Loki 2x06

Loki 2x06

Mit der Episode „Glorreiches Ansinnen“ aka „Glorious Purpose“ endet die zweite Staffel der Marvel-Serie „Loki“. Gibt es eine Lösung für die Zerstörung der Zeitstrahlen? Wie kann Loki seine neuen Kräfte einsetzen?

Szenenfoto aus der Episode „Glorreiches Ansinnen“ der Serie „Loki“
Szenenfoto aus der Episode „Glorreiches Ansinnen“ der Serie „Loki“
© Disney+

Die zweite Staffel der Marvel-Serie Loki hat es den Zuschauern nicht immer einfach gemacht der Handlung zu folgen. Viel Herumgespringe in der Zeit, einige Vokabeln, die für die Figuren Sinn ergeben, aber 08/15-Zuschauern vielleicht zu hoch sind und Konzepte, die nicht unbedingt immer greifbar sind. Dennoch haben die Autoren im Endeffekt einen guten Job gemacht, das alles bis zum Staffel-Finale Glorious Purpose auf die Spitze zu treiben.

Loki (Tom Hiddleston) hat zuvor eine neue Fähigkeit gemeistert und kann nun willentlich zurück in der Zeit springen, Momente wieder und wieder durchleben und somit quasi die Geschichte neu schreiben. Einige nennen diese Entwicklung bereits den Wandel zum „God of Stories“, einer Story-Line aus den Comics, die ein neues Kapitel in seinem Werdegang darstellte. Wobei wahrscheinlich erst das, was Loki am Ende der Folge tut, wahrlich dazu führen dürfte...

Täglich grüßt der Temporal Loom?

Tom Hiddleston auf einem Szenenfoto aus der „Loki“-Episode „Glorreiches Ansinnen“
Tom Hiddleston auf einem Szenenfoto aus der „Loki“-Episode „Glorreiches Ansinnen“ - © Disney+

Loki bringt sich also zurück zum Moment der verheerenden Temporal-Loom-Explosion, bei der Victor Timely (Jonathan Majors) immer und immer wieder scheitert und alles in die Binsen geht. Loki tut das Naheliegende und fragt O. B. (Ke Huy Quan), was man anders tun könnte. Die einfache Antwort: Man hat zu lange für alles gebraucht, also kürzt Loki vielfach den Prozess ab, wendet das Gelernte an und hofft auf einen besseren Ausgang. Irgendwann merkt auch Mobius (Owen Wilson) das merkwürdige Verhalten seines Kumpels. Es wird nichts Unversucht gelassen, auch die schurkische Miss Minutes (Tara Strong) wird mindestens einmal befragt.

Loki geht noch weiter zurück als zuvor, nämlich zum Kennenlernen von Victor und Ouroboros und muss irgendwann einsehen, dass der Prozess ganz schön viel Zeit erfordert, damit er, trotz seiner Sonderstatus als Gott, alles verinnerlicht und verstanden hat. Wie in anderen Zeitschleifen-Stoffen hat Loki prinzipiell alle Zeit der Welt und so kommt es, dass nicht nur Jahrzehnte, sondern tatsächlich Jahrhunderte vergehen, ehe ein Fortschritt erzielt wird.

Be brave, you are being so brave...

Die manische Energie, mit der Hiddleston diesmal Loki aufladen kann, ist an sich schon ein ziemlicher Vibe und recht unterhaltsam. Es ist vollkommen verständlich, dass er Prozesse, die er mehrere hundert Mal schon gesehen hat, abkürzen und verschlanken will, dafür bringt er aber auch göttliche Geduld und Beharrlichkeit mit und das zeigt eindringlich den Wandel der Figur, die einst selbst über alle neun Reiche herrschen wollte, aber inzwischen das Wohl aller Lebewesen im Hinterkopf hat.

Die Autoren geben einen Schnelldurchlauf von allem, was man so in der zweiten Staffel etabliert hat, so dass bereits Probiertes übersprungen werden kann, dennoch ist die Fehlerquelle nicht unmittelbar ersichtlich. Loki glaubt, dass es daran liegen könnte, dass Victor den Multiplier auf den Boden legt, weshalb er wegrollen kann. Tatsächlich gelingt der Prozess irgendwann auch und Victor löst sich nicht in menschliche Spaghetti-Steifen auf.

Es sieht aus, als würde sich der Loom stabilisieren, doch - wie sollte es auch anders sein - man hat sich zu früh gefreut und viel von Lokis Mühen scheinen umsonst gewesen zu sein. Niemand, besonders O. B. nicht, hat damit gerechnet, dass die Zweige sich auf einer unendlichen Rate vermehren würden, was wiederum den Webstuhl überlastet. Es ist ein mathematisches Problem, so zumindest Victors Gedanke dazu. Alle müssen einsehen, dass das wohl der einzige Ausgang für dieses Szenario ist und so muss Loki einen anderen Ansatz wählen.

He Who Remains als Auslöser für das Chaos?

He Who Remains und Loki auf einem Szenenfoto aus der „Loki“-Episode „Glorreiches Ansinnen“
He Who Remains und Loki auf einem Szenenfoto aus der „Loki“-Episode „Glorreiches Ansinnen“ - © Disney+

Entsprechend probiert es Loki bei dem Moment, als Sylvie (Sophia Di Martino) sich dazu entschließt, He Who Remains (aka Jener Der Bleibt) umzubringen. Auch hier scheitert er oftmals daran sie aufzuhalten, hört ein „See you soon“ von der Kang-Variante und ahnt, dass der Mord an Sylvie hier womöglich die einzige Option ist, die er nicht in Betracht ziehen möchte. Allerdings geht er irgendwann noch etwas weiter zurück und fragt HWR selbst, warum er eigentlich nie einschreitet.

Man könnte meinen, dass es das erste Mal ist, dass er auf diese Idee kommt, aber Loki ist gewitzter. Und hört aus dessen Mund, dass er womöglich über die meisten seiner Probleme Bescheid weiß, darunter natürlich das „Time Slipping“. Höhnisch meint He Who Remains, dass Loki sicherlich in einigen 1000 weiteren Versuchen irgendwann auf eine Lösung kommen könnte und dann könne man wieder reden.

Doch Loki hatte diese Unterhaltung schon einige Male. Er kann nämlich inzwischen die Umgebung um sich herum zeitlich anhalten. HWR dementiert das scaling problem, von dem Victor Timely ausgeht, und gibt stattdessen zu bedenken, dass der Temporal Loom ein Notfallsystem ist. Es löscht alle Zeitstrahlen, die nicht da sein sollen, außer die Sacred Timeline.

Die TVA selbst ist einfach neu aufzubauen. HWR warnt vor einem Krieg, wenn man diesen Zustand ändert, und vor seinen Varianten, die ohnehin schon unterwegs seien. Loki will dennoch alles tun, um sie aufzuhalten. Lokis Idee ist, dass er die Gleichung ändern wird. Doch die Möglichkeit des temporalen Kriegs schüchtert ihn ein, denn solange He Who Remains auf dem Thron am Ende der Zeit sitzt, gibt es so etwas wie Frieden, so zumindest die Behauptung. HWR stellt Loki auf die Probe und der Zeitspringer soll eine harte Entscheidung treffen. Wenn er Sylvie töten würde, könnte man gemeinsam alles beschützen. Oder gibt es eine weitere Option?

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Glorreiches Ansinnen

Loki beschließt, zu seiner Ankunft in der TVA zu springen, in der ihn in der ersten Staffel Mobius empfangen und verhört hatte. Auch hier kürzt er ab und versorgt Mobius mit den Informationen, die dieser braucht, um zu verstehen, dass er das Prozedere kennt (beispielsweise das Vorspielen von Szenen aus seinem früheren Leben). Loki ist stattdessen darin interessiert, wie man bestimmt, wer lebt und stirbt.

Dabei fällt Mobius eine Geschichte von einer Jägerin ein, die gezögert hatte, als es darum ging, 5000 Menschen zu retten, weil ein achtjähriger Junge dafür (indirekt) verantwortlich zeichnete. Für Mobius geht es wohl immer um das große Ganze, was man nie aus den Augen verlieren sollte... Insgesamt geht es mehr um Bürde als Ruhm. Man muss also wohl manchmal selbst zurückstecken und etwas opfern, damit die Allgemeinheit davon etwas hat.

Dies bringt ihn zurück zum Moment aus dem Ende der fünften Folge und zu Sylvie. Die er dann wiederum an einen Moment außerhalb der Zeit bringt, um zu erklären, was ihm widerfahren ist. Alle seine Versuche, die darauf hinauslaufen, dass Sylvie nicht He Who Remains umbringt oder Loki nun wiederum Sylvie umbringen müsste. Doch gibt es wirklich nur die Option der Sacred Timeline oder gar nichts? Sylvie meint, Loki wäre dann derjenige, der den freien Willen als Option eliminiert. Doch er kontert damit, was freier Willen nutzt, wenn ohnehin alle tot sind... Im Endeffekt würde das nur einen Albtraum mit einem anderen ersetzen. Sylvie ist in Weltuntergangsszenarien groß geworden und weiß, was das bedeutet. Doch, solange es Hoffnung gibt, etwas Schlechtes mit etwas Besserem zu ersetzen, sollte man es probieren.

God of Stories und der Weltenbaum

Der Weltenbaum auf einem Szenenfoto aus der „Loki“-Episode „Glorreiches Ansinnen“
Der Weltenbaum auf einem Szenenfoto aus der „Loki“-Episode „Glorreiches Ansinnen“ - © Disney+

Sylvies Worte bringen Loki offenbar auf die Idee. Es geht für ihn zurück zum Moment der Explosion und einer Variante, die man offenbar erst probieren konnte, nachdem Loki die jahrhundertelange Erfahrung und neuen Kräfte verinnerlicht hatte. Statt Victor Timely geht Loki auf die Strahlung zu und sein göttliches Antlitz kommt zum Vorschein. Magisch zerstört er den bisherigen Loom, der als Webstuhl dargestellt wurde und ersetzt ihn mit dem nordischen Weltenbaum Yggdrasil.

Zwar sterben einige Zweige, doch Lokis Magie ermöglicht einen Neuanfang nach seiner Vorstellung und so nimmt er den Platz auf dem Thron ein statt He Who Remains oder Kang oder einer seiner Varianten. Ob das eine dauerhafte Lösung ist, wird sich zeigen müssen... Loki hatte viel Zeit, um über die Optionen nachzudenken und diejenigen auszusieben, die Ärger anrichten, was man zumindest in Andeutungen auch im Epilog der Folge sieht.

Ein neuer Loki auf einem Szenenfoto aus der „Loki“-Episode „Glorreiches Ansinnen“
Ein neuer Loki auf einem Szenenfoto aus der „Loki“-Episode „Glorreiches Ansinnen“ - © Disney+

Die TVA-Kollegen behalten ihre Erinnerungen, wobei Miss Minutes wieder online gehen darf, was natürlich auch hinterfragt wird... Alle werkeln in einem Großraumbüro und offenbar wissen die Kang-Varianten nichts von der Existenz der TVA. Als eine Art blinder Fleck wäre man also die erste und beste Verteidigungslinie gegen eine Varianten-Invasion. Zumindest in der Theorie. Loki dürfte inzwischen unfassbar mächtig sein, wenn auch einsam, wobei es an ihm liegt, die Äste des Baumes zu stutzen und wachsen zu lassen.

Mobius darf und kann die TVA derweil verlassen und schaut sich sein früheres Leben an und auch Sylvie bleibt die Option des freien Willens und sich überall niederzulassen, wo sie will. Nur Loki muss eben verzichten - und tut so vielleicht auch Buße für frühere Schandtaten.

Im War Room bespricht sich die TVA-Spitze. Es geht wohl um die weitere Vorgehensweise rund um das Beschützen des Multiversums. Es gibt eine zweite Edition des TVA-Guidebooks von O. B., dessen Figur offenbar auch keinen großen Twist nötig hatte, sondern die immer noch der kauzige Forscher ist.

Der junge Victor Timely kommt derweil nicht mit dem Wissen aus dem Guidebook in Berührung und Ravonna Renslayer (Gugu Mbatha-Raw) landet in einem Moment mit lila gefärbtem Himmel in der Nähe von Pyramiden und womöglich TVA-Ruinen, wie die Bodenplatte zeigt. Insgesamt eine Situation, die den Zuschauern in der ersten Staffel noch als apokalyptischer Moment (Stichwort Alioth) gezeigt wurde. Allerdings gibt es daraus meist ein Herauskommen, also muss man noch längst nicht das Letzte von ihr gesehen haben...

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Fazit

Der Wandel von Loki vom Gott des Schabernacks zum Gott der Geschichten wurde in der Staffel konsequent aufgebaut, denn spätestens nach Science/Fiction, in welcher durch literarische Konzepte zum Beispiel mit dem Umschreiben der Geschichte hantiert wurde, gibt es eine eindeutige Veränderung seines Figurenstatus, der durch das Verstreichen der Zeit nun untermauert wurde. Die Asen wurden einst als wissenschaftlich fortgeschrittene Wesen eingeführt, nun wird zumindest Loki selbst zum Chronisten und Schöpfer. Er übernimmt eine Wächterposition, die einen Wissensvorsprung haben sollte, viel Verantwortung besitzt, aber dennoch überrumpelt werden könnte, wenn andere Wesen mit Zeitkontrolle/Zeitmaschinen auftauchen sollten, um ihn herauszufordern.

Die Zeitschleifenkomponente der Finalfolge hat mir vorzüglich gefallen und die Performance von Hiddleston muss hier gelobt werden. Trotzdem glaube ich, dass die Erzählung im Verlauf dieser Staffel nicht immer zuschauerfreundlich und manchmal einfach auch zu verkopft war. Ebenso wurden erst spät die emotionalen Ziele der Figuren artikuliert, so dass vielleicht einige Zuschauer auf dem Weg verloren gegangen sein könnten. Die Handlung bringt Loki jedenfalls in eine Schlüsselposition für das große MCU-Ganze und je nachdem, wie Kevin Feige und Co weitermachen wollen, zu einer Figur, mit der zu rechnen sein muss... Viereinhalb von fünf Zeitschleifen.

Verfasser: Adam Arndt am Freitag, 10. November 2023
Episode
Staffel 2, Episode 6
(Loki 2x06)
Deutscher Titel der Episode
Glorreiches Ansinnen
Titel der Episode im Original
Glorious Purpose
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 9. November 2023 (Disney+)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 10. November 2023
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Freitag, 10. November 2023
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 10. November 2023
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 10. November 2023
Autoren
Eric Martin, Michael Waldron, Eric Martin, Michael Waldron
Regisseure
Justin Benson, Aaron Moorhead

Schauspieler in der Episode Loki 2x06

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