Little Fires Everywhere: The Spark - Review der Pilotepisode

© eese Witherspoon und Kerry Washington in Little Fires Everywhere (c) Hulu
Wer so viel Einfluss hat wie die Oscarpreisträgerin Reese Witherspoon - die man durch Filme wie „Eiskalte Engel“, „Natürlich blond“ und „Wild“ kennt und die zuletzt in Serien wie Big Little Lies und The Morning Show auftrat - kann mir nichts, dir nichts auch mal im Alleingang ein Buch zum Bestseller promoten und schließlich selbst adaptieren. Genau so geschehen nun im Fall der neuen Hulu-Miniserie Little Fires Everywhere, in der die Schauspielerin natürlich höchstpersönlich die Hauptrolle übernahm. Als Gegenspielerin auf Augenhöhe holte sie zudem den Scandal-Star Kerry Washington an Bord.
Insgesamt wurde die Vorlage der Autorin Celeste Ng, für die „Kleine Feuer überall“ erst der zweite Roman war, in acht Folgen zerstückelt. Das Drehbuch zur Pilotepisode namens The Spark durfte Liz Tigelaar (Life Unexpected) schreiben. Für die Inszenierung wurde derweil Lynn Shelton (The Morning Show) verpflichtet. Genau wie Witherspoon und Washington wurden beide auch mit einem Produzentinnenstatus bedacht. Übrigens sind fast alle Verantwortlichen des Projekts weiblich...
Worum geht's?
Worum es in der Serie geht, lässt sich nach dem Auftakt eigentlich noch kaum sagen. Folgendes passiert: Die vermeintliche Künstlerin Mia Warren (Washington) zieht mit ihrer Tochter Pearl (Lexi Underwood) in einen typischen amerikanischen Vorort, behütet und wohlhabend. Zunächst müssen die zwei im Auto schlafen, doch dann stoßen sie auf die gastfreundliche Elena Richardson (Witherspoon), die ihnen für wenig Geld ein Haus vermietet. Zum einen hat die auf den ersten Blick perfekte Familienmutter einfach Mitleid mit den Neuankömmlingen, zum anderen will sie sich selbst und ihren Freundinnen - darunter beispielsweise Rosemarie DeWitt (United States of Tara) - beweisen, was für ein guter Mensch sie ist. Mia durchschaut das sofort, hat aber keine andere Wahl, als zuzusagen und sich brav zu bedanken.
Was man immer wieder vergisst: Little Fires Everywhere spielt in der Vergangenheit, genauer gesagt im August 1997. Erinnert wird daran eigentlich immer nur dann, wenn Elena im Auto sitzt und mit ihrem prähistorischen „Mobiltelefon“ hantiert. Davon abgesehen wirkt das Ganze mehr oder weniger zeitlos, weshalb man sich fragen könnte, warum die Geschichte nicht gleich in die Gegenwart gelegt wurde. Meine erste Vermutung: Viele Mysterien rund um Mia wären schnell gelöst, wenn das Internet bereits als alles bestimmende und allwissende Institution existieren würde. Außerdem kann die Millennial-Zielgruppe vielleicht mit Nostalgie gelockt werden, wenn im Hintergrund hin und wieder MTV über den Röhrenfernseher flimmert.

So, wie sich langsam eine Feindschaft zwischen Mia und Elena entwickelt - da erstere ein wenig undankbar und unhöflich erscheint, während sich letztere in Belange einmischt, die sie nichts angehen und allgemein sehr anmaßend auftritt -, bahnt sich parallel auch eine kleine Liebschaft an, nämlich zwischen Pearl und Elenas schüchternem Sohn Moody (Gavin Lewis). Die beiden Teenies verdrehen sich bald gegenseitig mit Gedichten und Abenteuern auf der Müllkippe den Kopf. Abgesehen von der jüngsten Tochter, sprich der rebellischen Izzy (Megan Stott), sind die übrigen Kinder der Richardson-Familie bislang kaum der Rede wert. Genauso wenig wie Elenas Ehemann Bill, gespielt von Joshua Jackson (The Affair), der nur dafür da ist, ihr als klassischer strong silent type das Gefühl zu geben, dass sie hysterisch ist und übertreibt.
Trotz der Hässlichkeit dieses uralten TV-Klischees - das interessanterweise ja auch zu denen zählte, die Witherspoon und Kolleginnen in der HBO-Serie Big Little Lies bekämpften - ist man in diesem Fall leider fast geneigt, ihm Recht zu geben. Denn Elena ist tatsächlich ziemlich... anstrengend. Sogar für ihr Sexleben hat sie einen festen Zeitplan. Insgesamt dürfte es nicht leicht werden, sie als Hauptfigur zu mögen, zumal sie nicht den geringsten Funken Humor zu besitzen scheint. Vielleicht wird die Figur ein bisschen spannender, wenn wir mehr über ihre Berufung als Journalistin erfahren. Oder wenn wir sehen, wie sie in Ausnahmesituationen agiert, welche nun fraglos auf sie zukommen werden...
Taugt wenigstens Mia als Identifikationscharakter? Die lange Antwort: Nein. Die kurze Antwort: Ne. Warum? Man hat das Gefühl, dass sie auf uns Zuschauerinnen und Zuschauer cool und geheimnisvoll wirken soll. Die unfreundliche Art und Weise, wie sie Elena, die so viel Gutes für sie tut, immer wieder auflaufen lässt, macht sie aber eher unsympathisch.
Auch die Tatsache, dass sie ihre Tochter von einer Stadt zur nächsten schleppt, nur, um als Künstlerin immer wieder neue Inspiration zu finden, wirkt ziemlich egoistisch. Allgemein scheint sie zu der Art von Künstlern zu gehören, die immer nur darüber reden, Künstler zu sein, aber nie wirklich Kunst schaffen. Das einzig Künstlerische, was sie bislang bewerkstelligt, ist das Ablichten fremder Menschen. Und zwar ohne deren Erlaubnis, darunter auch Elenas Kinder, was sehr, sehr creepy anmutet.
Höchstwahrscheinlich wird das alles und auch ihre vielen Umzüge werden letztendlich einen anderen, düstereren Grund haben. Die Frage ist nur, ob uns Little Fires Everywhere mit der ersten Episode neugierig genug gemacht hat, diesen erfahren zu wollen. Mich persönlich interessiert es nur so mäßig, wer Elenas Haus und somit ihre kleine Illusion vom perfekten Leben anzünden wird...
Fazit
Alles in allem ist man nach dem Pilot von Little Fires Everywhere noch nicht ganz Feuer und Flamme. Die Figuren wirken längst nicht so spannend, wie man sie uns anpreisen will und wirklich neu scheint das alles auch nicht zu sein. Zwar muss man natürlich nicht immer das Rad unbedingt neu erfinden, um gelobt zu werden, aber in Zeiten von #PeakTV kann ein kleines Alleinstellungsmerkmal sicherlich nicht schaden. Auf der anderen Seite sind Witherspoon und Washington so großartige Schauspielerinnen, dass man töricht wäre, die Serie nach nur einer Folge gänzlich abzuschreiben. Allgemein ist die Summe an Talent bei der Hulu-Produktion groß genug, um sich das Ganze noch ein Weilchen warmzuhalten.
Hier abschließend der Trailer zur neuen Hulu-Serie „Little Fires Everywhere“: