Loki 1x04

© zenenfoto aus der Episode The Nexus Event der Serie Loki (c) Disney+/Marvel Studios
Spätestens seit der Einführung von Sylvie (Sophia Di Martino) in einer tragenden Rolle ist die Time Variance Authority aus der Serie Loki und ihre Vertrauenswürdigkeit immer mehr am Bröckeln. Schien es kurzzeitig so, als würde die TVA nur das Beste für den einzig wahren Zeitstrahl wollen, muss man das inzwischen doch sehr anzweifeln. Alle Autoritätspersonen sind skeptisch zu beäugen.
In einem Flashback zu Beginn der vierten Episode The Nexus Event in Sylvies Jugend, dort gespielt von Cailey Fleming (aka Judith Grimes aus The Walking Dead), sehen wir, dass sie schon in jungen Jahren und völlig unvermittelt von der TVA heimgesucht und verhaftet wurde. Und das fast schon wie bei Minority Report für ein Verbrechen, was sie noch gar nicht begangen hat, oder weil sie eine spätere Diktatorin darstellt, die man als Kleinkind unschädlich macht - worüber man wahrscheinlich endlos diskutieren könnte... So ganz kompetent war die TVA allerdings offenbar nie so wirklich, denn die junge Sylvie setzt sich kurz vor ihrem Prozess gegen die damalige Agentin Ravonna Renslayer (Gugu Mbatha-Raw) zur Wehr, klaut ihr TemPad und ist seitdem wohl auf der Flucht. Eine Vertriebene, die Verbrechen beschuldigt wird, die sie vielleicht nie begangen hat oder eine Art selbsterfüllende Prophezeiung, die erst durch das Eingreifen der TVA das tut, was sie dann tut. Faszinierend. Ravonna besucht in der Gegenwart derweil offenbar die Time Keepers...
Was ist mit C-20?
Mobius (Owen Wilson) würde gerne mehr von der zurückgekehrten und traumatisieren C-20 (Sasha Lane) erfahren. Doch Ravonna behauptet, dass sie nach der Begegnung mit Sylvie verstorben sei. Sie warnt weiter vor den Gefahren durch die Variants, spart aber Details zu ihrer Agentin aus, was MMM stutzig zu machen scheint.
Apocalypse Soon-ish
Loki (Tom Hiddleston) und Sylvie sitzen weiterhin auf Lamentis 1 fest, wo bald Schicht im Schacht sein dürfte. Es ist vielleicht etwas redundant, dass Sylvie hier noch einmal erzählt, was wir schon im Flashback gesehen haben, allerdings bestätigt es quasi auch, dass es keine Manipulation war, wie manch einer vermuten könnte. Zumal Loki selbst auch noch genauer Bescheid erfahren muss... Sylvies Geschichte hat einen tragischen Touch, denn nur, weil sie zufällig eine weibliche Loki war, entscheidet sich die TVA dafür, sie einzusperren und zu löschen? Denn ein konkretes Verbrechen wirft man ihr bislang nicht vor. Statt in Asgard musste sie sich also in Weltuntergängen verstecken, um zu überleben. Man versteht ihren Frust sehr gut, als Spielball einer mächtigen Organisation.
Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt

Nach dem Spektakel der dritten Folge wirkt die vierte anfangs fast ein bisschen wie das Denouement oder einfach die gute alte Bremse, in der die Figuren vor einem Backdrop sitzen und sich etwas erzählen. Nein, es war nicht Sylvie, die Loki „verzaubert“ hat, um ihn um den Finger zu wickeln. Nein, der Planet ist nicht mit ihnen untergegangen. Wie vermutet sind es aber Mobius und die TVA, die sie finden wegen des Vorwissens, das der Agent durch seine Arbeit mit Loki angesammelt hat, um Sylvies Aufenthaltsort zu finden. Die Schreiberlinge der Folge steuern volle Kanne auf eine mögliche Romanze zwischen Loki und Sylvie zu, was man durchaus nachvollziehen kann. Eine Bindung ist spürbar - auch wenn es vielleicht auf den ersten Blick merkwürdig ist, sich in sich selbst zu verlieben, passt es doch zum Narzissten Loki, so etwas zu tun. Wenn nun mal sein Seelenverwandter eine Version seiner selbst ist, warum nicht mal probieren, wenn alles andere bisher nicht so sehr Früchte getragen hat?
Achtung, (milde) Spoiler zu WandaVision und The Falcon and the Winter Soldier im folgenden Absatz!
Was Marvel in letzter Zeit und in der - nennen wir es - Disney+-Ära zu lieben scheint, ist das bait and switch rund um Schurken. Da wird zunächst jemand als Schurke präsentiert - Wanda, Karli und Sylvie -, nur um dann Agnes, Walker, Hayword, den Power Broker oder die TVA als wahren Drahtzieher zu offenbaren. Wobei es sicherlich nicht immer ganz klar schwarz und weiß ist. Das hat man so natürlich auch in den MCU-Filmen gemacht, „Iron Man 3“ oder „Captain Marvel“ sind Beispiele, die mir spontan einfallen. Man muss hier etwas aufpassen, dass das die Zuschauer nicht auf Dauer langweilt oder sie es gar erwarten, dass es immer so geschieht. Allerdings sind hier auch noch zwei Folgen offen, in denen noch so manches passieren kann. Zumal man bei Loki selbst nie abschätzen kann, was er so vorhat.
The TVA is lying to you

Die beiden Loki-Varianten werden also eingebuchtet und voneinander getrennt. Mobius lässt nicht locker und will mit ihnen sprechen. Seine Vorgesetzte erlaubt allerdings keinen Kontakt mit Sylvie (wahrscheinlich, weil sie genau weiß, was sie damals getan hat). Es ist von der TVA ein wenig töricht zu glauben, dass man die Wahrheit kontrollieren kann, wenn so viele Zweifel schon ausgesät wurden.
Loki wird in eine Zelle mit Time Loop gesteckt, in der Gastcharakter Sif (Jaimie Alexander) vorbeischaut und ihn immer wieder für einen Haarschneide-Prank zur Rechenschaft zieht. Alexander muss neues Material gedreht haben, denn es gibt immer wieder Reaktionen und leichte Abwandlungen ihres eigentlich immer gleichen Textes. Es ist aber nett, sie wiederzusehen. Sie ist nun eine der wenigen MCU-Figuren, neben Phil Coulson (Clark Gregg), Maria Hill (Cobie Smulders) und Nick Fury (Samuel L. Jackson), die in den Filmen und Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. mitwirkte und sie ist die Erste, die zusätzlich noch bei Disney+ den Hattrick schafft. Loki muss wieder Qualen leiden, damit er seine Lektion der Demut lernen kann und er schafft es irgendwann, dass Mobius Gnade walten lässt, weil er seiner Vermutung folgt und seine Chefin hinterfragt.
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You Are Alone and You Always Will Be

Mobius ist nicht der einzige Zweifler in den Reihen der TVA, denn auch Hunter B-15 (Wunmi Mosaku) lauscht und glaubt, dass die Machthaber etwas im Schilde führen. Denn nach ihrer Erfahrung im Jahr 2077 flammen alte Erinnerungen wieder auf.
Mobius und Loki lügen sich zunächst taktisch etwas vor. Loki etwa, dass er der Drahtzieher ist und keine Gefühle für Sylvie hat, während Mobius blufft und meint, dass man sie bereits kaltgemacht habe. Beide ahnen wohl, dass der jeweils andere einem einen Bären aufzubinden versucht, wobei Lokis Methoden für MMM durchschaubar sind und er inzwischen auch gut darin ist, die Wahrheit zu erkennen. Loki kann ihm mitteilen, dass alle Agenten selbst Variants sind, die einst ein anderes Leben hatten und nicht von der TVA geschaffen wurden. Als die beiden ihre Freundschaft zelebrieren wollen, interveniert Ravonna, die begriffen hat, dass Mobius ihr TemPad entwendet hat, als er nach dem Drink aus ihrem Büro gegangen war. Er wird mit dem Stock pulverisiert, aber offenbar ist das noch nicht das Ende, wenn das passiert...
B-15 arbeitet derweil mit Sylvie zusammen, die ihr nun zeigt, was sie vermutet hat. Sicherlich völlig absichtlich erinnert der kurze Trip zurück ins regnerische Jahr 2077 zu RoxxCart an „Blade Runner“ und die Replikanten-Offenbarung rund um Rutger Hauer („All those moments will be lost in time, like tears in rain. Time to die.“), denn Hunter B-15 erfährt hier ebenfalls, dass ihr Leben eine einzige Lüge war. Sylvie kann nämlich offenbar keine neuen Erinnerungen schaffen, sondern nur das, was da ist, etwas manipulieren oder ans Licht bringen. Witzig finde ich auch die Tatsache, wie oldschool die Videotechnologie des TemPad ist, die fast an die alte Game-Boy-Kamera aus den 90ern erinnert, was ihren monochromen Filter angeht. Mobius' Traum vom Jetski bleibt ihm (vorerst) verwehrt, während Loki und Sylvie von Ravonna im güldenen Aufzug zu den Time Keepers gebracht werden. Die kann oder will sich übrigens nicht an das Nexus Event erinnern, das Sylvie verursacht haben soll...
Man könnte kurz meinen, dass wir es nicht mit einer „Zauberer von Oz“-Situation zu tun haben - „Pay no attention to that man behind the curtain!“ -, womit auch bei Lost gerne gespielt wurde. Denn die drei Time Keeper sprechen mit den Variants, allerdings bleibt die Security miserabel und so befreien sich die beiden (mit einem Assist von B-15) und liefern sich einen Kampf mit den TVA-Agenten, den sie einigermaßen für sich entscheiden. Sylvie kann einen Time Keeper köpfen, der aber nur ein Mech/Roboter/eine elektrische Puppe ist. Bleibt also weiterhin die Frage: Wer hat die TVA geschaffen? Während Sylvie verzweifelt, zeigt Loki seine Gefühle oder möchte es zumindest, denn auch er spürt den TVA-Stab am eigenen Leib, den RR einsetzt. Bald hat Sylvie jedoch wieder die Oberhand und verlangt endlich Antworten.
Into the Loki-Verse!
Doch keine Angst - nicht, dass jemand welche hätte, wenn noch zwei Episoden ausstehen und man erst in der Folge zuvor eine Todesgefahr als Episodenende hatte -, es gibt eine Szene nach dem ersten Abspann-Teil. Wie ich bereits im Podcast und dem Pilot-Review vermutet hatte, bleiben Sylvie und Loki bei weitem nicht die einzigen Götter des Schabernacks. Vielmehr sehen wir wohl bald den Ort, zu dem Stab-Opfer gelangen. Dort warten schon ein Schwarzer Loki-Thor (?!?), Kid Loki und Old Man Loki (Richard E. Grant) auf unseren Loki Laufeyson und möchten ihm vor seinem möglichen Tod beschützen.

Fazit
Rein informationstechnisch werden in The Nexus Event viele Vermutungen und Spekulationen bestätigt oder entkräftet. Das Bild und die Frage, wohin die Reise geht, werden nun klarer. Natürlich kann und wird dabei nicht jede Theorie zutreffen, ich bin aber erstaunt, wie viel von dem, was man anhand der Trailer erfahren hat und was man von manchen Comics wusste, sich nun doch bewahrheitet hat. Die vierte Folge ist in meinen Augen zumindest von der Inszenierung her deutlich unspektakulärer, aber sie nimmt uns doch im Eiltempo mit in Richtung baldiger Showdown mit einem kleinen Schlenker in Richtung Loki-Verse, auf den ich mich wahnsinnig freue (offen ist ja beispielsweise auch noch das Präsident-Loki-Bild, was man aus den Vorschauen kannte).
Ich habe weiterhin meinen Spaß an der Serie und den Darbietungen der Beteiligten, wobei manche Twists vielleicht schon zu vorhersehbar waren. Zeit für Überraschungen bleibt dennoch reichlich übrig und irgendein Nexus Event wird sicherlich zum kommenden Chaos in „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“ beitragen.
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Loki: Englischer Mid-Season Sneak Peak
Hier abschließend noch der Midseason-Sneak Peek zur Serie „Loki“:
Verfasser: Adam Arndt am Mittwoch, 30. Juni 2021Loki 1x04 Trailer
(Loki 1x04)
Schauspieler in der Episode Loki 1x04
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?