Looking for Alaska 1x01

© zenenbild von Looking for Alaska: Charlie Plummer und Kristine Froseth als Miles und Alaska... (c) Hulu
Manch einer muss den Namen John Green nur hören und sofort losweinen. Der amerikanische Bestsellerautor gilt spätestens seit „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ (im Original: „The Fault in Our Stars“) als Meister des jugendlichen Herzschmerz. Bereits im Jahr 2005 erschien sein preisgekrönter Debütroman „Eine wie Alaska“, der beim US-Streamingservice Hulu nun zur achtteiligen Miniserie Looking for Alaska adaptiert wurde. Hierzulande gibt es leider noch keinen Heimatsender.
Hinter dem Format steht Josh Schwartz, der zuvor an Serien wie Gossip Girl, Chuck und The OC beteiligt war. Die Regie der Pilotepisode mit dem Titel Famous Last Words übernahm derweil Sarah Adina Smith (Hanna). Die Hauptrollen spielen Charlie Plummer (Boardwalk Empire) und Kristine Froseth (The Society). Er ist als unsicherer Außenseiter mit Vorliebe für die Biografien berühmter Menschen - und besonders ihrer letzten Worte - und sie als sprunghafte Rebellin mit unlöschbarem Lesedurst zu sehen. Gepaart ergeben sie die perfekte Teenie-Melancholie...
Flucht aus dem Labyrinth
Looking for Alaska gibt den Zuschauerinnen und Zuschauern nicht mal eine Sekunde lang die Chance, zu glauben, dass die Geschichte, die sie sich ansehen werden, gut ausgehen wird. Gleich die allererste Szene deutet das tragische Ende aller folgenden Ereignisse an. Besonders fröhlich ist der eigentliche Anfang aber auch nicht. Unseren Protagonisten Miles (Plummer) lernen wir in der denkbar traurigsten Situation überhaupt kennen: seine Abschiedsparty in Orlando, Florida, zu der niemand erschienen ist. Ihn selbst scheint das weitaus weniger zu verletzen als seine fürsorgliche Mutter. Denn er hat sein altes Leben ohnehin schon abgeschlossen und blickt nun leicht hoffnungsvoll auf eine neue Zukunft in Alabama. Genauer gesagt: an der malerischen Culver Creek Academy, einem Eliteinternat mit Sommercamp-Flair.
Hier herrschen strenge Regeln, womit allerdings nicht die des gruseligen Schulleiters Mr. Starnes, perfekt besetzt mit Veep-Star Timothy Simons, gemeint sind, sondern die von Miles' neuen Mitschülern. Die sogenannten „Weekday Warriors“, eine Bande reicher weißer Bengel, denen immer alles in den Schoß gelegt wurde und die daher glauben, dass ihnen die Welt - oder wenigstens fürs Erste die Culver Creek - gehört, regieren mit Angst und Schrecken. Kein Wunder also, dass sich der Neuling schnell an die Fersen desjenigen heftet, der sie nicht zu fürchten scheint: sein neuer Zimmergenosse Chip (Denny Love), der zwar klein ist, aber durchaus seinen Mann stehen kann. Man nennt ihn daher auch „The Colonel“. Und auch Miles hat schnell einen Spitznamen: „Pudge“ (zu Deutsch: „Fettklops“ - was ironisch ist, weil er so ein halbes Hemd ist).

Dass Looking for Alaska eine Serie ist, die nicht unbedingt mit einer wendungsreichen Story, aber dafür umso mehr mit ihren eigenwilligen und einzigartigen Figuren überzeugen will, dürfte inzwischen also deutlich sein. Am besten ist jedoch die Charakterisierung der titelgebenden Alaska (Froseth) gelungen. Sie ist genau das Mädchen, in das sich ein Junge wie Miles einfach verlieben muss: mutig, klug, witzig, wunderschön und unberechenbar. Nur jemand wie sie kann sein tristes Leben plötzlich auf den Kopf stellen und gleichzeitig ist mit ihr auch schon sein Untergang vorprogrammiert. Seine Liebe wird so stark sein, dass er selbst dadurch zugrunde gehen wird. Alaska fände diese Art der Beschreibung ihrer selbst vermutlich sexistisch, womit sie in gewisser Weise Recht hätte. Das Problem ist nur: Zu Beginn wissen wir tatsächlich nicht viel mehr über sie als selbstständige Person. Wir sehen sie nur durch seine verliebten Augen.
All das von Anfang an zu ahnen, macht die Serie aber keinesfalls langweilig oder gar überflüssig. Im Gegenteil: Es verleiht selbst den unschuldigen, leichten Momenten zwischen Miles und Alaska eine gewisse Schwere, die einen gravitativ anzuziehen scheint. Und irgendwie bekommt man selbst Liebeskummer, wenn man die beiden sieht. Übertüncht wird dieser Schmerz durch poetische Konversationen und großartige Musikeinsätze. Obwohl auch der Drehort mitten in der Natur dem Ganzen einen Hauch von Wahrhaftigkeit verleiht. Scheinbar ist man sogar geneigt, Wörter wie „Wahrhaftigkeit“ zu verwenden, nachdem man eine Stunde lang in diese Welt abgetaucht ist...
Fazit
Fans von John Green können völlig sorgenfrei einen Blick in die Hulu-Miniserie Looking for Alaska werfen. Zwar scheut sich der Showrunner Josh Schwartz nicht davor, von der Buchvorlage abzuweichen, doch er scheint die Essenz des Werkes verstanden zu haben, so dass seine Änderungen die Geschichte sogar bereichern. Sehenswert ist das Ganze ohnehin schon aufgrund der perfekt gewählten Hauptdarsteller Charlie Plummer und Kristine Froseth. Soll heißen: Auch Menschen, die nicht mit dem Stoff vertraut sind, können einschalten und vielleicht sich selbst in einer bestimmten Lebensphase wiedererkennen.
Belohnt werden die Zuschauerinnen und Zuschauer wie gesagt mit wunderbar gezeichneten Charakteren, tollen Bildern, guter Musik und sogar ein paar philosophischen Gedanken, die für eine Teenieserie durchaus deep sind. Am ehesten drängt sich noch der Vergleich mit dem britischen Jugenddrama The End of the F***ing World auf, welches bei den Zuschauerinnen und Zuschauern überaus gut ankam. Wobei Looking for Alaska wahrscheinlich ein wenig konventioneller ist, was die leicht klischeebeladene soziale Hackordnung im Highschool-Umfeld angeht.
Hier abschließend der offizielle Trailer zur Hulu-Serie Looking for Alaska:
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Verfasser: Bjarne Bock am Montag, 21. Oktober 2019Looking for Alaska 1x01 Trailer
(Looking for Alaska 1x01)
Schauspieler in der Episode Looking for Alaska 1x01
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