Limetown 1x01

© imetown (c) Facebook Watch
Lia Haddock (Jessica Biel) ist Radioreporterin. Sie möchte ĂŒber ein 15 Jahre altes RĂ€tsel aus Tennessee berichten. Nach dem Podcast aus dem Hause twosome Productions folgt dank Facebook Watch nun die Serie zur Story. Es geht um mehr als 300 verschwundene Menschen und bringt einen deutlichen „X-Factor“-Vibe mit.
Wovon handelt es?
Limetown ist ein abgeschiedenes StĂ€dtchen. 2003 wurde es rund um eine Forschungseinrichtung eröffnet. Zu den mehr als 300 Einwohnern des Ărtchens gehört auch Emile Haddock (Stanley Tucci). Eines Tages wird ein mysteriöser Notruf aus Limetown abgesetzt, doch als die EinsatzkrĂ€fte die abgelegene Stadt erreichen, sind alle Einwohner auf mysteriöse Weise verschwunden. Bis auf einen, den Leiter der Forschungseinrichtung, Dr. Oskar Totem (Alessandro Juliani). Seine verkohlte Leiche wird an einem Laternenmast im Zentrum der Stadt gefunden. Er wurde gekreuzigt.
So weit das RĂ€tsel, das die Schlagzeilen bestimmt, bis es von anderen aufsehenerregenden Ereignissen abgelöst wird und schlieĂlich in Vergessenheit gerĂ€t.
Doch Lia Haddock, Radioreporterin bei American Public Radio (APR), kann nicht loslassen. Was ist mit ihrem Onkel geschehen? Sie will der Sache 15 Jahre nach dem Verschwinden auf den Grund gehen, auch wenn ihre Vorgesetzte beim Radio dafĂŒr wenig VerstĂ€ndnis hat. Ohne neue Hinweise wirkt die Story ziemlich blass. Doch darum mĂŒssen wir uns keine Sorgen machen, denn wir wissen schon seit der ersten Szene, dass das Limetown-RĂ€tsel alles andere als tot ist. Denn wir lernen Lia in ihrem Hotelzimmer kennen, als sie ihr AufnahmegerĂ€t in die Luft hĂ€lt, um das Wummern aufzufangen, mit dem ein Mann seinen Kopf an ihre HotelzimmertĂŒr schlĂ€gt und ruft: „Das ist deine Warnung!“
In der Pilotepisode mit dem Titel I Have Heard the Future trifft Lia sich mit dem Journalisten Terry Hilkins, der als einziger Zutritt zu der Eröffnungsfeier von Limetown hatte. Die beiden begehen das geisterhaft verlassene GelÀnde, besichtigen den Laternenmast und gehen in HÀuser. Nur die Höhlen, die jedes Haus in Limetown miteinander verbinden - da darf Lia nicht hin, denn die sind gesperrt.
Kurz darauf trifft sie sich mit dem FBI-Agenten Calhoun, der einst den Einsatz leitete und zu den ersten gehörte, die Limetown nach dem Notruf und dem Verschwinden betraten. Viel erfahren wir dabei nicht, das RÀtsel bleibt im Nebel.
Doch dann kommt ein Anruf von Terry: Er hat eine Ăberlebende von Limetown gefunden und die Frau, die am Telefon nur mit mechanisch verĂ€nderter Stimme spricht, will ausschlieĂlich Lia erzĂ€hlen, was passiert ist...
Wie kommt es rĂŒber?
Die Serie Limetown erzĂ€hlt von einer Frau auf einer Mission. Nicht nur, weil es auf einem Podcast basiert, ist nichts an der Pilotepisode neu. Zusammengesetzt werden die gut 30 Minuten nĂ€mlich aus zahlreichen Klischees vorangegangener Sendungen. Die Story, auf der der Podcast basiert, ist fiktiv. Anders als andere Erfolgspodcasts der Zeit, wie zum Beispiel „Serial“, ist „Limetown“s Basis erfunden. Wir brauchen als Zuschauer und Zuhörer also einen anderen Grund, um dranzubleiben. Wie der Podcast diese erste kritische Phase meistert, kann ich nicht beurteilen. Die Serie jedoch tut sich schwer, uns ins Mysterium zu ziehen. Lia wirkt kĂŒhl, auch ihre rĂŒhrselige Erinnerung an ihren verschwundenen Onkel wirkt zu aufgesetzt. Ohnehin kommt er bisher als Limetown-Bewohner nicht vor, wir erfahren nicht, in welcher Funktion er in der Forschungsstadt lebte, ob er alleine da war und wie das Verschwinden fĂŒr Lia und ihre Eltern war. Sie kommt als AuĂenstehende in die Story, hĂ€lt jedoch verbissen daran fest.
DafĂŒr nutzt sie enttĂ€uschend viele Floskeln, die sich gut auf jeder halbherzig geschriebenen Zeitungsseite besser machen wĂŒrden. Dazu die zahlreichen Serienstereotype. Lia bekommt Druck von ihrer Chefin und, um sie auf Kurs zu halten, bekommt sie einen Kollegen an die Seite gestellt, einen neuen natĂŒrlich, den niemand kennt. Der kommt in ebenjener Sekunde ins BĂŒro der Chefin, als er Lia nach ihrer Standpauke vorgestellt wird und natĂŒrlich behandelt Lia ihn von der ersten Sekunde an wie einen Idioten. Mit einer Frage enttarnt sie, dass der unsichere Mann kaum etwas von ihrer Story versteht und sie lĂ€sst ihn erst mal stehen. Lia auf der anderen Seite wollte noch nie etwas anderes machen, als Journalistin zu sein. Das zeigt sich der Einfachheit halber in der einzigen Kindheitserinnerung, die wir sehen. Die, in der ihr Onkel im Mittelpunkt steht.
Die Serienmacher geben sich nicht besonders viel MĂŒhe, uns eine handwerklich ausgefeilte Story zu erzĂ€hlen, sie scheinen sich nur um das RĂ€tsel zu kĂŒmmern. Alles ordnet sich der groĂen Frage unter, was mit den mehr als 300 Menschen in Limetown passiert ist. DafĂŒr opfern die Drehbuchautoren allerdings vor allem Sorgfalt im Charakteraufbau und ebenso jede Menge Nuancen in der ErzĂ€hlung. Das ist meist kein gutes Zeichen...
Fazit
Mysteryserien leben natĂŒrlicherweise davon, dass die Zuschauer den Machern einen Vertrauensvorschuss schenken. Wir wissen nicht, ob das RĂ€tsel am Ende zur Zufriedenheit aufgelöst wird, ob es unsere Zeit wert war. Wenn die Autoren dann auch noch in anderen Gebieten schludern, ist es schwer, daran festzuhalten und Zeit zu investieren. In der Pilotepisode helfen auch die groĂen Namen leider nur wenig: Jessica Biel ist in ihrer Rolle durch die Klischees sehr eingeschrĂ€nkt und bringt nicht viel darĂŒber Hinausgehendes ein. Stanley Tucci zieht zwar Aufmerksamkeit auf sich, ist aber viel zu wenig zu sehen, um einen Unterschied zu machen.
Verfasser: Loryn Pörschke-Karimi am Donnerstag, 17. Oktober 2019Limetown 1x01 Trailer
(Limetown 1x01)
Schauspieler in der Episode Limetown 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?