Longmire 1x08

Die verfolgte junge Frau, die sich nicht deutlich ausdrückt, was ihre Peiniger angeht, und wieder fortrennt als der Tankwart Hilfe rufen will. Es ist ein starker Einstieg, den die Episode An Incredibly Beautiful Thing anbietet. Es wirkt ein bisschen wie eine Interpretation dessen, was im Jahr 2010 in Oak Beach, New York, geschehen ist. Shannan Gilbert, die junge Prostituierte, die morgens zu einem Haus stürmt, um Hilfe fleht und für immer verschwindet, als der Mann die Polizei rufen will. Ihr Verschwinden hatte eine Suche ausgelöst, die mehrere abgelegte Leichen zu Tage förderte und seitdem sucht die Polizei nach dem oder den Tätern, die von der Presse als Long Island Serial Killer geführt werden.
Natürlich lässt Walt (Robert Taylor) sich keine zwei Jahre Zeit, er ist deutlich schneller und natürlich erfolgreich bei der Suche nach dem Mörder. Diese Longmire-Episode führt ins Milieu eines Kults, der von den Bewohnern unbemerkt vor sich hinlebt und nun auch mordet. Ein Mann, der ordentlich geerbt hat, mit zwölf jungen Frauen, die er nach den Kalendermonaten benennt, in einem einsam gelegenen Haus lebt und ein Kind zeugt, das für die Mitglieder von großer Wichtigkeit zu sein scheint. Es wäre vielleicht auch weniger klischeehaft gegangen, aber das ist ein Auge, das man bei der Serie „Longmire“ oft zudrücken muss.
An vielen Stellen regt einen die Serie gar zum Nachdenken an: Ist es noch Klischee, dass Henry (Lou Diamond Phillips) als Ureinwohner natürlich ein Meister des Spurenlesens ist, während Ferg (Adam Bartley) als leicht übergewichtiger Tollpatsch natürlich ein aufregendes Hobby wie Mineralien und Steine sammeln vorweisen kann? Ist es vielleicht leise Parodie? Oder einfach nur zu nah an der Realität, um verändert zu werden?
Ungereimheiten
Walt löst seine Fälle mit einer gehörigen Portion Intuition, beinah kann man sagen, dass ihn regelrechte Epiphanien überkommen und er die Lösung erkennt. So ist es auch in diesem Fall wieder ein bisschen. Er liest den Aufenthaltsort aus dem Gerede des Gurus Leland Townes (John Pyper-Ferguson, Brothers & Sisters) auf seinem Rücksitz heraus, aber er tut es wieder auf eine sehr geheimnisvolle Art. Er ist wieder ein bisschen sehr der strahlende Held, als er die betäubten Frauen von den Schienen zerrt und auch im Angesicht der Zuglichter ruhig um das Leben von Evelyn (Abbie Cobb, Suburgatory, 90210) kämpft.
Dem vorher geht eine Reihe von Unglaubwürdigkeiten oder Fehlern, die sich aufgrund der Menge nur schwer übersehen lassen. Wieso lassen sie die Mitarbeiterin des Jugendamts ohne jeden polizeilichen Schutz gehen, wo sie doch schon davon ausgehen, dass Evelyn das Kind vor jemandem schützen musste? Und dass dieser jemand seit Stunden mit Vic (Katee Sackhoff) in Augenkontakt steht, ist eine weitaus offensichtlichere Schlussfolgerung als die, die Walt gewöhnlich zieht.
Mittlerweile wird es auch zur Regel, dass Walt, einmal am Tatort angekommen, diesen erst einmal gründlich zerstört. Welchen Grund hat es, dass er die vor dem Opfer gestapelten Reifen fortwirft, außer dem Grund, dass auch der Zuschauer einen guten Blick auf den Toten werfen kann?
Wieso hat Evelyn das Baby überhaupt in der Nähe der Tankstelle untergebracht? Wieso hat sie es nicht mit sich genommen? Hat sie es etwa sogar in einem dem Kult bekannten Versteck untergebracht? Wie sonst konnte October (Sonja Kinski, Tochter von Nastassja und Enkeltochter von Klaus Kinski) das Baby finden, nachdem Ferg alle Steine, die die Fährte bilden, schon aufgehoben hatte? Wieso nimmt Tankwart Ellis (Mike Miller) den Zettel mit, auf dem er das Kennzeichen notiert hat, wenn er hinter der jungen Frau hereilt. Wenn er hätte weiterschreiben wollen, hätte er dann nicht besser den ganzen Block mitgenommen?
Viele dieser Ausgangslagen münden in wichtige Situationen, wichtig für den Fortgang des Falles, dem Spannungsbogen, oder auch für einen anderen Erzählstrang. Oft ist es einfach nicht die eleganteste Lösung. Manchmal aber auch weniger auffällig und störend. Die Sozialarbeiterin zum Beispiel muss alleine mit dem Kind gehen, da nur so Cady (Cassidy Freeman) durch Branch (Bailey Chase) gerettet werden kann.
Erinnerungsbruchstücke
Eine Spezialität der Serie scheint es zu sein, Storylines durch nebensächliche Erwähnungen am Leben zu halten. Wir werden auf überflüssige Weise daran erinnert, dass Vics Ehemann nicht mit Walt klarkommt und offenbar eifersüchtig auf ihn ist. Ein bisschen motivierter und besser in die Handlung eingebunden scheint da der Angriff auf Cady und Branchs Eingreifen schon.
Doch generell bleiben diese Nebenstränge sehr blass und entwickeln sich nur langsam und oberflächlich. Dass Branch an Cady hängt, wissen wir schon. Neues in dieser Hinsicht bringt die Episode An Incredibly Beautiful Thing auch nicht.
Dafür aber einen Denver-Rückblick, der diesmal Henry ereilt, und nicht Walt. Das Geheimnis wird durch diese Erinnerungsanfälle jedoch nicht wirklich ausgeleuchtet, es bleibt nach wie vor vieles im Dunkeln. Schön ist, dass der Rückblick in dieser Episode durch einen Zusammenhang zum Geschehen ausgelöst wurde und nicht so willkürlich wirkt wie die vorhergegangenen.
Wirklich spannend und mit Ferg auch amüsant ist die Spurensuche von Henry. Schade, dass es sich dabei größtenteils um eine tote Spur handelt. Aber es bleibt Hoffnung, dass Henry in Zukunft häufiger in die Ermittlungen eingebunden wird. Langsam entwickelt sich das Team. Ferg kommt neben Vic und Branch auch immer häufiger Gelegenheit, zu scheinen.
Wieso nur
Warum ignoriert Walt den anderen Sheriff, als er in sein Gebiet eindringt? Hätte das jemand in Absaroka County gewagt, dann wäre er sicher nicht so locker geblieben. Sheriff Wilkins (Tom Wopat, „Cybill“, „Ein Duke kommt selten allein“) zeigt sich als verständnisvoller Mann und später auch als guter Mitstreiter Longmires. Auch wenn das Unternehmen Newett Energy and Exploration Sheriff Wilkins unterstützt, wirkt dieser nicht wie jemand, der sich Walt in den Weg gestellt hätte, wenn dieser ernstzunehmende Beweise ins Feld geführt hätte.
Den moralisch richtig gepolten Sheriff eines anderes Countys zu übergehen, sieht Walt sieht gar nicht ähnlich, da er doch so oft schon auf seine gute Zusammenarbeit mit anderen bauen konnte. Zumindest mit denen, die mit ihm auf einer Wellenlänge liegen und das tut Sheriff Jim Wilkins durchaus, wie sich später zeigt.
Fazit
Am auffälligsten: Gute Gastdarsteller ergänzen das gewöhnlich schon sehr starke Stamm-Cast. Die Kritikpunkte an der Serie Longmire haben sich kaum verändert seit der Pilotepisode, aber auch die starken Seiten nicht: Die Atmosphäre und der Blick in das ländliche Amerika sind immer noch ein guter Grund, dabei zu sein, wenn Longmire ermittelt.
Verfasser: Serienjunkies.de am Dienstag, 31. Juli 2012(Longmire 1x08)
Schauspieler in der Episode Longmire 1x08
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?