Lost Girl 3x04

Selten sind die Handlungsstränge in der Serie Lost Girl so gut und nahtlos ineinander verwoben worden wie in der Episode Fae-de to Black. Folgenhandlung und Serienstrang waren dieses Mal perfekt aufeinander abgestimmt und lassen sich nur sehr bedingt einzeln aufdröseln.
Therapy for Dummies
Die vordergründige Handlung: Eine Serie seltsamer Selbstmorde ruft Dyson (Kristen Holden-Ried) und seine neue Partnerin Tamsin (Rachel Skarsten) auf den Plan. Es stellt sich heraus, dass alle Opfer Patienten in einer esotherischen Klinik waren, also heuert ausgerechnet Bo (Anna Silk) dort als Therapeutin an.
Sie behandelt dort unter anderem ein schwules Paar, das Probleme mit der Frequenz ihres Sexuallebens hat - was wiederum sehr interessant ist, denn es stellt sich im Laufe der Folge heraus, dass Bo in gewisser Weise mit dem gleichen Problem zu tun hat. Oder anders: Lauren (Zoie Palmer) kann Bo einfach nicht das (und soviel davon) geben, was diese braucht. Und so kommen wir in Fae-de to Black nicht nur in den Genus des ersten Kusses zwischen zwei Männern in der Serie Lost Girl sondern auch noch zu der Vereinbarung, dass Bo und Lauren ab sofort eine offene Beziehung führen werden. Was sehr interessant werden dürfte.
Zu der Übereinkunft kommt es ganz ohne Geschrei, Gejammer oder Gezeter - ganz der Doktor sieht Lauren ein, dass sie für Bo nicht genug ist und ihr im Zweifel eher schadet. Und um genau das zu verhindern einigen sie sich, dass Bo sich fortan Heilung und Stärke - und damit Sex - bei anderen holen darf. Lauren flippt noch nicht mal aus, dass Bo sie mit Dyson (Kristen Holden-Ried) „betrogen“ hat. Nein, beide verhalten sich erwachsen, reden miteinander und legen Regeln - „No Dyson“ - fest. Was wiederum zeigt, dass mitunter eine Fernsehserie sogar gewinnt, wenn man künstlich insziniertes Drama einfach mal weglässt. So es denn zu den Charakteren passt. Sehr erfrischend. Interessant wird jetzt werden, ob nicht nur Bo Sex mit anderen haben darf, sondern auch Lauren.
The blond isn't that dumb
Ebenso erfrischend war diesmal Tamsin (Rachel Skarsten) - schlagfertig, witzig und genau das richtige Quäntchen an Bösartigkeit. Was gut geschrieben war: Tamsin glaubt Bo nicht alles sofort, wie das zum Beispiel Dyson mittlerweile macht - aber sie lässt sich durch gute Argumente überzeugen. Und sie hat selbst welche, wenn es darum geht, kleine schnuckelige Katzen, die zu sehr großen bösen Monstern mutieren, zur Strecke zu bringen. Wo wir beim Monster sind: Was macht eine B-Produktion, wenn sie nicht das Geld für aufwändige Tricktechnik hat? Sie bedient sich des so ungefähr ältesten Tricks im Buch und lässt einen Schatten erscheinen. Aber sie machen es ironisch und mit mehr als nur einem Augenzwinkern - die jeweiligen Gesichtsausdrücke von Bo, Dyson und Tamsin sind göttlich - dass es einfach Spaß macht.
Außerdem stellt Dyson fest, dass er in letzter Zeit viel zu brav war. Ja, Wölfe haben nur eine Partnerin fürs Leben, aber wenn die gerade nicht will (oder gar nicht weiß, dass sie die Auserwählte ist) dann spricht nichts dagegen, auch ohne sie Spaß zu haben. Seine Aussagen über den „very, very baaaaad wolf“ lassen jedenfalls große Hoffnungen zu.
Wait, where the heck is Kenzi
Kenzi hat es nicht leicht in dieser Folge - niemand, aber auch wirklich niemand hat Zeit für sie. Das ist noch nicht mal böse gemeint, aber alle haben mit sich selbst zu tun und nehmen sie nicht wirklich ernst. Speziell Trick (Rick Howland) bringt es - ein klein wenig rassistisch - auf den Punkt: Alle lieben Kenzi, aber sie ist keine Fae und hat damit auch keine Ahnung, wie die Dinge in deren Welt laufen. Was natürlich hanebüchener Unsinn ist, bei allem was Kenzi schon mitgemacht hat und die Fae-Welt nebenbei mit rettete.
Aber er scheint für den Moment zumindest Hale ( K.C. Collins) davon zu überzeugen, dass es richtig ist, sich auf andere Dinge zu konzentrieren, als auf seine Freundschaft zu ihr. Oh, boy. Man muss kein Hellseher sein, um zu sehen, dass sie in den nächsten Folgen alle ihr Verhalten Kenzi gegenüber noch sehr bereuen werden. Wie sehr, das wird davon abhängen, was mit ihr jetzt geschieht und wann sie wieder auftaucht. Aber man darf hoffen, dass Trick und Hale ihren Fehler sehr bereuen werden.
Wobei es sehr interessant wäre zu wissen, wie der sonst doch eher weise Trick auf dieses schmale Brett kommt.
Beste Szene
Als das schwule Paar auf die Frage, wie oft sie denn in der Woche Sex haben, drei Finger in die Luft heben und Bo völlig entgeistert fragt:
„That's it? How do you survive?“
Bestes Zitat
„Why is everything always about sex?“ -Yeah, succubus. Make an educated guess.
Fazit
Drei Vorkommnisse sind neu für die Serie Lost Girl in der Folge Fae-de to Black: Es küssen sich erstmals zwei Männer leidenschaftlich. „Lost Girl“ erweitert das Repertoire von Spiel- und Beziehungsarten um die Polyamorie mit sauber gesteckten Grenzen. Und eine Folge ist gut und witzig, ohne dass die tragende, komische Rolle auf den schmalen Schultern Kenzis lastet. Die Fae-de to Black hat mit seinen Anspielungen und Perspektiven eine hohe Spannung aufgebaut und macht Lust auf die Folgen, die da noch kommen werden. Für die Rezensentin großartige Unterhaltung, mit der die Serie, wenn sie denn so weitermacht, viele der A-Serien an die Wand spielt.
Verfasser: Sabine Stevenson am Montag, 28. Januar 2013(Lost Girl 3x04)
Schauspieler in der Episode Lost Girl 3x04
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