faes ist. Was man da alles hätte draus machen können…
Hera - der Blasse
Hera wirkt neben Zeus etwas unscheinbar und sehr unentschlossen. Erst lässt er Teenage-Iris (Shanice Banton) gehen, obwohl sie schnippisch zu ihm war. Dann zuckt er noch nicht mal, als Dyson (Kris Holden-Ried) seine Insekten-Kräfte neutralisiert. Und zum Schluss lässt er sich von Tamsin und Lauren alle wichtigen Fakten aus der Nase ziehen, weil er, als Superfae, Angst vor einer Walküre und einer Menschendoktorin hat. Echt jetzt mal? Das war einfach schwach.
Iris - die Böse
Dann wäre da noch Iris, das arme, von Hera und Zeus missbrauchte Kind, das von ihnen im Zaum gehalten und bevormundet wird. Sie kann einem ja eigentlich nur leidtun. Wenn sie da nicht Kräfte hätte, die sie leider selbst nicht kontrollieren kann und die sie selbst nicht versteht. Fest steht: Das Mädchen wird von irgendjemandem benutzt.
Aber von wem? Von Zeus und Hera? Von Hades? Von jemand ganz, ganz anderem? Wir werden es erfahren. Einstweilen rennt sie durch Faeronto und verwandelt alles, was sie sieht und berührt, in ein großes Nichts. Oder aber, in Bos Fall, in ziemlich starke Waffen.
Tamsin - die Arme
Also, Tamsin wird von Bo zurück gewiesen und fügt sich ihrem Schicksal. Ja, sie arbeitet sogar weiter mit ihr und, noch heftiger, mit Lauren zusammen. Nur um sich dann bei Zee auszuheulen. Hallo? Die Frau ist eine Walküre. Walküre wie in Kämpferin, Walhalla und all das. Die bloße Idee, dass sie sich beim ersten bisschen Herzeleid, so ungewohnt das auch für ist, zurückzieht, ihre waidwunde Seele streichelt und in Selbstmitleid ertrinkt, ist so out of character, dass es total unglaubwürdig ist. Und wenn es wirklich wahr sein sollte, dass sie durch Zeus' Blitz aus ihrem letzten Leben gerissen wurde, dann war das nicht nur eine grandios verschenkte Chance, sie einen Heldentod sterben zu lassen, es war auch der Figur unwürdig.
Mark - der verlorene Sohn
Mark (Luke Bilyk) gibt den braven, gut gebauten Sohn, der fast alles tut, was Papa Wolf ihm sagt. Langweilig. OK, er haut mit Iris ab und schläft mit ihr. Im Prinzip war er in dieser Episode nicht wirklich viel mehr als ein Stichwortgeber. Interessant war einzig die Tatsache, dass er nicht seinen Vater anrief, als er Hilfe brauchte, sondern Vex (Paul Amos). Hmmmm, ich hoffe stark, dass auch Mark überlebt (jetzt wäre gerade eine gute Zeit zum shiften) und wir diesen Strang noch weiter verfolgen können.

Trick - der Überforderte
Man hat ja so ein wenig das Gefühl, Trick (Richard Howland) sei mit seiner Rolle als Großvater von Hades Abkömmling etwas überfordert. Ständig schaut er mit großen Augen durch die Gegend, überschlägt sich fast vor Ehrerbietung Zeus gegenüber und ermutigt Bo, den Trunk der Weissagung zu trinken. Den er dann auch gleich noch kippt, was alle denken lässt, Zeus handle uneigennützig und wohltätig. Hallo?! Der Mann ist wieviele tausend Jahre alt? Und er ist der Bloodking. Er müsste doch bitte mittlerweile wissen, was abgeht. Wenn nicht er, wer dann? Sein Verhalten ist wirklich extrem konstruiert.
Dyson - der Durchschnittliche
Wann genau ist Dyson gleich in die Mittelmäßigkeit abgedriftet? Ja, er ist immer noch dabei, er hält Bo den Rücken frei, ab und an haben sie noch mal Sex und er brütete über dem Symbol. Aber sonst? Er gibt Hera einen auf die Nuss und kniet über seinem blutenden Sohn, den er vor lauter Sorge nicht erschnüffelt hat. Also wenn sich da nicht noch bald etwas tut, dann kann er eigentlich auch den Heldentod sterben. Das sage ich, die eigentlich immer Team Dyson war.
Vex - der Verwirrte
Gut, er kommt nur kurz vor, aber immerhin wissen wir, dass er Mark wirklich und in echt liebt. Der liegt aber gerade auf des Messers Schneide. Mit Glück werden wir in ein paar Wochen sehen, wozu Vex alles fähig ist.
Fazit
Ich sage nicht, dass die Folge uninteressant war. Oder dass die Twists nicht durchaus unerwartet waren, was an sich ja gut ist. Aber ein bisschen weniger Brechstange und ein klein wenig mehr Subtilität fände ich schon gut. Jetzt haben wir ja erst mal ein paar Wochen zum Durchatmen, und dann sehen wir weiter.
Verfasser: Sabine Stevenson am Freitag, 30. Januar 2015(Lost Girl 5x08)
Schauspieler in der Episode Lost Girl 5x08
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