Leverage - Redemption: Review der ersten acht Folgen

© ie Darsteller aus der Serie Leverage: Redemption (c) IMDb TV
Revival
Späte Fortsetzungen oder Revivals haben es nicht automatisch einfach, wenn sie an den Start gehen. Denn sie sollen sowohl neuen als auch mit der „alten“ Serie vertrauten Zuschauern etwas bieten, was zum Weiterschauen bewegt. Während die neuen Zuschauer das Serienkonzept und gegebenenfalls die Charaktere noch nicht kennen und entsprechend abgeholt werden müssen, haben die mit dem Konzept vertrauten eine gewisse Erwartungshaltung, die erfüllt werden muss. Jetzt sind seit dem fünften Staffelfinale und gleichzeitig Serienfinale erst vergleichsweise wenige Jahre vergangen, die Erinnerungen an Leverage somit noch relativ frisch (jedenfalls bei mir), womit sich annehmen lässt, dass Leverage: Redemption hauptsächlich auf die Zuschauer abzielt, die mehr von der „alten“ Serie sehen und wissen wollen, wie es mit den Charakteren acht Jahre später weitergeht.
Welche Voraussetzungen müssen jetzt erfüllt werden? Nun, zunächst einmal möchte ich natürlich den alten Cast zurückhaben, was mit einer Ausnahme auch (zumindest für die ersten beiden Episoden von Leverage: Redemption) der Fall ist - check. Des Weiteren sollte sich das Revival auf den alten Pfaden bewegen und somit hinter den Kulissen ebenfalls bekannte Namen wie Dean Devlin, John Rogers und Chris Downey aufweisen, die das Serienkonzept damals eingeführt haben - check. Ohne ein paar Veränderungen kommt man vermutlich trotzdem nicht aus, erst recht, wenn es bereits ein rundes Serienfinale gab. Folglich sollten diese Veränderungen zum Rahmen der verstrichenen Zeit passen und neue Figuren, die zum Ensemble stoßen, gut genug eingebaut werden, damit man sie als Zuschauer schnell liebgewinnen und mit ihnen gleichermaßen mitfiebern kann wie mit den altbekannten Gesichtern - check?

Nach den Ankündigungen im Vorfeld - und ich habe erst spät von diesem Revival erfahren - war ich sehr gespannt auf das Resultat und nach den ersten acht Folgen, die in einem Rutsch zur Verfügung standen, bin ich durchaus sehr zufrieden. Wobei ich gleich anmerken muss, dass ich „Leverage“ damals schon sehr gerne verfolgt habe und somit eine kleine Fanbrille trage, wenn ich diesen Text schreibe. Daher schon mal kurz nachgefragt: Gibt es hier Zuschauer, die mit der alten Serie noch nicht vertraut sind und sich trotzdem schon an das Revival herangewagt haben? Wie kommt „Leverage: Redemption“ bei Euch an?
Leverage: Redemption

Acht Jahre sind seit The Long Goodbye Job vergangen. Nathan Ford (Timothy Hutton) und Sophie Devereaux (Gina Bellman) haben geheiratet, allerdings ist Nate vor einem Jahr verstorben. Zum Jahrestag seines Todes treffen sich Sophie, Parker (Beth Riesgraf), Eliot (Christian Kane) und Hardison (Aldis Hodge) an seinem Grab und beschließen - um der alten Zeiten willen und um Sophie aufzumuntern - noch einmal als Team einen Heist durchzuführen. Als sie dazu ein Museum auskundschaften, stellen sie fest, dass hier bereits ein Bruch läuft. Auftritt Harry Wilson (Noah Wyle), der aus Schuldgefühlen heraus seinem momentanen Klienten Fletcher Maxwell (Reed Diamond) um einen substantiellen Teil seines Vermögens erleichtern will.
Um es gleich vorwegzunehmen: Harry wird nicht als Ersatz für Nate eingeführt. Er beschert unserem Team zwar den ersten (neuen) Fall, der sich über zwei Episoden erstrecken soll, ist aber keineswegs das Mastermind unserer Gruppe und soll auch in den nächsten Folgen nicht dazu aufsteigen. Im Gegenteil, Harry muss erst noch lernen, wie das Team funktioniert und hat Probleme damit, sich vollständig in die neue Gruppe zu integrieren. Ein willkommener Ansatz, wobei Harry als (ehemaliger) Anwalt ein eigenes, kleines Repertoire an Fähigkeiten aufweist, die unserem Team hier und dort weiterhelfen. Für meinen Geschmack kommt die Figur in den ersten acht Episoden allerdings ein wenig zu kurz, fehlt in der fünften Folge (genau wie Eliot) fast komplett und lässt mich somit nach der ersten Staffelhälfte noch mit einigen Fragezeichen darüber zurück, ob ich den Neuzugang nun mag oder nicht.
Als weiterer Neuzugang kommt Breanna (Aleyse Shannon) in der zweiten Episode ins Spiel. Hier ist offensichtlich, dass Breanna Hardison ersetzen soll, der sich in der zweiten Folge auch verabschiedet (Rückkehr allerdings nicht ausgeschlossen). Entsprechend sind ihre Fähigkeiten mit denen von Hardison vergleichbar, vielleicht einen Tick moderner angesiedelt, wenn man darauf blickt, dass bei ihr die sozialen Medien höher im Kurs sind und auch Drohnen (mit zweifelhaftem Erfolg) zum Einsatz kommen. Ähnlich wie Harry muss sie sich allerdings erst ins Team integrieren und ich würde meinen, dass es bei Breanna schneller geht, sie eher im Team und auch beim Zuschauer akzeptiert wird. Durch den Abgang von Hardison fehlt aber dessen Beziehung mit Parker in den weiteren Episoden, was schon ein Verlust ist, der sich weniger einfach verschmerzen lässt, auch wenn Hardison gefühlt in jeder Folge erwähnt wird und „aus der Ferne“ kleinere Beiträge liefert.
Serienkonzept

Das Konzept ist das gleiche wie damals, als Leverage an den Start ging. Mit jeder Folge (abgesehen vom Auftakt, der mit Bösewicht Fletcher zwei Episoden umfasst) gibt es einen neuen Fall, der unser Team dazu animiert, einem reichen Bösewicht sein Vermögen aus der Tasche zu ziehen, um den armen Opfern zu helfen und/oder ihnen Gerechtigkeit zu verschaffen. Einbrüche sind dabei an der Tagesordnung, wobei jedes Teammitglied seine besonderen Fähigkeiten nutzen darf, um bis zum Episodenende den Fall erfolgreich abzuschließen. Für den Zuschauer wird dabei ein anfänglicher Plan präsentiert, der bis zu einem bestimmten Punkt auch verfolgt und umgesetzt wird, ehe etwas schiefgeht und es so aussieht, als ob der jeweilige Bösewicht doch die Oberhand behalten würde. Anschließend erfolgt ein Twist, stets von Rückblicken begleitet, der entweder den (uns nicht gezeigten) „wahren“ Plan offenbart oder aber aufzeigt, wie unser Team improvisiert hat, um den Bösewicht doch noch zu stürzen. Diese Art von Auflösung muss man schon mögen, um der Serie etwas abzugewinnen, denn in den meisten Fällen hat man als Zuschauer keine Chance, den jeweiligen Twist vorherzusehen.
Eine übergeordnete Handlung gibt es beim Revival bloß in kleineren Ansätzen und diese wird durch Harry Wilson losgetreten, der seine vergangenen „Taten“ wieder gutmachen möchte (Stichwort: redemption). Nach den ersten Folgen gerät diese Rahmenhandlung (sofern man sie überhaupt als solche bezeichnen kann) aber schnell in den Hintergrund und es bleibt fraglich, ob sie bloß als Aufhänger diente, um unser Team wieder ins Geschäft zu bringen oder im weiteren Verlauf doch wieder in den Vordergrund rückt. Wichtiger ist ohnehin, dass die jeweiligen Fälle stimmen und da finden die Macher in meinen Augen durchaus gute Abenteuer, die von klassisch bis hochmodern reichen und somit abwechslungsreich gestaltet sind. Wobei stets ein bisschen bis viel Augenzwinkerei vorhanden ist, denn wir haben hier keine todernste Dramaserie vor uns, auch wenn es hin und wieder Ausflüge in ernste Themen gibt. Unterhaltung steht im Vordergrund, soll teilweise zum Lachen anregen und insofern sollte man die einzelnen Fälle auch nicht mit der Lupe betrachten und auf Glaubwürdigkeit prüfen. Da würde man auch bereits an den Fähigkeiten der Charaktere scheitern, die nicht selten bewusst übertrieben dargestellt werden.
Apropos Charaktere, das wesentliche Gerüst besteht aus dem Cast und deren Rollen, denn falls einem die Figuren nicht zusagen, hat man auch kein Interesse daran, die Serie weiterzuverfolgen. Leverage: Redemption macht hier einen guten Job und lässt ohne Zweifel erkennen, dass wir bei Sophie, Parker, Eliot und Hardison die gleichen Figuren vorfinden wie damals. Breanna kann die Lücke, die Hardison ab Folge drei hinterlässt, zwar (noch) nicht komplett füllen und Harry ist für mich noch etwas gewöhnungsbedürftig. Aber, was die verbleibenden drei Figuren angeht, bin ich sehr zufrieden. Die Chemie untereinander ist noch immer gut und die üblichen Macken und Ticks sind vorhanden, die jede Figur auf ihre Weise so speziell machen. Daran kann man sich kaum sattsehen. Obendrein gibt es ein paar Referenzen an vergangene Abenteuer oder hin und wieder auch mal welche der popkulturellen Sorte, die dem Zuschauer schnell ein Grinsen bescheren. Ohne Mastermind Nate ist unser Team dabei gezwungen, selbst die Pläne auszuarbeiten und demokratisch über die Vorgehensweise zu diskutieren - eine Neuerung, die begrüßenswert ist und stellenweise auch die Neuzugänge zu Wort kommen lässt.
Bisherige Abenteuer

An dieser Stelle würde ich gerne jede der acht Episoden genauer unter die Lupe nehmen, aber das würde den Rahmen des Artikels sprengen. Insofern jetzt nur ein paar kleine Eindrücke zu den Abenteuern der ersten Staffelhälfte.
The Too Many Rembrandts Job und The Panamanian Monkeys Job bringen das Team zurück und stellen die Neuzugänge vor. Ein Auftakt, der stimmig dort ansetzt, wo uns das Serienfinale von Leverage zurückgelassen hatte und die seitdem verstrichene Zeit berücksichtigt. Unter der Regie von Dean Devlin und aus der Feder von John Rogers und Chris Downey findet man sich schnell in den gewohnten Gewässern mit grifter, hitter, hacker und thief wieder, die schon 2008 den Reiz der Serie ausmachten. Allerdings muss der Tod von Nate verkraftet werden und sowohl Harry als auch Breanna lassen sich zunächst noch skeptisch beäugen.
The Rollin' on the River Job würde ich als eher klassisches Abenteuer bezeichnen. Hier darf Breanna sich beweisen, nachdem sie anfangs einen Fehler begeht. Mein persönliches Highlight ist Parkers Ausrede, um ein Gespräch mit Lloyd Van Winkle (Bernard Hocke) zu vermeiden, bei welchem sie auf eine ihrer Antwortkarten zurückgreift. Außerdem hat mir gefallen, wie Eliot mit Wachmann Dennis (Ritchie Montgomery) umgeht.
In The Tower Job begeht Harry einen schwerwiegenden Fehler und Bösewicht Jason Crawley (Andy Favreau) kann einem dann zum Ende hin schon fast leidtun. Witzigster Moment für mich ist, als Krista (Kim Matula) mit ihrem Lover zufällig unser Team vorfindet.
Die Halloween-Folge The Paranormal Hacktivity Job gehört ebenfalls zu den eher klassischen Episoden und gleichzeitig zu den amüsanteren Beiträgen. Ein Auftragskiller (Matt McTighe), der sich „Wraith“ nennt und an Gespenster glaubt? Köstlich. Kleines Manko ist allerdings, dass Eliot und Harry auf der Ersatzbank sitzen.
The Card Game Job rückt Breanna ein wenig in den Fokus, die sich mit dem titelgebenden Spiel auskennt. Die Rollenspielanteile beim Festival (insbesondere von Eliot) laden zum Grinsen ein und Bösewicht Jim Cordozar (Max Sheldon) gehört zu den Widerlingen, denen man den Untergang am meisten gönnt.
The Double-Edged Sword Job hat mir vermutlich am wenigsten gefallen, obwohl das Thema durchaus interessant ist, aber selbst für „Leverage“-Verhältnisse viel zu übertrieben dargestellt wird. Bösewicht Joseph Cheng (Lawrence Kao) wird am Ende mit den eigenen, fragwürdigen Mitteln geschlagen, was in diesem Fall aber neben Genugtuung auch einen unangenehmen Beigeschmack hinterlässt. Pluspunkt ist allerdings Maria Shipp (Andrea Navedo), die gerne auch in Zukunft mit Eliot aneinandergeraten darf.
Die vorerst letzte Episode The Mastermind Job ist ein kleiner Spezialfall. Joey Slotnick spielt hier Milton, einen falschen Nate, der ein Buch mit brisanten Details über unsere Crew und seine angebliche Rolle als Mastermind veröffentlichen will. Dabei besteht seine besondere Fähigkeit darin, Personen mit seinen langweiligen Ausführungen in den Schlaf zu reden. Der eigentliche Fall betrifft aber eine andere Figur (Nick Tarabay), die aus dem Verkehr gezogen gehört. Witzig anzusehen und sicher eine der ungewöhnlichsten Folgen bislang. Gerne mehr davon.
Fazit

Ein durchaus gelungenes Revival, welches den bekannten Cast in gewohnter Manier zu nutzen weiß und die Neuzugänge angemessen ins Team einführt, auch wenn hier zumindest bei Harry Wilson die Gewöhnungsphase noch anhält. Die Episoden sind gewohnt abwechslungsreich, amüsant und unterhaltsam, wozu das gesamte Darstellerensemble beiträgt. Wer sich mehr Leverage gewünscht hat, ist hier auf jeden Fall richtig aufgehoben. Von mir gibt es vier von fünf Sternen für die erste Staffelhälfte. Und von Euch?
Leverage - Redemption: Wer hat die Lizenz für Deutschland an der IMDb-TV-Serie?
Leverage - Redemption: Offizieller Serientrailer
Hier der aktuelle Serientrailer zur neu angelaufenen Serie „Leverage: Redemption“:
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