Lore 1x01

© zene aus der Pilotepisode von âLoreâ / (c) Amazon
WĂ€hrend es heute gang und gĂ€be ist, jeden Film, an den sich die breite Masse einigermaĂen erinnert, als Fernsehserie in Entwicklung zu schicken, sind auch Podcasts - selbst nicht-fiktionale - lĂ€ngst nicht mehr vor der TV-Umsetzung sicher, wie Lore von Amazon Prime Video, dessen Pilotepisode They Made a Tonic wir uns heute ansehen, beweist.
Die erste Episode der halbdokumentarischen Anthologieserie befasst sich mit dem selben Thema, wie die Premierenfolge des Podcasts, in welchem Aaron Mahnke verschiedene auf wahren Begebenheiten beruhende Gruselgeschichten aus dem reichen historischen Fundus der ScheuĂlichkeiten vortrĂ€gt. Netterweise darf er auch das Voice-Over zur Serie beisteuern, auch wenn es auf manche unfreiwillig komisch wirken könnte, wenn seine eigensinnige Betonung sich der von Christopher Walken annĂ€hert.
Im ersten Segment erfahren wir von einem Vorkommnis aus dem Jahr 1836, bei welchem eine Frau namens Mary Heart lebendig begraben wurde, wie die Exhumierung ihrer Leiche spÀter zutage brachte. Im Stil eines unfreiwillig unheimlichen Kinderbuches wird die ErzÀhlung visuell von ansprechender Animation untermalt und macht den mit Abstand gelungensten Teil Folge aus.

Leider besteht der Löwenanteil der 40-minĂŒtigen Episode aus nachgestellten Szenen eines zweiten (wie wir spĂ€ter erfahren, thematisch verwandten) Falls, in welchem ein Mann namens George Brown (Campbell Scott) im Jahr 1883 ein Familienmitglied nach dem anderen an Tuberkulose verliert und letztlich zu einem wissenschaftlich fragwĂŒrdigen Tinktur greift. Die NacherzĂ€hlung wird immer wieder von Mahnke unterbrochen, um anhand von Archivmaterial zusĂ€tzliche ErklĂ€rungen abzuliefern, wobei man sich stets fragen muss, ob diese authentisch oder ebenfalls nachgestellt sind.
Wie die beiden Geschichten zusammenhĂ€ngen und zu welchem Folklore-Aspekt, auf den heute noch fĂŒr Horrorfilme zurĂŒckgegriffen wird, sie fĂŒhrten, verraten wir hier nicht. Ăber das Live-Action-Segment verraten wir aber, dass es um einiges zu lang geraten ist und mit seinem fragwĂŒrdigen Schauspiel und altbackener Horror-Effekthascherei im Sinne knarzender FensterlĂ€den, Erinnerungen an ein ganz Ă€hnliches Format aus vergangenen Fernsehzeiten aufkommen lĂ€sst...
Fazit
Amazons Lore erinnert in vielerlei Hinsicht an „X-Faktor: Das Unfassbare“ („Beyond Belief“), welches Ende der 90er-Jahre zum Mitraten einlud, als es um vermeintlich ĂŒbernatĂŒrliche FĂ€lle ging, die entweder authentisch oder fiktiv waren. Jene, die das trotz der wackeligen QualitĂ€t der damaligen Mini-Episoden fĂŒr eine unterhaltsame Angelegenheit halten, sollten „Lore“ unbedingt eine Chance geben. Wer die prĂ€sentierten Geschichten zwar im Prinzip spannend findet, sie aber lieber in reinem Dokuformat prĂ€sentiert bekommen hĂ€tte und nicht ĂŒber die nachgestellten Szenen hinwegsehen kann, sollte beim Audioerlebnis des gut recherchierten Podcasts bleiben.
Verfasser: Mario Giglio am Freitag, 13. Oktober 2017Lore 1x01 Trailer
(Lore 1x01)
Schauspieler in der Episode Lore 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?