Leverage: Redemption 1x16

© zenenbild aus der Serie Leverage: Redemption (c) IMDb TV
Leverage: Redemption
Wer kennt das nicht? Man schlägt morgens die Zeitung auf oder liest im Internet die neuesten Nachrichten und fragt sich, ob daraus nicht eine interessante Story in Film- oder TV-Form gestrickt werden könnte. Das ist mehr oder weniger das, was die Macher hinter Leverage oder jetzt Leverage: Redemption tun, um uns zu unterhalten und was sich nicht selten in den Folgen widerspiegelt. Natürlich geht unser Team dabei am Ende des Tages als Sieger hervor, weil die Serie so angelegt ist und weil es unser Verlangen befriedigt, für die jeweiligen Opfer sowas wie Gerechtigkeit zu erfahren. Insofern sehr episodisch angelegt, aber auf aktuelle Themen fokussiert, die durch die Serie dazu einladen, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Und einen Heist gibt es auch in (fast) jeder Episode.
Hinzu kommt ein mindestens guter Cast aus verschiedenen Figuren, die alle ihre eigenen Kreuze tragen, spezielle Fähigkeiten beherrschen (von denen unsereins nur träumen kann) und diese nutzen, um den Alltag der Leute zu verbessern, die sonst auf der Strecke bleiben würden. Dieses Prinzip ist nicht neu und ich könnte an dieser Stelle sicher eine Unzahl von Serien nennen, die ähnlich ausgerichtet sind (vielleicht abzüglich der Heist-Thematik) und dabei sogar Jahrzehnte zurückgehen. Möchte ich aber gar nicht, denn „Leverage: Redemption“ funktioniert ähnlich gut wie „damals“ „Leverage“ oder eben die ganze Palette von Serien, die auf hilfsbedürftige Personen ausgerichtet sind, die ohne unsere Helden aufgeschmissen wären.
Die Hauptfiguren müssen dabei nicht unbedingt authentisch wirken. Es ist vielmehr das Verlangen nach einer besseren Welt, was den Zuschauer zu begeistern weiß. Dennoch müssen die Hauptfiguren (jede/r auf ihre/seine Weise) zu überzeugen wissen, sonst könnte man nicht mit ihnen mitfiebern, wenn der Plan zu scheitern droht.
Zweite Staffelhälfte: Charaktere
Aufbauend auf meinen Eindrücken zur ersten Staffelhälfte, bei denen die Neuzugänge Harry Wilson (Noah Wyle) und Breanna Casey (Aleyse Shannon) bereits kurz angesprochen wurden, möchte ich jetzt ein wenig über die zweite Staffelhälfte schreiben. Und zwar zunächst über unsere Hauptfiguren und deren kleinere bis größere Entwicklungen.
Fangen wir mit Harry an, der sich des Öfteren außerhalb seiner Komfortzone bewegen muss. Sei es, weil bestimmte Figuren gerade keine Zeit haben oder schlicht abwesend sind und er dann zusehen muss, wie er bestimmte Aufgaben bewältigt. Das macht schon Spaß und bringt eine andere Dynamik ins Spiel, als wenn alle Figuren „nur“ ihren vorgesehen Aufgaben nachgehen. Obendrein darf er einen Fall in The Golf Job an Land ziehen und ihm sind auch die letzten beiden Folgen der Staffel gewidmet, die übrigens eine Doppelfolge darstellen. Aber es ist jetzt nicht so, dass er dauerhaft im Fokus steht und ich glaube, das tut der Serie auch ganz gut. Harry wird ins Team integriert, kann gute Beiträge liefern, aber bestimmt eben nicht die Handlung. Kann man sich gut mit anfreunden, auch mit Blick auf die letzten beiden Episoden, die sich auf diese Figur mehr oder weniger konzentrieren und die weitere Teilnahme von Noah Wyle in einer möglichen zweiten Staffel vielleicht fraglich machen.
Breanna bleibt vornehmlich ein Ersatz für Hardison (Aldis Hodge), aber auch sie darf sich einige Male außerhalb ihrer eigentlichen Rolle bewegen. Leider glänzt sie gleich in zwei Episoden durch Abwesenheit, ehe sie in The Great Train Job endlich eine Folge erhält, die etwas tiefer in ihren Charakter blicken lässt. Entsprechend werden wir erst spät mit dieser Figur warm, die durchaus (individuelles) Potential in sich trägt. Rückblickend hätte man ihr mehr zu tun geben müssen - wenigstens in Form von kleineren, persönlichen Nebenhandlungen -, um sie schneller von der „Ersatzrolle“ zu lösen. The Jackal Job zeigt zwar, dass sie nicht nur als Hacker eingesetzt werden kann, aber dort steht neben Stella (Joanna Cassidy) eher Sophie (Gina Bellman) im Fokus, während Breanna zwar eine nützliche, aber lediglich begleitende Rolle einnimmt.
Sophie, Parker (Beth Riesgraf) und Eliot (Christian Kane) sind die drei Hauptfiguren, die uns aus Leverage geblieben sind. Entsprechend gut kennen wir sie bereits, was aber nicht für neue Zuschauer gilt. Am besten hat mir gefallen, wie Eliot eingesetzt wird, denn der erhält mehrere Episoden, die sich mit seiner Vergangenheit oder mit seiner Beziehung zu Maria Shipp (Andrea Navedo) beschäftigen. The Hurricane Job ist da ein sehr gutes Beispiel, aber bereits in The Bucket Job werden uns persönliche Aspekte von Eliot beziehungsweise seiner Vergangenheit aufgezeigt. Das fehlt größtenteils bei Sophie und Parker, die zwar hin und wieder kleinere, persönliche Momente erhalten, welche uns zu verstehen geben, wie die jeweilige Figur tickt. Aber insgesamt bleiben beide Figuren zu oberflächlich, das war damals im Zusammenspiel von Sophie und Nate (Timothy Hutton) oder Parker und Hardison noch anders - und das fehlt jetzt.
Zweite Staffelhälfte: Episoden
Es ist natürlich immer Geschmackssache, wie gut oder schlecht einem eine bestimmte Episode gefallen hat. War das Thema interessant, gab es Gastdarsteller/innen, die besonders hervorstechen, ist der (stets vorhandene) Twist gelungen und so weiter. Ich für meinen Teil fand die zweite Staffelhälfte doch wesentlich gelungener als die erste, auch wenn mich nicht jede Folge überzeugen konnte. Hier also meine kurzen Eindrücke zu den acht Episoden.
Mit The Bucket Job ging es direkt sehr gut los, was vornehmlich an Gastdarsteller LeVar Burton liegt, dessen Bibliothekar uns in einen kleinen Spionagethriller führt. Die Folge ist aber auch mit Blick auf Eliot interessant, auf den hier noch eine kleinere, persönliche Geschichte wartet. Sicher ein Highlight.
Müsste ich eine Bestenliste erstellen, wäre The Unwellness Job sicher das Schlusslicht. Die Story war okay, den Twist habe ich kommen sehen und die Gastdarsteller/innen flogen irgendwie unter dem Radar dessen, was für mich interessant wäre. Eher „malen nach Zahlen“ als eine spannende Geschichte und damit bestenfalls Durchschnitt.
Auf The Jackal Job konnte ich mich schon eher wieder einlassen, was auch an Stella und der Thematik gelegen hat. Eine mitunter bewegende Geschichte, an der Sophie natürlich großes Interesse hat, sitzt ihr mit Stella doch ein gealtertes Idol gegenüber, dem es zu helfen gilt.
The Golf Job ist trotz der ernsten Thematik einer der amüsanteren Beiträge der zweiten Staffelhälfte. Mit James Marsters als Bösewicht Carl und Drew Powell als Eliots Sidekick Jack Hurley gibt es gleich zwei Gastfiguren, die mir sehr zugesagt haben. Harry darf den Fall entdecken und das Team darauf aufmerksam machen. Und Eliot beim Golfspiel war einfach köstlich.
Mit The Hurricane Job konnte die zweite Staffelhälfte bei mir abermals sehr gut punkten. Eliot und Parker unter korrupten Cops, abgeschnitten vom restlichen Team und somit auf sich allein gestellt - spannend. Außerdem gibt es ein Wiedersehen mit Marshal Maria Shipp, deren Anwesenheit für mich ohnehin jede Episode aufwertet, weil ihre Beziehung zu Eliot weitergeführt wird.
The Great Train Job schickt die Damen des Teams ins Gefecht, während Eliot und Harry außerhalb des Zugs die Machenschaften von Blake Whitcomb (Jon Fletcher) ausbuddeln. Nicht unbedingt ein Highlight, denn dafür ist der Fall zu einfach gestrickt und durchschaubar. Aber die Episode hat durchaus ihre Momente und rückt endlich Breanna stärker ins charakterliche Rampenlicht.
Mit der Doppelfolge The Muddy Waters Job und The Harry Wilson Job beendet die Serie ihre erste Staffel. Harry steht im Vordergrund, aber auch das restliche Team wird gekonnt in die Geschichte eingearbeitet. Wenn im Staffelfinale dann noch eine bestimmte Figur zurückkehrt - und damit meine ich nicht Bligh (Lucy Taylor), die bereits im Staffelauftakt und Folge neun zugegen war -, kann die Staffel nur auf einer hohen Note enden. Das Finale würde auf meiner Bestenliste auch ganz oben stehen und macht definitiv Lust auf eine zweite Staffel.
Fazit
Gerne mehr davon. Leverage: Redemption steigert sich in der zweiten Staffelhälfte, wenn man auf die einzelnen, immer öfter mal ungewöhnlichen Fälle und ein paar übergreifende Charakterentwicklungen blickt. Allerdings fallen einige unserer Hauptfiguren dabei zu oft unter den Tisch, nehmen in der zweiten Reihe platz oder fehlen manchmal sogar ganz. Hier muss sich die Serie in Zukunft stärker auf einzelne Teammitglieder fokussieren und darf nicht nur bestimmte Figuren (hier hauptsächlich Eliot) näher und abseits der Fälle betrachten. Von mir gibt es vier von fünf Sternen für die zweite Staffelhälfte. Und von Euch?
Hier abschließend noch der Trailer zu den neuen Episoden der Serie „Leverage: Redemption“:
Du kannst die Serie „Leverage“ jetzt sofort bei Amazon Prime Video, TVNOW (dort auch „Leverage: Redemption“) oder iTunes streamen.
Verfasser: Christian Schäfer am Montag, 18. Oktober 2021(Leverage: Redemption 1x16)
Schauspieler in der Episode Leverage: Redemption 1x16
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