Little Bird 1x01

© Crave
Der sogenannte „Sixties Scoop“ ist eine Zeit, in der kanadische Behörden die Kinder aus indigenen Familien holten um sie zur Adoption freizugeben. Zwischen den 50er und den 80er Jahren sollen auf diese Weise mehr als 20.000 Kinder aus ihren Familien geholt worden sein. In der Serie Little Bird begleiten wir eines dieser Kinder auf zwei Zeitebenen. Einmal als Kind, in der Zeit in ihrer Geburtsfamilie und dann 20 Jahre später, kurz vor ihrer Hochzeit.
Wovon handelt die Serie „Little Bird“?
Esther (Darla Contois) hat eine glänzende Zukunft vor sich. Sie studiert Jura und hat sich gerade mit ihrer großen Liebe David (Rowen Kahn) verlobt, einem angehenden Arzt aus einer wohlhabenden Familie. Wir lernen die beiden auf ihrer Verlobungsfeier in Montreal kennen. Beide stammen aus jüdischen Familien und fühlen sich in dieser Kultur angekommen. Auch wenn Esthers Mutter Golda (Lisa Edelstein) mit der Feier - und der Menschheit an sich - hadert. Sie hat im Holocaust ihre Schwester verloren, nach der sie ihre Adoptivtochter benannt hat.
Und weiß damit sensibel aber proaktiv umzugehen als sie eine emotionale Rede darüber hält, dass sie eine neue jüdische Generation mit ihrem Bald-Ehemann angehen will um das Grauen zu überwinden. Doch dabei hat sie die Rechnung ohne ihre neue Schwiegerfamilie gemacht. Die ist zwar zuckersüß zu Esther, doch ausgerechnet auf ihrer Verlobungsfeier hört sie durch Zufall mit, wie Davids Mutter sich hinter ihrem Rücken darüber beschwert, dass man gar nicht wisse, wo Esther eigentlich herkomme, wie ihre Familie so sei und weshalb sie adoptiert wurde.
Denn ja, diese idyllische Feier ist nicht das kulturelle Idyll, dem sich alle den Anstrich geben. Denn Esther hat die ersten fünf Jahre ihres Lebens als Bezhig in ihrer Geburtsfamilie verbracht, im Long-Pine-Reservat in Saskatchewan. Dort lebte sie mit ihrer Mutter Patti (Ellyn Jade), ihrem Vater Morris (Osawa Muskwa) und ihren drei Geschwistern. Die Familie bewohnt ein kleines Haus und pflegt ein liebevolles Miteinander nach den Regeln ihrer Vorfahren.
Im Jahr 1968 kommt es zu einem verhängnisvollen Tag, an dem Vater Morris den älteren Bruder Leo (Braeden Clarke) auf seine erste Jagd in den Wald mitnimmt. Das jüngste Kind Dora (Imajyn Cardinal) ist ein bisschen krank und um sich um sie kümmern zu können, schickt Patti die beiden mittleren Kinder Bezhig und Niizh (Joshua Odjick) raus zum spielen. Als ein Polizeiauto vorbeifährt, juckt es Bezhig in den Fingern und sie beschießt das Auto mit einer kleinen Steinschleuder. Obwohl Niizh die Dramatik der Situation sofort erkennt, ist es zu spät. Die Beamten fassen die beiden Kinder und bringen sie nach einer dramatischen Szene mit Mutter Patti in die Obhut einer Sozialarbeiterin. Die hält es für das absolut richtige für die Kinder, sie zur Adoption frei zu geben.
Wie kommt es rüber?
Die Serie Little Bird geht dieses grausame Kapitel in der kanadischen Geschichte mit sensiblen Händen, aber auch einem Blick für die brutale Realität an. Es entwickelt sich zu einer Geschichte, die sich zwar tausendfach wiederholt hat, aber bleibt sich stets treu dabei, hier eine individuelle Entwicklung zu zeigen. Jede Adoptionsgeschichte ist anders, jede Familie, jedes betroffene Kind. Das wird schon dadurch aufgezeigt, dass wir andere Kinder mit ähnlicher Geschichte aber völlig anderem Ausgang kennen lernen.
Esther macht sich von ihrer Verlobungsfeier direkt auf die Suche nach ihrer Vergangenheit. An ihre ersten fünf Lebensjahre hat sie nur verschwommene Erinnerungen, die Umstände ihrer Adoption hat sie bisher nie hinterfragt. Doch das wird sich nun ändern. Was Esther in Saskatchewan findet, ist traurig, dramatisch, und stets emotional.
Die Serie schafft es mit scheinbarer Leichtigkeit sich von den größten Stolperfallen fernzuhalten. Sie wirkt nicht wie am Reißbrett entwickelt und sie lehrt uns etwas über die Vergangenheit, ohne mit dem erhobenen Zeigefinger zu kommen.
Der Cast ist wundervoll ausgewählt und glänzt besonders an den Schnittstellen, wenn die beiden Welten sich treffen, die indigene und die jüdische. Diese Verbindung ist kein Zufall. Die Serie stammt von den Filmemacherinnen Jennifer Podemski und Hannah Moscovitch. Erstere hat eine jüdischen Vater und eine indigene Mutter und dürfte Serienjunkies aus der wundervollen Serie Reservation Dogs bekannt vorkommen. Dort spielte sie die Rolle Willie Jacks Mutter Dana. Ihre Schwester Sarah Podemski ist als Bears Mutter Rita zu sehen. Auch Hannah Moscovitch hat jüdische Wurzeln.
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Little Bird: Serientrailer
Verfasser: Loryn Pörschke-Karimi am Donnerstag, 30. Mai 2024Little Bird 1x01 Trailer
(Little Bird 1x01)
Schauspieler in der Episode Little Bird 1x01
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