Lost Girl 4x03

Endlich! Nach zwei Folgen fast ohne Bo ist die Schwangerschaft von Anna Silk wohl soweit überstanden, dass sie in Lovers. Apart. wieder die Handlung trägt. Und weil man als Succubus nach dem Sprung aus dem mysteriösen Zug seines mysteriösen Vaters nicht einfach an der nächsten Straßenkreuzung landet, findet sie sich - erschöpft, verwirrt und halb verhungert - sofort in einer mysteriösen Geistergeschichte wieder. Kommen die Hauptfiguren von Lost Girl denn nie wieder zusammen?
Wir warten weiter auf wunderbare Walküren
Keine Kenzi (Ksenia Solo). Kein Trick (Richard Howland). Kein Hale (K.C. Collins). Kein Vex (Paul Amos). Keine Tamsin (Rachel Skarsten). Die Macher von Lost Girl haben stattdessen beschlossen, den beiden Gastdarstellern Mia Kirshner als Nymphe Cleo und Ali Liebert als Crystal breiten Raum einzuräumen. Sieht man von dem Kurzauftritt der Ex-Morrigan Evony (Emmanuelle Vaugier) ab, besteht die Folge aus zwei Strängen: Bo kämpft gegen einen rachsüchtigen „Body Jumper“ und Lauren (Zoie Palmer) hat Pizza-und-Bier-Sex. Die Handlung findet weit weg von Fae-Town statt, weswegen auch die Una Mens eine Woche lang folterfrei haben.
Die Macher gingen damit ein ziemliches Risiko ein. Ohne Kenzi und Vex fehlen zwei der Figuren, die den Humor in die Serie bringen und sie davor bewahren, sich selbst zu ernst zu nehmen. Cleo und Crystal sind interessant, aber ihnen fehlt notgedrungen die Tiefe, da wir sie gerade erst kennengelernt haben. In der Zwischenzeit werden besonders die Tamsin-Fans zunehmend ungeduldig und so richtig weiß der Zuschauer immer noch nicht, wer in Staffel vier der Gegner ist, die Una Mens oder Bos Vater oder vielleicht jemand ganz anders. Lovers. Apart. musste daher sehr gut geschrieben sein, um uns mit der Idee zu versöhnen, dass wir auch in der dritten Folge einer kurzen Staffel immer noch unsere verlorenen Schäfchen zusammensuchen.
Mit schönen Grüßen an Jessica Lange
Tatsächlich ist das Drehbuch an einigen Stellen wunderbar. Nehmen wir den Auslöser für die Wut der Körperklau-Fae Jumbee (Neema Bickersteth): Im ersten Augenblick scheint klar zu sein, dass sie sterben soll, weil eine Liebe zwischen einer Schwarzen und einem Weißen damals nicht zulässig war. Aber das wird nie aufgegriffen - es wird nur davon gesprochen, dass man sie als Hexe entlarven wollte. Der Zuschauer wird mit seinen Vorurteilen allein gelassen.
(Wer parallel die dritte Staffel von American Horror Story guckt, wird nicht nur wegen der Kombination aus Rassismus und Hexen gestutzt haben. Auch der Hinweis darauf, dass einer der mörderischen Verwandten die Opfer wie die Puppen auf einer Tee-Party aufgebaut hat, wirkt wie ein Wink an die Kollegen im Süden.)
Dass auch Jumbee eine Elemental ist, löst weiter das Problem, wie Bo geheilt und Cleo entlarvt wird. Die letzte Szene, als Bo und Dyson (Kristen Holden-Ried) an dem Wagen mit der entführten Lauren (Zoie Palmer) vorbeifahren, ist ein Stück klassischer Tragödie.
Boing macht die Bratpfanne
Mit dem Humor ist es dagegen grenzwertig. Tochter Julia (Chloe Rose aus Degrassi) sorgt mit dem Bratpfannen-Slapstick und Bemerkungen wie die, dass Bo sie an die Schwangere aus dem Gesundheitsunterricht erinnert, für einige heitere Momente. Bo selbst hat einige gute Sprüche in den Mund gelegt bekommen. „I like leather“ ist ein seltsamer Satz, wenn man im wallenden Nachthemd durch die Wälder läuft und dabei Turnschuhe trägt statt der üblichen Stiefel. (Wobei, woher kommen eigentlich diese Turnschuhe? Trägt man so etwas zum Nachthemd in Todeszügen?)
Auch Mia Kirshner wird eingespannt und bekommt mit ihrem Hinweis auf Dysons (Kristen Holden-Ried) fehlendes Wissen über Schnulzen-Romane die wohl beste Zeile der Episode. Einen Sonderpunkt für Humor bekommt auch Emmanuelle Vaugier, die mit ihrem Augentrick zu genau der richtigen Zeit die Folge vor Anna Silks Stöhnen rettet. Am Ende fehlt aber die Vorfreude, die beim Zuschauer jedes Mal aufkommt, wenn Kenzi (Ksenia Solo) den Mund aufmacht. Bo braucht ihren Sidekick.
Einige Hintergrundinformationen zu eingegrabenen Fußfetischisten
Allerdings bleibt der Strang mit Lauren praktisch humorfrei - hier wurde diesmal der Sex untergebracht - und so muss Lovers. Apart. auf eine der großen Stärken von Lost Girl zurückgreifen, um nicht bierernst zu werden: Die abgefahrenen, bizarren und zum Brüllen komischen Nebenfiguren, die nur in einer einzigen Folge auftauchen und den Zuschauer mit einem wunderbaren WTF-Gefühl zurücklassen. Zu der „Nummer ziehen!“ Reisebüro-Tante Peggy (Pragna Desai) von früher und dem echten Internet-Troll der Webisodes gesellt sich in dieser Folge der von Affen - Affen! - eingegrabene Fußfetischist Lazy John.
Der nicht-kanadische Gelegenheitszuschauer mag sich an dieser Stelle etwas gewundert haben.
Zuerst: Lost Girl-Junkies wissen natürlich von dem visuellen running gag der Serie in Bezug auf Schuhe, Stiefel und Füße, den die Macher bei Interviews als bewussten Witz bestätigt haben. Entsprechend gehört die Stiefel-Einstellung zum wöchentlichen Pflichtprogramm von Lost Girl wie der tiefe Einblick in den Ausschnitt von Anna Silk und wird mit der gleichen Selbstironie vorgetragen. Da Bo aber gerade in Turnschuhen herumläuft (wieso auch immer) und Kenzi nicht mitspielt, wird er diesmal quasi mit der Brechstange eingebaut.
Die Haupthandlung und andere Nebensächlichkeiten
Was man aber noch wissen muss: „Lazy John“ ist niemand anders als der kanadische Komiker (Darren Frost), der für sein vulgäres und politisch unkorrektes Programm bekannt oder vielleicht besser berüchtigt ist. Es handelt sich um einen Cameo, den außerhalb von Nordamerika aber leider wohl kaum einer erkennt. Damit setzt Lost Girl nach George Takei, Linda Hamilton, Mia Kirshner und Ali Liebert die Folge von prominenten Gästen fort, was ein gutes Zeichen für die Serie ist.
Wie in der vergangenen Woche spielt die Haupthandlung auch in Lovers. Apart. eher eine Nebenrolle. Lauren ist entführt worden, sie wurde vermutlich von ihrer Vergangenheit eingeholt. Dyson und Bo heiraten, wenn auch nur als Stellvertreter und damit nicht bindend. Trotzdem scheint der Wolf im Moment an die Ärztin vorbeizuziehen in Bos Gunst - wir erinnern uns, es gab da mal eine Dreiecksgeschichte. Evony (Emmanuelle Vaugier) ist wieder da und will gleich „alles“ nachholen. Es bleibt unklar, ob sie von den Una Mens weiß. Und niemand redet mehr von Bos Vater, schon allein weil alle die Sache mit dem Zug wieder vergessen haben. Das ist etwas zu praktisch.
Fazit
Wir haben es schon bei den vergangenen zwei Episoden gesagt, wir sagen es jetzt wieder und wir werden es so lange sagen, bis es auch in Kanada angekommen ist: Lost Girl braucht dringend mehr Episoden pro Staffel. Die Serie ist am stärksten, wenn die ganze Bande zusammen ist und alle Figuren sich - im übertragenen und wörtlichen Sinn - aneinander reiben können. Jetzt ist schon fast ein Viertel dieser Staffel um und die Macher haben immer noch nicht alle wieder versammelt. Da sich Lauren (Zoie Palmer) unbedingt entführen lassen musste, werden wir wohl noch länger warten müssen, um den Grundzustand wieder zu erreichen. Langsam macht sich doch Ungeduld breit.
Gleichzeitig rast die Handlung von Lovers. Apart. wie ein D-Zug, um alles eingebaut zu bekommen. Die Folge war sicher nicht schlecht, bleibt mittelmäßig: Zu viele der Hauptfiguren fehlen, für den Humor waren Klimmzüge nötig und das große Bild ist immer noch nicht zu erkennen. Die Gastdarsteller in Ehren, aber es wird Zeit, Bo nach Hause zu bringen und ihr ein paar Bier in The Dal zu verpassen, damit Lost Girl wieder in die Spur kommt.
Verfasser: Bernd Michael Krannich am Dienstag, 26. November 2013Lost Girl 4x03 Trailer
(Lost Girl 4x03)
Schauspieler in der Episode Lost Girl 4x03
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?