Leverage 4x12

Ein langjähriger Mitarbeiter einer Grußkartenfirma wird überraschend gefeuert - und wendet sich an das Leverage-Team. Er glaubt, dass er entlassen wurde, weil er auf Unregelmäßigkeiten in den Büchern gestoßen ist, für die er den neuen Chef (Josh Randall) des Unternehmens verantwortlich macht. Nate (Timothy Hutton) und seine Kollegen schleichen sich als „Effizienzexperten“ in die Firma ein.
Womit sie nicht gerechnet haben: Ein deutscher Filmemacher (Peter Stormare) dreht gerade eine Doku über die Geschehnisse in den Büros der Grußkartenfirma. Und so befindet sich das Leverage-Team auf einmal in der ungewöhnlichen Situation, dass sie bei ihrer Arbeit auf Schritt und Tritt von Kameras begleitet werden - eine Situation, die manche von ihnen dazu benutzen, ihrem Ärger über das eigene Arbeitsumfeld Luft zu machen.
Leverage meets The Office. Wer Folgen mag, in denen die Serie etwas aus ihrem gewohnten Schema ausbricht, der kommt in The Office Job voll auf seine Kosten.
So schön am Ende auch die Wendung ist, dass zur Abwechslung mal nicht der Boss der Bösewicht ist, so nebensächlich ist letztlich der Fall-der-Woche. Im Mittelpunkt steht die The Office-Hommage, welche von Regisseur Jonathan Frakes stilsicher umgesetzt wird, angefangen bei den Handkameras bis hin zu den Angestellten-Interviews.
Letztere geben unseren Protagonisten ein gänzlich ungewohntes Forum, um ihre Konflikte auszutragen. Ob es nun darum geht, dass Eliot (Christian Kane) Hardison (Aldis Hodge) verdächtigt, ihm ein Sandwich aus dem Kühlschrank geklaut zu haben, oder darum, dass Sophie (Gina Bellman) den Eindruck hat, dass Nate sie einer „umgekehrten Bevorzugung“ unterwirft, seit sie zusammen sind: Um zu zeigen, dass er sie nicht bevorzugt, schmettert er ihre Vorschläge einen nach dem anderen ab. Das geht Sophie so sehr auf die Nerven, dass sie darüber mittlerweile sogar schon Buch führt.
Sehr schön - und höchstwahrscheinlich gar nicht einmal beabsichtigt - zeigt die Folge durch das Doku-Stilmittel sogar auf, wie Konflikte auch auf mediale Einflüsse reagieren. Während die Kommunikation in der Interviewsituation - durch einen Dritten hindurch und auf einen Dritten hin - ein Aufschaukeln des Konflikts zwischen Nate und Sophie bewirkt („God complex? I don't know what this even means!“), reicht eine einzelne Grußkarte aus, um die beiden zu versöhnen.
Statt Sophies englischen Akzent zu kritisieren, hätte sich Nate vielleicht lieber einmal Peter Stormare zuwenden sollen. Dessen vermeintlich deutscher Akzent driftet zwischendurch so weit ab, dass er mehr wie ein Franzose klingt. Ansonsten ist seine Darstellung des von Unheil und Niedergang schwärmenden deutschen Autorenfilmers allerdings ganz wunderbar - bis hin zur Wim-Wenders-Wuschelfrisur.
Stormare, dessen Rollenname Günther lautet (weil Deutsche in US-Serien entweder Günther oder Detlev heißen, was natürlich der Name seines Kameramanns ist...), stellt in The Office Job insbesondere Parker (Beth Riesgraf) nach, in welcher er eine verwandte deutsche Seele erkennt. Und ja, man kann es ihm nicht verdenken: Zu sehen, wie ausgerechnet Parker Grußkarten-Ideen entwickelt, ist ein Erlebnis für sich - und gehört ebenfalls zu den Highlights dieser Folge.
Es ist schwer, sich unter ihren Grußkarten für einen Favoriten zu entscheiden: Ist es die Karte, die zum Highschool-Abschluss einen Dinosaurier zeigt, der einem Löwen den Kopf abreißt? Oder doch eher die Eheglückwünsche, die mit einer Eiswüste illustriert werden?
Fazit
The Office Job ist eine Folge, die einfach nur Spaß machen will. Und der das auch hervorragend gelingt. Leverage zeigt hier wieder einmal, welcher Variantenreichtum in der Serie steckt.
Verfasser: Christian Junklewitz am Mittwoch, 7. Dezember 2011(Leverage 4x12)
Schauspieler in der Episode Leverage 4x12
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?