Living with Yourself: Kritik zur Netflix-Comedy mit Paul Rudd

Living with Yourself: Kritik zur Netflix-Comedy mit Paul Rudd

Die neue Netflix-Serie Living with Yourself nimmt sich eine clevere Idee von Rick and Morty und lässt einen doppelten Paul Rudd auftreten. Kann die düstere Klonkomödie ihrer außergewöhnlichen Prämisse gerecht werden?

Paul Rudd und Paul Rudd in Living with Yourself (c) Netflix
Paul Rudd und Paul Rudd in Living with Yourself (c) Netflix
© aul Rudd und Paul Rudd in Living with Yourself (c) Netflix

Seit einigen Jahren lässt sich der Trend beobachten, dass große Hollywood-Stars, die bei Serien unterschreiben, gleich für Doppelrollen eingespannt werden. Man denke nur an Ewan McGregor bei Fargo, J. K. Simmons bei Counterpart, Zach Galifianakis bei Baskets oder James Franco bei The Deuce. Und das Ganze hat auch durchaus Sinn, denn einerseits ergibt sich so mehr Screentime für den Star und andererseits kann sich dieser schauspielerisch austoben.

Auch Paul Rudd („Ant-Man“) ließ sich nun für eine Doppelrolle casten, wobei er in der nun veröffentlichten Netflix-Comedy Living with Yourself keine Zwillinge, sondern Klone spielt. Die Idee zur Serie stammt vom Peabody-Preisträger Timothy Greenberg („The Daily Show“). Der dürfte sich aber von der Rick and Morty-Episode Rest and Ricklaxation inspiriert haben lassen, deren Prämisse verblüffend ähnlich ist. Aber wie heißt es doch so schön? Besser gut geklaut, als schlecht selbst gemacht...

Sei die beste Version deiner selbst

Wenn man Living with Yourself mit einer anderen Netflix-Serie vergleichen müsste, würde einem wohl als Erstes Maniac einfallen. Zwar geht es dort nicht ums Klonen, doch dafür steht in beiden Geschichten die Frage im Zentrum, wie Menschen ihr volles Potential entfalten können und ihre Lethargie abschütteln. Noch ähnlicher sind sich die zwei Formate allerdings in ästhetischer Hinsicht, zumal in beiden ein mysteriöses japanisches Labor auf amerikanischem Boden eine zentrale Rolle spielt. Man wäre wenig überrascht, wenn die Serien sogar am selben Set gedreht worden wären...

Acht Episoden umfasst Living with Yourself in der Auftaktstaffel. Die Pilotepisode mit dem Titel The Best You Can Be wurde von den „Little Miss Sunshine“-Regisseuren Jonathan Dayton und Valerie Faris inszeniert. Mit wenigen Szenen gelingt es ihnen auf eindrucksvolle Weise, uns ein Gefühl für den Protagonisten Miles Elliot (Rudd) zu geben. So sehen wir ihn beispielsweise völlig apathisch in seinem Büro sitzen, den Blick auf eine Fliege, die versucht, durch eine Fensterscheibe durchzudringen. Als er sie schließlich totschlägt, sagt er einfach: „Gern geschehen.

Paul Rudd und Aisling Bea in Living with Yourself
Paul Rudd und Aisling Bea in Living with Yourself - © Netflix

Der Gedanke an den Tod scheint bei Miles also eher Sehnsucht als Angst auszulösen. Ein äußerst gefährlicher Zustand, der die Grundbedingung dafür darstellt, welch folgenschwere Entscheidung er als Nächstes trifft. Durch einen Kollegen, der seit einigen Monaten wie ausgewechselt wirkt, bekommt Miles den Tipp, zu einer neuartigen Wellnesskur zu gehen. Diese sei in der Lage, sämtliche negativen Affekte aus einem rauszusaugen. Nicht mal der stolze Preis von 50.000 Dollar kann die Hauptfigur nun noch aufhalten. Und da er eh kurz davor ist, auch noch seinen Job und seine Frau Kate (Aisling Bea) zu verlieren, hat Miles ohnehin nichts mehr zu verlieren.

Und damit wären wir bei der Eröffnungsszene: Miles befreit sich aus seinem Grab mitten im Wald, eingepackt in mehrere Lagen Plastikfolie. Als er halbnackt nach Hause läuft, erwartet ihn dort der nächste Schock: Er ist bereits zu Hause oder besser gesagt eine zweite Version von ihm. Der Klon hat sein Leben übernommen und er selbst sollte eigentlich liquidiert werden. Ganz unverblümt erklären ihm die Wissenschaftler, in deren Hände er sein Schicksal legte, ihr furchtbares Prozedere, das stets damit endet, dass der Ursprungsmensch stirbt, während der verbesserte Doppelgänger seine Position einnimmt. Eine Vorstellung, die für eine Comedy dann vielleicht doch wieder ein bisschen zu drastisch sein könnte...

Fazit

Alles in allem präsentiert Netflix mit Living with Yourself ein sehr spannendes Serienkonzept, bei dem im Laufe der ersten Staffel jedoch die Gefahr bestehen könnte, dass das Potential der vielversprechenden Prämisse nie ganz ausgeschöpft werden kann. Ob sich Miles und sein Klon nun irgendwie arrangieren können oder ob sie sich gegenseitig an die Gurgel gehen, bleibt abzuwarten. So oder so macht es sehr viel Spaß, Paul Rudd im Doppelpack zu sehen. Wenngleich man kritisieren könnte, dass selbst der abgewracktere Rudd für seine immerhin schon 50 Jahre erstaunlich frisch aussieht.

Aber Rudd ist nicht der einzige Erfolgsfaktor der Serie, denn auch die Inszenierung des Duos Dayton und Faris erweist sich schon im Piloten als als echter Hingucker. Rein visuell wirkt Living with Yourself extrem hochwertig, besonders auch mit Blick auf den Kloneffekt rund um die Hauptfigur. Auffällig ist außerdem der Soundtrack von Anna Meredith („Eighth Grade“), der für die leicht futuristisch-dystopische Atmosphäre genauso ausschlaggebend ist wie die schicken Setdesigns, die, wie bereits gesagt, an Maniac erinnern. Bei so vielen positiven Punkten ist man auf jeden Fall dazu bereit, der Serie eine Chance zu geben...

Hier abschließend noch der offizielle Trailer zur neuen Netflix-Comedy Living with Yourself:

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