Leverage 3x12

Leverage 3x12

Leverage erzählt eine ganz andere Art von Geschichte als wir es von der Serie bislang kannten - und bleibt sich am Ende doch treu. Dass die Gaunerserie dabei das Grundgerüst einer berühmten Filmerzählung klaut, tut dem Spaß keinen Abbruch.

Ist sich schon viel früher einmal über den Weg gelaufen: Das Team von „Leverage“ / (c) Electric Entertainment
Ist sich schon viel früher einmal über den Weg gelaufen: Das Team von „Leverage“ / (c) Electric Entertainment

1950 brachte der japanische Star-Regisseur Akira Kurosawa (u.a. „Die sieben Samurai“, 1954) eines der größten Kunstwerke der Filmgeschichte auf die Leinwand: „Rashomon“. Ein Mönch, ein Holzfäller und ein Vagabund flüchten vor dem Regen unter das Rashomon-Tor, wo der Mönch und der Holzfäller von einer Gerichtsverhandlung berichten, an der sie gerade teilgenommen haben.

Angeklagt war der berüchtigte Verbrecher Tajomaru, dem vorgeworfen wurde, einen Samurai - im Streit um dessen Frau - ermordet zu haben. Drei Aussagen werden vor Gericht gehört: Der Verbrecher, die Frau und - qua Geisterbeschwörung - das Mordopfer. Alle drei erzählen jedoch eine völlig andere Geschichte, in der am Ende auch ein völlig anderer Mörder steht. Es scheint unmöglich aufzuklären, was wirklich im Wald geschehen ist. Erst der Holzfäller bringt Licht ins Dunkel, als er seine ursprünglichen Angaben - verbunden mit einem für ihn höchst unangenehmen Geständnis - korrigiert.

Rashomon“ wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet (u.a. dem Oscar als bester fremdsprachiger Film 1952) - und das Prinzip der einander widersprechenden Erzählungen seitdem unzählige Male kopiert und variiert. Natürlich lag es nahe, dass man ein derart wunderbares Stilmittel nicht nur in einer dramatischen Geschichte voll philosophischer Tiefe, sondern auch in einer Komödie einsetzen konnte. Zu einer wahren Meisterschaft hat es, was das angeht, Steven Moffat gebracht - allen voran mit seiner umwerfend komischen (wie romantischen) Coupling-Folge Remember This.

Leverage-Miterfinder (und Moffat-Fan) John Rogers liefert nun mit The Rashomon Job eine nicht minder köstliche Variante des großen Vorbilds ab: Sophie, Eliot, Hardison und Parker streiten darüber, wer von ihnen an einem Abend vor fünf Jahren einen wertvollen Dolch aus dem Kunstmuseum in Boston gestohlen hat. Zwar kann jeder von ihnen zeigen, wie er - ohne es zu ahnen - den anderen zuvorgekommen ist. Allerdings standen sie alle am Ende mit leeren Händen da. Erst Nate gelingt es, die Puzzleteile zusammenzufügen.

Sicher: eine große Schwäche hat die Folge. Würde man derart groß damit angeben, einen Dolch gestohlen zu haben, wenn man ihn am Ende doch nicht bekommen hat? Wohl eher nicht. Das gibt Abzüge in Sachen Handlungslogik. Hier wäre es vielleicht besser gewesen, wenn man einen Weg gefunden hätte, weitere Fälschungen ins Spiel zu bringen.

Abgesehen von diesem einen Manko ist The Rashomon Job ein schöner Ausbruch aus der üblichen Leverage-Routine - mit der herrlichen Volte, dass sich der Dolch am Ende im Besitz eines fiesen Öl-Managers befindet. Und das Team zu einer neuen Robin-Hood-Mission aufbricht, um ihm - diesmal in Gesmeinschaftsarbeit - den Dolch abzunehmen.

Geschickt arbeitet Rogers nicht nur das komplexe Handlungsgeflecht im Museum aus (wobei am Ende natürlich alles - und vor allem Gaststar John Billingsley (Star Trek: Enterprise) - ganz anders ist, als es am Anfang scheint); er setzt auch überaus gelungen das Mittel des unzuverlässigen Erzählers ein. Da sich das Leverage-Team zu diesem Zeitpunkt noch nicht kannte, setzt jeder aus seiner Erinnerung für die jeweils anderen fremde Gesichter ein.

Ein besonderer Spaß: Wie unterschiedlich sich alle an Sophies britischen Akzent erinnern, wodurch wir Gina Bellman zum ersten Mal in der Serie einen schottischen Akzent ausprobieren hören. Sowie jenes herrliche Fantasie-Blabla, an das sich Parker erinnert.

Alles in allem eine schöne Abwechslung. Auch wenn die Grundidee geklaut ist. Aber hey, es ist schließlich auch eine Gaunerserie!

(Ich muss mich vielmals dafür entschuldigen, dass die Reviews zu den letzten zwei Folgen ausgefallen sind. Ich hoffe, sie so bald wie möglich nachholen zu können.)

Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 24. August 2010
Episode
Staffel 3, Episode 12
(Leverage 3x12)
Deutscher Titel der Episode
Adel verpflichtet
Titel der Episode im Original
The King George Job
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 29. August 2010 (TNT)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 30. April 2012
Autor
Christine Boylan
Regisseur
Millicent Shelton

Schauspieler in der Episode Leverage 3x12

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