Liaison: Storm Warning - Review der Pilotepisode

Liaison: Storm Warning - Review der Pilotepisode

Mit Liaison schickt Apple+ eine britisch-französische Thrillerserie mit Topbesetzung ins Rennen. Die Pilotfolge weist zwar einige gute Ideen auf, kann aber aufgrund generischer Elemente noch nicht vollends überzeugen. Doch was nicht ist, kann in diesem Fall noch werden, wie wir in unserem Review darlegen.

Poster zur Serie Liaison (c) Apple TV+
Poster zur Serie Liaison (c) Apple TV+
© oster zur Serie Liaison (c) Apple TV+

Das passiert

Die beiden Hacker Walid (Marco Horanieh) und Samir (Aziz Dyab) haben ein Problem. Sie haben sich in die Server des syrischen Geheimdienstes gehackt und sind dabei auf brandgefährliche Informationen gestoßen. Unter großen Schwierigkeiten gelingt dem Duo die Flucht nach London, wo sie ihr Onkel (Mohammed Kamel) aufnimmt und ihnen Arbeit in einem Hotel verschafft. Doch sie können sich nicht verstecken.

Der Söldner Gabriel (Vincent Cassel) soll sie im Auftrag der französischen Regierung aufspüren und auch die Briten sind scharf auf die beiden Experten. Als Gabriel bei seiner Ex-Frau Alison (Eva Green) auftaucht, die für Minister Banks (Peter Mullan) arbeitet und einem Hackerangriff auf die britische Infrastruktur nachgeht, wird klar, dass sie sich zusammenraufen müssen. Eine Hetzjagd durch London und ein Spiel auf Leben und Tod beginnt.

Ein gefälliger Beginn

Liaison fängt stark an, schwächelt im Mittelteil und endet vielversprechend. Ob das am Ende genügt, die Zuschauenden bei der Stange zu halten, muss sich erst noch erweisen. An den grundlegenden Zutaten für eine gute Thrillerserie mangelt es vornehmlich zu Beginn jedenfalls nicht. Die beiden Hacker Samir und Walid leben in Damaskus und sind auf gefährliche Geheimnisse gestoßen, die sich für sie als Goldader erweisen könnten. Doch bevor sie ihr Wissen verkaufen können, wird ihr Versteck von einer Spezialeinheit überrannt.

Der Start hinterlässt einen guten Eindruck, zumal die Rollen durchaus sympathisch von Aziz Dyab und Marco Horanieh verkörpert werden. Über Irrwege gelingt die Flucht aus Damaskus, wo die beiden IT-Spezialisten vom Söldner Gabriel erwartet werden. Er arbeitet für die französische Regierung, die die beiden Experten unbedingt für sich gewinnen will. Es ist nicht überraschend, dass die Rettungsaktion gründlich schiefläuft, womit innerhalb weniger Minuten die zweite Actionszene eröffnet wird, gut so.

Logiklöcher im Mittelteil

Bis hierhin erweist sich die Geschichte noch als verhältnismäßig rund. Doch von nun an reiht sich eine Unglaubwürdigkeit an die andere. Die Macher preisen Gabriel als hartgesottenen Profi an, doch der lässt sich sogleich von russischen Privatsoldaten in die Falle locken. Später in London läuft es für ihn auch nicht besser und der Plan, die Hacker unauffällig nach Paris zu bringen, gerät zum Desaster. Kein Wunder also, dass er bei seiner Ex Alison auftaucht. Oder etwa doch? Sie arbeitet für Minister Banks und verfügt daher über eine hohe Sicherheitsstufe. Dass trotzdem niemand weiß, dass sie mit einem käuflichen Profi verheiratet war, der nun in einem gut überwachten Hotel munter in die Kamera schaut, während er Walid durch die Gänge jagt, ist schlicht unglaubwürdig. Man darf doch wohl davon ausgehen, dass eine so hochrangige Mitarbeiterin auf Herz und Nieren geprüft ist, bevor sie ihren Dienst verrichten darf.

Der Unlogik ist allerdings noch nicht genüge getan. Minister Banks erwartet von Alison, dass sie ihren Lebenspartner Albert (Daniel Francis), einen bekannten Anwalt für Menschenrechte, damit beauftragt, Gabriels Immunität als Botschaftsangehöriger aufheben zu lassen. Serienerfinderin Virginie Brac konstruiert hier auf Biegen und Brechen ein Beziehungsgeflecht, das an allen Ecken und Enden hinkt. Alison und Gabriel waren zwar einst ein Paar und arbeiten für Regierungen, die offiziell verbündet sind, allerdings steht außer Frage, dass beide Länder auf Bündnisse pfeifen, wenn es um die eigenen Sicherheitsinteressen geht. Was sollte Alison also dazu veranlassen, mit ihrem ehemaligen Lebenspartner zusammenzuarbeiten?

Noch mehr Schatten, aber nicht nur

Hinzu kommt, dass die Figuren in der Pilotepisode recht blass wirken und keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Gabriel ist eine typische Söldnerseele, der zwar sagt, er sei müde, aber für Geld so ziemlich alles tut. Alison ist erfolgsorientiert und macht ihren Untergebenen Druck. Albert ist ein aufstrebender Anwalt, der dem Erfolg hinterherjagt und Walid und Samir sind Nerds, die durch Zufall auf etwas gestoßen sind, das ihnen den Kopf kosten könnte. Viel mehr erfährt man nicht. Dies riecht nach abgedroschenen Figurenaufbau, der zwar nicht unsympathisch ist, andererseits aber wenig Möglichkeiten bietet, die Protagonisten näher kennenzulernen.

Fairerweise muss allerdings resümiert werden, dass wir hier lediglich über die erste von sechs Episoden reden und Liaison durchaus noch einige Überraschungen bereithalten könnte. Wie oben erwähnt, sind die schauspielerischen Leistungen ohne Fehl. Die Action geht ebenfalls absolut in Ordnung und bietet stellenweise passable Unterhaltungswerte. Außerdem könnte die Frage, was die beiden syrischen Nerds da entdeckt haben, und wer ihnen deshalb auf den Fesen ist, noch interessant werden. Und was hat das alles mit dem Hackerangriff auf die britische Cyberabwehr und die Schleusen Londons zu tun? Das sind spannende Ansätze, die das Publikum bei der Stange halten könnten.

Fazit

Bei aller Kritik, steckt möglicherweise doch eine unterhaltsame Thriller-Serie in „Liaison“. Vergessen wir für einen Moment, dass die Figuren wie auf dem Reißbrett konstruiert daherkommen und konzentrieren uns auf die in der Pilotfolge etablierten Fragen. Wenn das Tempo anzieht und wir in den kommenden Episoden eine atemlose Hetzjagd mit einigen mitreißend geschriebenen Wendungen erleben, könnte die Serie die in sie gesteckte Erwartung doch noch erfüllen.

Es lässt sich bisher nicht absehen, wohin uns die etablierten Geheimnisse führen und welche wir gemeinsam mit den Protagonisten noch aufdecken. Vincent Cassel und Eva Green verfügen zudem locker über genügend Charisma und Spielfreude, um die Staffel zu tragen. Es bleibt also zu hoffen, dass sich die Geschichte in die erhoffte Richtung entwickelt. Wenn die Action stimmt und der Stoff rasant genug inszeniert ist, schaut das geneigte Publikum auch gerne über das eine oder andere Logikloch hinweg.

Abschließend noch der Trailer zur ThrillerserieLiaison“ beim Streamingdienst Apple+:

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