Leverage 5x15

Leverage 5x15

Am Ersten Weihnachtsfeiertag hat sich in den USA die beliebte Gaunerserie Leverage nach fünf Staffeln von den Bildschirmen verabschiedet - mit einem Ende, welches ein bisschen überstürzt über das Publikum hereinbrach.

Nate gibt in „The Long Goodbye Job“ das Steuer ab... / (c) TNT
Nate gibt in „The Long Goodbye Job“ das Steuer ab... / (c) TNT

Das passiert im Leverage-Serienfinale The Long Goodbye Job:

Ein arg mitgenommener und angeschrammter Nate Ford (Timothy Hutton) sitzt einer Interpol-Agentin (Catherine Dent) gegenüber, der er die Geschichte erzählt, wie er und seine Crew in die Räumlichkeiten eines Pharma-Unternehmens eindringen wollten, um ein Medikament zu stehlen, welches von dem Unternehmen auf Grund seiner mangelnden Profit-Chancen zurückgehalten wurde. Das Gebäude war jedoch mit einer praktisch unüberwindlichen Sicherheitsanlage geschützt.

Wieder und wieder fragt die Interpol-Agentin Nate, was bei den Job schief gelaufen ist. Und wie es kommen konnte, dass seine Crew gestorben ist...

Der Con hinter dem Con

Einerseits ist The Long Goodbye Job ein absolut grandioses Serienfinale. Beschäftigen wir uns erst mal damit, bevor wir auf das Andererseits kommen. Grandios ist die Folge deshalb, weil im Mittelpunkt ein durch und durch raffinierter und ausgeklügelter Con steht, welcher - anders als die zahllosen „kleinen Fische“, mit denen sich das Team sonst oft Woche für Woche beschäftigt - die Leverage-Crew wirklich fordert. Mit Sterling (Mark Sheppard) und dessen Kollegin hat sie zudem zwei absolut formidable Kontrahenten gegen sich, welche dem Leverage-Team an Cleverness in nichts nachstehen. Tatsächlich ist es ihre Cleverness, auf die Nate sogar zählt!

Dass der vermeintlich schief gelaufene Con nur die Vorbereitung für den eigentlichen Con gewesen ist und dass dieser einschließt, dass Sterling zumindest teilweise hinter Nates Plan kommt, sind nur zwei der vielen köstlichen Wendungen in dieser Episode, die zudem - gerade während der ersten Viertelstunde - auch extrem spannend ist. Denn dadurch, dass wir völlig unvorbereitet in die Verhörszene geworfen werden (hier passt der Begriff cold open an Stelle von Teaser einmal wirklich gut), können wir überhaupt nicht absehen, dass es sich bei Nate um einen unzuverlässigen Erzähler handelt.

Und da es das Serienfinale von Leverage ist, war die Möglichkeit nicht ganz von der Hand zu weisen, dass sich die Macher tatsächlich für einen blutigen Abschied entscheiden würden. Als Parker (Beth Riesgraf) angeschossen wird, Hardison (Aldis Hodge) abstürzt und Eliot (Christian Kane) von einer Kugel durchbohrt wird, konnte einem schon wirklich mulmig werden. Zum Glück stellt sich das als elaboriertes Lügenkonstrukt heraus.

Kind der Krise

Der Gegenstand, um den es im letzten Con von Leverage geht, ist äußerst passend gewählt. Leverage verdankte seinen Erfolg nicht zuletzt einem - ungeahnt - günstigen Timing. Als die Serie 2008 auf Sendung ging, stand die Finanzmarktkrise, deren Ausläufer wir heute immer noch spüren, gerade in voller Blüte. Die Schattenseiten eines von grenzenloser Gier angetriebenen Kapitalismus wurden weithin sichtbar. In der Wirklichkeit, das war uns schon damals klar, würde gegen die Verantwortlichen nicht viel unternommen werden. Um so günstiger waren damit die Voraussetzungen für ein fiktionales Team von Robin Hoods, welches den Reichen und Mächtigen ihre Grenzen aufzeigt.

In The Long Goodbye Job ist es nur ein Schwarzbuch mit den Namen und Konten all jener Betrüger, die von der Finanzmarktkrise profitiert haben, während andere ihre Renten und Häuser verloren haben, hinter dem das Leverage-Team her ist. In gewisser Weise schließt sich damit ein Kreis. Die Finanzkrise, welche am Anfang von Leverage stand, ist auch der Stoff, aus dem das Ende der Serie gestrickt ist.

Der Kreis schließt sich

Auch sonst wimmelt es in der Episode von zahlreichen Verweisen auf die Pilotfolge, welche den Fans der Serie großen Spaß machen dürften: Sophie (Gina Bellman) darf sich noch einmal an Macbeth versuchen und macht dabei - da es diesmal Teil eines Cons ist - eine wesentlich bessere Figur. Parker nimmt erneut, während sie mit Hardison und Eliot im Aufzug steht, einen freizügigen Kleiderwechsel vor. Und für Parker und Hardison geht es wieder gemeinsam abwärts (auch wenn es sich diesmal um einen Aufzugschacht und nicht um ein Treppenhaus handelt). Wie im Piloten ist auch diesmal das Auseinandergehen des Teams wieder in Aufsicht von oben gefilmt. Inhaltlich wie formal setzen die Macher hier ganz auf eine Zirkelstruktur, welche The Long Goodbye Job klar als Serienfinale ausweist.

Andererseits

Ausgerechnet am Ende hapert es bei The Long Goodbye Job leider ein wenig. Dass Nate Sophie einen Heiratsantrag macht, die beiden miteinander fortgehen und der Rest des Teams allein weitermacht, ist ja nicht per se schlecht. Das alles kommt nur viel zu überstürzt. Wenn man die fünfte Staffel einmal Revue passieren lässt, so kommt es einem nicht im mindesten wie eine konsequente Entwicklung vor. Wieso will Nate jetzt auf einmal Schluss machen? Gerade erst in der vergangenen Folge (The Toy Job) ist doch deutlich geworden, dass er im Team eine Familie gefunden hat, der er vertraut. Warum sollte er jetzt gehen wollen?

In gewisser Weise hätte das durchaus Sinn machen können. Die Familienstruktur des Teams sah immer ein wenig so aus, als wären Nate und Sophie die Eltern und Eliot, Hardison und Parker die Kinder. Da ist der Gedanke naheliegend, dass nach einer gewissen Zeit die Kinder flügge werden und auf eigenen Beinen stehen können. Ein wenig deutet das die Folge im Falle von Parker auch an, welche im Laufe der Zeit ungemein an emotionaler Reife gewonnen hat - und deshalb jetzt mit dem Weggang von Nate und Sophie fertig werden kann. Weshalb es dafür nun der richtige Zeitpunkt ist.

Irgendwie wäre es jedoch schöner gewesen, wenn man darauf etwas gezielter hingeleitet hätte. Es sieht ein wenig danach aus, dass die Macher erst sehr spät und als die Absetzung in immer greifbarere Nähe rückte, sich dazu entschieden haben, aus dem Seasonfinale das von ihnen schon lange im Voraus geplante Serienfinale zu machen. Allerdings ohne dass sich dieses organisch in die fünfte Staffel einfügen konnte.

We provide Leverage

Abgesehen davon ist das Finale in Hinblick auf die Figuren allerdings durchaus zufriedenstellend: Wir erfahren - Nates Finte zum Trotz - immer noch nicht Sophies „richtigen“ Namen. Wozu auch? Was wäre gewonnen gewesen, wenn sie wirklich Laura heißen würde? So bleibt ihr bis zum Schluss eine Aura des Mysteriösen. Auch wenn wir annehmen dürfen, dass ihr Gatte-in-spe die Wahrheit kennt. Nate und Parker haben einen sehr schönen Moment auf dem Dach, in dem er ihr sein Vertrauen und seine Wertschätzung ausgedrückt. Durchaus folgerichtig übernimmt sie am Ende seine Position als Planerin - und darf in einer Szene, die Eins-zu-Eins der Schlussszene des Piloten nachempfunden ist, das Versprechen abgeben: „We provide... Leverage.

Fazit

Natürlich ist es traurig, dass es keine weiteren Folgen von Leverage geben wird. Aber wie ich in den vergangenen Tagen schon häufiger schreiben musste: Es war der richtige Zeitpunkt. Die Con-der-Woche-Folgen hatten sich, das wurde in der fünften Staffel deutlich, doch schon sehr verbraucht. Mehr hätte ich mir davon auch nicht unbedingt anschauen wollen. So kann ich die Serie in Erinnerung behalten als clevere Unterhaltung; die perfekte Fusion aus Karl Marx und „Das A-Team“ - mit Figuren, denen man gerne Woche für Woche bei ihren Robin-Hood-Streichen zugesehen hat und deren Entwicklung - vor allem die von Parker - einem sehr zu Herzen gegangen ist.

Verfasser: Christian Junklewitz am Donnerstag, 27. Dezember 2012
Episode
Staffel 5, Episode 15
(Leverage 5x15)
Deutscher Titel der Episode
Das schwarze Buch
Titel der Episode im Original
The Long Goodbye Job
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 25. Dezember 2012 (TNT)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 8. August 2014
Autoren
John Rogers, Chris Downey
Regisseur
Dean Devlin

Schauspieler in der Episode Leverage 5x15

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