Little America 1x01

Little America 1x01

Die neue Anthologieserie Little America von Apple TV+ präsentiert ihren Zuschauern in der ersten Staffel acht wundervolle, teils herzzerreißende Geschichten aus dem Leben sehr unterschiedlicher Menschen, die ihr Glück in den Vereinigten Staaten von Amerika gesucht und gefunden haben. Ein Triumph.

Little America (c) Apple TV+
Little America (c) Apple TV+
© ittle America (c) Apple TV+

Diese Kritik bezieht sich auf die komplette achtteilige erste Staffel von Little America.

Etwas mehr als zwei Monate sind vergangen, seitdem der Techriese Apple im November 2019 Serienliebhabern weltweit mit seinem neuen Streamingangebot Apple TV+ eine weitere Plattform auf dem stetig wachsenden Serienmarkt zur Verfügung gestellt hat. Auf dieser lassen sich bisher allen voran Originalproduktionen finden, deren Qualität sich durchaus wechselhaft gestaltet, die aber den Nutzern von Apple TV+ zweifelsohne eine breite Palette an Themen und Genres bieten. Nachdem man uns zum Start des Angebots Titel wie For All Mankind, Dickinson, The Morning Show oder auch See präsentiert hat, folgten wenig später weitere exzellent besetzte und hochwertig produzierte Formate wie M. Night Shyamalans Familienthriller Servant und das Krimidrama Truth Be Told. Die ganz großen Wellen konnte man aber auch mit diesen beiden Nachzüglern nicht wirklich schlagen.

Das sieht hinsichtlich dem aktuellsten Neustart aus dem Hause Apple, dem Anthologieformat Little America, gänzlich anders aus, handelt es sich hierbei doch aus dem Stand um die bis dato stärkste, weil auch konsistenteste Eigenproduktion, die man im noch überschaubaren Katalog von Apple TV+ finden kann. Im Gegensatz zu den bisher veröffentlichten Serien erfolgt die Ausstrahlung von „Little America“, das am heutigen Freitag, den 17. Januar seine Premiere feiert, nicht auf wöchentlicher Basis. Die gesamte achtteilige erste Staffel (eine zweite Staffel wurde bereits vor einigen Wochen in Auftrag gegeben) ist auf einen Schlag abrufbar. Und diese Entscheidung könnte besser nicht sein, erwischt man sich als Zuschauer doch binnen kürzester Zeit dabei, wie man von Episode zu Episode rauscht und gar nicht genug von all den herzlichen, charmanten und bittersüßen Lebensgeschichten kriegen kann, die einem hier von einer vorwiegend unbekannten, aber mit brillanten Talenten gespickten Besetzung bravourös aufgetischt werden.

Das Konzept von „Little America“ ist denkbar einfach: Das namhafte Kreativteam um die hauptverantwortlichen Produzenten Lee Eisenberg (The Office), Kumail Nanjiani (Silicon Valley), Emily V. Gordon („The Big Sick“) und Alan Yang (Master of None, Forever (2018)) hat den verschiedensten Autorinnen und Autoren, Filmemacherinnen und Filmemachern eine Bühne gegeben, um acht sehr individuelle, kurzfilmartige, auf wahren Begebenheiten basierende und gerade einmal 30-minütige Episoden zu kreieren, die auf den ersten Blick nur eine Sache gemeinsam haben: den Schauplatz Amerika. Als Zuschauer folgen wir einer bunten Mischung an Charakteren aus unterschiedlichen Kulturen und sozialen Umständen, die sich irgendwo in den USA wiederfinden oder sich eines Tages in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten aufmachen, um ein neues Kapitel in ihren Leben aufzuschlagen.

Es geht um Migranten, die einen Neuanfang suchen, um Amerikanerinnen und Amerikaner der zweiten Zuwanderergeneration, um Flüchtlinge, die Asyl suchen, um unverbesserliche Träumer, herzensgute Dickköpfe, ziellose Ausreißer, aufopferungsvolle Eltern und ihre stürmischen Kinder. Es geht um Menschen. Ja, so einfach können Serien sein. In wundervoller „Slice-of-Life“-Manier bekommen wir einen herrlichen Querschnitt an Persönlichkeiten und bewegenden, teils unfassbar ergreifenden Einzelschicksalen zu sehen, die sich auf die gesamte USA verteilen, wodurch gekonnt Bezug auf eine der eigentlichen Grundfeste dieser Nation genommen wird: Immigration. Kaum eine andere Kultur oder Gesellschaft wurde so sehr von Menschen aus aller Welt geprägt, welche ihre Zelte jenseits des großen Teiches aufgeschlagen, trotz ihrer Andersartigkeit eine Gemeinschaft gebildet und ein diverses, farbenfrohes Land geschaffen haben, in dem jeder willkommen ist und der Vorstellungskraft sowie den eigenen Ambitionen keine Grenzen gesetzt sind.

Apple TV+
Apple TV+ - © Apple TV+

Only in America...

Das ist zumindest die Idealvorstellung der USA, in der diese Vorzüge über die Jahrhunderte immer wieder eigenhändig entkräftet wurden und auch in jüngerer Zeit sich ein Bild der Vereinigten Staaten gezeichnet hat, in dem die huddled masses yearning to breathe free schon lange nicht mehr bedingungslos willkommen sind und in dem die aktuelle US-Regierung immer mehr daran arbeitet, sich von fremden Einflüssen von außen abzuisolieren. Aus diesem Grund könnte eine Serie wie Little America aktueller und relevanter nicht sein, formuliert man hier doch über acht intelligent geschriebene, empathische Geschichten eine mitreißende Ode an den Freiheits- und Gleichheitsgedanken, den sich die USA einst auf die Fahne geschrieben hat. „Little America“ packt seine Zuschauer und wirft sie einfach rein in das Leben eines Menschen, der sich nicht nur den ganz normalen Herausforderungen unserer Existenz auf diesem blauen Planeten stellt, sondern der die Besonderheit seiner neuen Wahlheimat auch ein Stück weit entschlüsseln und für sich selbst entdecken will.

Da gibt es zum Beispiel die emsigen Bemühungen eines nigerianischen Studenten (Conphidance) im ländlichen Oklahoma, der sich mustergültig in seine neue Umwelt integrieren möchte, aber gleichzeitig auch die Verpflichtungen gegenüber seiner Familie in der Heimat schultern will. Wir beobachten in einer anderen Episode eine alleinerziehende Mutter (Angela Lin) von zwei Kindern, deren tragische Familiengeschichte sie einst von China in die Staaten geführt hat, in denen sie ihrem Nachwuchs ein erfülltes Leben ermöglichen will, von welchem sie sich jedoch dem Lauf der natürlichen Dinge entsprechend immer mehr entfernt. Ein quickfideler Geschäftsmann aus dem Iran (Shaun Toub) hat sein altes Leben hinter sich gelassen und geht jetzt den sonderbarsten Beschäftigungen nach, um seinem Sohn eine Ausbildung in den USA zu ermöglichen und für seine Familie den amerikanischen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Und in einer anderen Folge schafft es ein junges, rebellisches Mädchen (Jearnest Corchado) mit mexikanischen Wurzeln aus ärmlichen Verhältnissen über ihre neue sportliche Leidenschaft Squash, für sich und ihre Nächsten eine ungeahnte Zukunft zu garantieren, die lange Zeit unvorstellbar war.

Der Großteil der Erzählungen in „Little America“ sind klassische Underdog-Geschichten, doch nicht immer steht am Ende der übertriebene Erfolg, den man von klischeebehafteten Hollywoodstreifen kennt. Oft sind es nur kleine, aber entscheidende Schritte, die unsere Protagonisten machen, welche allesamt hervorragend innerhalb kürzester Zeit etabliert und als Charaktere mit persönlichen Motiven, Stärken und Schwächen eingefangen werden. Der tolle Cast, hauptsächlich bestehend aus unbekannten Namen, überzeugt auf ganzer Linie, die unterschiedlichen Darstellerinnen und Darsteller (persönliche Favoriten sind die vier oben genannten, aber auch die bekannte französische Schauspielerin Melanie Laurent spielt charmant auf) involvieren uns voll und ganz in die Entwicklung ihrer Charaktere. Ein jeder von ihnen erobert auf seine ganz eigene Art und Weise die Herzen der Zuschauer, die wiederum mit Leichtigkeit den jeweiligen Antrieb der Figuren, ihre momentane Lebenssituation und ihre innersten Wünsche nachvollziehen können. Manchmal fühlt man sich als Außenstehender ein wenig ausgetrickst, spannt man uns doch äußerst clever, fast sogar ein Stück weit manipulativ, in all diese abwechslungsreichen Vignetten eines Lebens in Amerika als Migrant ein oder eben als jemand, dessen familiärer Ursprung in einem anderen Land liegt.

Doch es funktioniert - und zwar fantastisch. Einige Figuren vereint ihr unbändiger Optimismus, andere ihre niemals schwindende Hoffnung, sich selbst, aber vor allem den Menschen, die ihnen am wichtigsten sind, ein sorgenfreieres, besseres Leben zu ermöglichen. Denn so persönlich, wie viele dieser Geschichten sind, ihnen zugrunde liegen immer wieder Themen wie Familie, die nicht immer einfachen Beziehungen, die dieses Band mit sich bringt, oder auch Solidarität, Verständnis, Toleranz und Akzeptanz, egal, woher man kommt und was einen auszeichnet. Das Produzententeam sowie die Regisseurinnen und Regisseure von „Little America“ treffen Episode für Episode den Nagel auf den Kopf, schaffen gefühlvoll Bezugspunkte und lassen uns geschickt in die Charaktere und deren Perspektive hineinschlüpfen. Besonders hilfreich ist dabei, dass die einzelnen Episoden von kreativen Köpfen umgesetzt wurden, die selbst einen kulturellen oder gar persönlichen Bezug zu der jeweiligen geteilten Geschichte haben. Umso authentischer und nachhaltiger ist letztlich die Seherfahrung, die man uns mit auf den Weg gibt.

Little America ist eine wunderschöne kleine Serienperle, die sich wie Balsam auf all unseren geschundenen Seelen anfühlt und dazu einlädt, für kurze Zeit in eine andere, uns vertraute Welt zu entkommen, die nicht komplett von Zynismus und Abschottung durchzogen ist. Das dürfte für einige Zuschauer wohl auch die höchste Hürde sein: die durchgehend positive, hoffnungsvolle, optimistische und gefühlsselige Grundeinstellung des Formats, das sein Publikum problemlos zum Lachen sowie Weinen bringen kann. Komik und Tragik liegen hier dicht beieinander, so, wie sich das Leben eben fügt. Und, wenn die dramatischen Momente gesetzt werden, die oftmals mit einer berührenden Wendung verknüpft sind, dann kann man manchmal gar nicht anders, als den verdienten Tränen freien Lauf zu lassen. Am Ende jeder Episode ruft man uns noch einmal in Erinnerung, dass alle diese Geschichten auf wahren Begebenheiten beruhen. Unterstützt von Originalfotoaufnahmen der behandelten Personen beendet „Little America“ alle acht Folgen seiner ersten Staffel mit einem emotionalen Knall. Und alle Achtung denjenigen, die diesem standhalten können.

Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Apple-TV+-Serie „Little America“:

Verfasser: Felix Böhme am Freitag, 17. Januar 2020

Little America 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Little America 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Der Manager
Titel der Episode im Original
The Manager
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 17. Januar 2020 (Apple TV)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 17. Januar 2020
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 17. Januar 2020
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 17. Januar 2020
Autoren
Lee Eisenberg, Emily V. Gordon, Kumail Nanjiani
Regisseur
Deepa Mehta

Schauspieler in der Episode Little America 1x01

Darsteller
Rolle
Suraj Sharma
Ishan Gandhi
Eshan Inamdar
Sherilyn Fenn

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