Die Pilotepisode des neuen CBS-Procedurals Limitless ist vor allem eines: langweilig. Autor und Regisseur schaffen es darin sogar, den Gastauftritt eines Filmstars der ersten Garde öde erscheinen zu lassen. Ein ereignisloses Drehbuch und gruselige Dialoge erledigen den Rest.

Mr. „Limitless“ (Jake McDorman) in Aktion / (c) CBS
Mr. „Limitless“ (Jake McDorman) in Aktion / (c) CBS

Das neue CBS-Drama Limitless ist eine Adaption des gleichnamigen Kinofilms aus dem Jahre 2011, in dem Bradley Cooper die Hauptrolle als erfolgloser Autor Eddie Morra spielte, der eine Zauberpille verabreicht bekommt, die ihm erlaubt, auf seine gesamte Gehirnkapazität zuzugreifen. Serienschöpfer Craig Sweeny (Elementary) muss diese Prämisse für so fruchtvoll gehalten haben, dass er sich davon unbegrenzt spannende Geschichten versprach.

Positivbeispiele

Tatsächlich kann man aus einer solchen Prämisse mit der richtigen Herangehensweise viel machen. Positive Beispiele dafür wären die NBC-Dramedy Chuck oder der abgedrehte Sci-Fi-Knaller „Lucy“ von Luc Besson mit Scarlett Johansson in der Hauptrolle. Nun hatte letztgenanntes Beispiel nicht nur Fans - die Kritik war durchaus gespalten. Doch wenigstens rief die überbordende visuelle Umsetzung und eine von der Leine gelassene ScarJo irgendeine Reaktion hervor. Der Film hatte Ecken und Kanten, an denen sich viele Zuschauer stießen.

Die Serienversion dieses Stoffes ist das genaue Gegenteil. Jake McDorman aus der unsäglichen ABC-Comedy Manhattan Love Story spielt darin die Musikerversion von Eddie Morra. Er hatte einst große Pläne und betrachtete sich selbst als Stachel im Fleisch des Establishments, musste aber irgendwann erkennen, dass aus diesen hochtrabenden Absichten nichts werden würde. Seine Familie liebt ihn zwar, von seinem Vater - für den er alles tun würde - wird er jedoch nur mit müden Augen bedauert.

Bis zu dem Tag, an dem ihm sein ehemaliger Bandkollege - nun erfolgreicher Finanzjongleur an der Wall Street - eine Pille namens NZT zuschiebt, über deren Wirkung wir bereits Bescheid wissen. Weil er bald darauf auf der Suche nach Nachschub am Tatort des Mordes an ebendiesem Kumpel gesichtet wird, befindet sich Brian auf der Flucht. Er muss nun Beweise dafür finden, dass er nichts mit dem Mord zu tun hat. Unterstützt wird er dabei - erst widerwillig, dann mit zunehmender Überzeugung - von der FBI-Agentin Rebecca (Jennifer Carpenter aus Dexter).

Überraschende Unterstützung bekommt er außerdem von Eddie Morra höchstpersönlich, der mittlerweile als Politiker im US-Senat sitzt und einen Weg gefunden hat, die hässlichen Nebenwirkungen der Supermedizin zu vermeiden. Er macht Brian ein unschlagbares Angebot: Gegen ein Dauerrezept für nebenwirkungsfreies NZT soll er zu seinem Handlanger werden. Warum er gerade Brian dieses Angebot macht, erfahren wir nicht. Warum er überhaupt einen Lakaien braucht, ebenso wenig. Das müssen wir wohl einfach so hinnehmen.

Ein Drehbuch zum Davonlaufen

Wir müssen außerdem hinnehmen, dass mit McDorman eines der uncharismatischsten Weißbrote im US-Fernsehen mit der Hauptrolle bedacht wurde. Da hört die Fantasielosigkeit des Produktionsteams, zu dem auch Mr. Cooper als Executive Producer zählt, aber längst nicht auf. Statt Brian irgendetwas Spannendes mit seinen neuen Fähigkeiten anstellen zu lassen, soll er fortan für das FBI arbeiten. Aus der interessanten - wenn auch mehrfach erfolglos (Intelligence, anyone?) ausprobierten - Prämisse ist somit im Handumdrehen ein weiteres stinknormales Crime-Procedural geworden, das CBS schön säuberlich in sein angestaubtes DVD-Regal stellen kann.

Und als wären eine ideenlose Besetzung und eine noch ideenlosere Ausrichtung nicht schon genug, wurde das Ganze mit Dialogen und einem Voice-over versehen, die wahrlich zum Gruseln sind. Haarklein klärt uns Brian aus dem Off über alles auf, was er gerade macht - ganz so, als könnten wir der Handlung nicht eigenständig folgen. Wenn er das Handy seines ermordeten Kumpels einsteckt, muss er uns doch tatsächlich noch folgenden Satz entgegenraunen: „Eli's phone - that could come in handy.“ Außerdem erklärt er uns, wieso er sich eine neue Jacke besorgt hat, oder dass er nun in eine Wohnung einbrechen muss, um ein Beweismittel zu finden.

Übertroffen werden solche Drehbuch-Kleinode nur von den hölzernen Dialogzeilen seiner Mitstreiter. Als Rebecca noch nicht ganz auf seiner Seite ist, versucht sie ihn beispielsweise folgendermaßen auszukontern: „You're not smart, you're high.“ Uuuuh, krasser burn! Die Selbsterkenntnis, dass er vor der Entdeckung von NZT ein Loser war, kleidet Brian indes so in Worte: „I turned out to be nothing, I guess.“ Da ist aber immer noch nicht der Zenit der Lächerlichkeit erreicht: Den haben Sweeny und Konsorten erst erklommen, nachdem sie ein CGI-Baby im Mutterleib mit der Stimme von Bradley Cooper ausgestattet haben. Wow.

Im Laufe der Pilotepisode werden die beiden Hauptfiguren Brian und Rebecca zudem mit Hintergrundgeschichten ausgestattet, die rührseliger kaum sein könnten. Ihre Väter spielen dabei zentrale Rollen: Brian will seinem endlich beweisen, dass er kein Nichtsnutz ist, indem er ihm das Leben rettet, und Rebecca hat ihren Erzeuger an eine Designerdroge verloren. Es ist natürlich - oh Wunder! - NZT. Selbst das Wundermittel bekommt eine eigene origin story, die wohl im Verlauf der ersten Staffel weiter erkundet werden wird. Da werde ich aber nicht mehr dabei sein. Für mich war der Spaß an dieser Auftaktepisode das genaue Gegenteil von Limitless.

Diese Serie passen auch zu «Limitless»