Lessons in Chemistry 1x01

Lessons in Chemistry 1x01

Mit „Lessons in Chemistry“ aka „Eine Frage der Chemie“ bringt Apple TV+ die nächste Serie, die das Potential zu einem Hit hat. Warum nicht nur die brillant spielende Brie Larson für diese Einschätzung verantwortlich ist, verraten wir Euch im Review der Pilotfolge.

Brie Larson auf einem Szenenbild aus der Serie „Lessons in Chemistry“
Brie Larson auf einem Szenenbild aus der Serie „Lessons in Chemistry“
© Apple TV+

Das passiert in der Serie „Eine Frage der Chemie“ aka „Lessons in Chemistry“

Die USA Anfang der 60er Jahre: Elizabeth Zott (Brie Larson) hat einen UCLA-Master und ist eine brillante Chemikerin. Wenn da nur nicht das hinderliche Problem wäre, dass sie eine Frau ist... In einer patriarchalisch dominierten Welt, in der Frauen bestenfalls als Sekretärinnen oder Laborassistentinnen arbeiten dürfen und als Wissenschaftlerinnen keinerlei Lobby haben, versucht Elizabeth zwischen alltäglichem Sexismus und Diskriminierung ihren Weg zu finden.

Um ihre bahnbrechenden Experimente irgendwie fortführen zu können, arbeitet sie deshalb nach Feierabend und nutzt unerlaubt das Equipment des Labors. Als eine Chemikalie fehlt, schleicht sie sich in das Büro des hochdotierten, aber eigenbrötlerischen Wissenschaftlers Calvin Evans (Lewis Pullman), der sich daraufhin über sie beschwert.

Kurz darauf findet er jedoch heraus, dass Elizabeth selbst Chemikerin ist und gerät ins Grübeln. Um ihr die Forschung an ihrem Projekt zu ermöglichen, bietet er ihr an, für sich zu arbeiten und die Ergebnisse gemeinsam mit ihr zu veröffentlichen. Im Lauf der Zeit kommen die beiden sich näher. Doch Elizabeth stößt immer wieder auf die unüberwindlichen Hindernisse einer arroganten Männerwelt, die Frauen lieber als Mütter und Hausfrauen denn als hochintelligente Akademiker sehen will.

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Starker Stoff, charmant verpackt

Um es direkt vorwegzunehmen: Die Pilotepisode von Lessons in Chemistry aka „Eine Frage der Chemie“ ist herausragendes Fernsehen, das das Thema Frauenrechte und -diskriminierung auf ebenso intelligente wie charmante Weise angeht. Brie Larsons („Captain Marvel“) brillantes Spiel lässt das Publikum den alltäglichen Sexismus, der bis in die heutige Zeit auch in der Wissenschaftswelt leider noch nicht überwunden ist, hautnah miterleben.

Im Zusammenspiel mit einem bestens aufgelegten Lewis Pullman, der bereits in Outer Range eine starke Leistung ablieferte, entlarvt schon die Pilotfolge Little Miss Hastings, das Patriarchat als perfides Unterdrückungsinstrument.

Die Serie beginnt vermeintlich harmlos mit einer Frau, die an ihren weiblichen Fans vorbei ein Fernsehstudio betritt. Ihr Name, so erfahren wir, ist Elizabeth und sie moderiert die beliebte Kochshow „Supper at Six“. Doch das Bild der „guten“ Hausfrau, die anderen Müttern und Gattinnen Tipps für ein leckeres Abendessen gibt, bröckelt schon einige Sekunden nach Sendebeginn zusehends.

Statt sich an die Vorgaben des Sponsors zu halten, wirft sie die zu Werbezwecken im Vordergrund platzierten Dosen in den Müll und animiert ihre Zuschauerinnen in eindrücklichen Worten dazu, gesund zu kochen. Schon hier ahnt man, dass sich hinter der Fassade der TV-Köchin mehr verbirgt als schnöde Oberflächlichkeit, denn Zott zieht Menschen in ihren Bann und hat das Potential, die Welt zu verändern.

Kampf gegen Windmühlen

Nach einem hübschen CG-animierten, stilistisch an die frühen 60er Jahre angelehnten Intro, welches das Thema von Lessons in Chemistry geschmackvoll und leichtfüßig einfängt, bringt uns die Episode sieben Jahre zurück zum Beginn der Geschichte. Die folgende Szene führt die Hauptfiguren in aller Kürze ein, bevor sich die bislang fröhlich unbeschwerte Tonalität ändert und immer stärkere Züge einer Tragikomödie annimmt.

Um Elizabeths Kampf gegen Windmühlen zu betonen, stellt Showrunner Lee Eisenberg die betonte Affektiertheit von Frauen wie der ausgezeichnet von Stephanie Koenig) (The Offer) gespielten Chefsekretärin Fran Frask konträr zu Elizabeths Ernsthaftigkeit.

Es ist durchaus bedrückend mitzuerleben, wie sich diese hochintelligente Frau gegen Frans Anfeindungen zu Wehr zu setzen versucht, die sich in ihrer Rolle als Vorzeigeobjekt und Teilnehmerin am Little-Miss-Hastings-Schönheitswettbewerb sehr wohl zu fühlen scheint. Noch bitterer ist aber der Umgang der Männer mit den in der Hastings Universität beschäftigten Frauen.

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Sexismus

Stephanie König auf einem Szenenbild aus „Lessons in Chemistry“
Stephanie König auf einem Szenenbild aus „Lessons in Chemistry“ - © Apple TV+

Obwohl sie ihren Master in Chemie an der renommierten UCLA gemacht hat, darf sie nur als Laborassistentin arbeiten, derer Zweck lediglich in „Hausfrauenarbeiten“ wie Kaffee kochen und putzen besteht. Hinzu kommen sexistische verbale Erniedrigungen aller Art, wie „Sweetie“, „Honey“ oder „Sweetheart“, die sie über sich ergehen lassen muss. Nicht, dass sich nicht zumindest einige Wissenschaftler über ihre Fähigkeiten bewusst wären. Im Gegenteil wird sie sogar um fachlichen Rat gebeten. Dennoch leben die Herren der Schöpfung in einer Blase der Überheblichkeit, die den bloßen Gedanken daran, dass ihnen eine Frau den Rang ablaufen könnte, nicht zulässt.

Richtig schlimm kommt es, als der Dekan sie gegen ihren Willen mit einer zwar nicht wörtlich ausgesprochenen, letztlich aber doch unverhohlenen Kündigungsandrohung dazu zwingt, an besagtem Schönheitscontest teilzunehmen. So findet sich Elizabeth letztlich gedemütigt auf der Bühne wieder und scheitert selbstverständlich, woraufhin der Leiter ihrer Abteilung sie erneut unter Druck setzt.

In dieser Szene von „Lessons in Chemistry“ erfahren wir auf dramatische Weise, warum Elizabeth niemals promovierte. Als wissenschaftliche Assistentin musste sie eine Vergewaltigung über sich ergehen lassen, was ein starkes Trauma in ihr auslöste. Sie kann keine geschlossenen Türen ertragen, eine Tatsache, die ihren Vorgesetzten nicht im Mindesten stört, als er sie zurechtweist.

Damit offenbart sich die ganze Rücksichtslosigkeit, ja geradezu Skrupellosigkeit der männerdominierten Welt, in der die Protagonistin lebt. Lediglich der geniale Nobelpreisanwärter Calvin Evans, der aufgrund seines Status einige Freiheiten an der Hastings University genießt, erweist sich als aufgeschlossener, obwohl auch ihm zunächst ein Fauxpas unterläuft.

Als Elizabeth sich in sein Labor schleicht, um eine für ihre heimlich nach Dienstschluss durchgeführten Experimente benötigte Chemikalie zu organisieren, wird sie nämlich erwischt. Evans beschwert sich über sie, weil er glaubt, sie wolle das wertvolle Material auf dem Schwarzmarkt veräußern.

Stimme der Vernunft

Lewis Pullsman und Brie Larson auf einem Szenenbild aus „Lessons in Chemistry“
Lewis Pullsman und Brie Larson auf einem Szenenbild aus „Lessons in Chemistry“ - © Apple TV+

Zu diesem Zeitpunkt kann er sich nicht vorstellen, eine Kollegin vor sich zu haben, schlicht, weil Wissenschaftlerinnen in den USA der frühen 60er Jahre ein Kuriosum sind. Erst, als er erfährt, dass sie einen guten Abschluss hat, gerät er ins Grübeln. Die beiden kommen sich im Laufe der nächsten Wochen näher und als sie ihm erzählt, dass sie bei der Ausschreibung zu einem Forschungsprojekt ausgeschlossen wurde, weil sie eine Frau ist, ist er fassungslos.

Er setzt sich für sie ein und erreicht, dass sie als persönliche Assistentin für ihn arbeiten kann. Außerdem verspricht er, die Forschungsergebnisse gemeinsam mit ihr als leitende Wissenschaftlerin zu veröffentlichen. Evans etabliert sich damit zwar nicht direkt als Vorkämpfer für die Gleichberechtigung von Frauen in der Gesellschaft, zeigt sich jedoch zumindest willens, die etablierten Strukturen auszuhebeln.

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Eine zweite Baustelle

Dieser Gedanke lässt sich leicht auf ein weiteres Thema übertragen, denn Calvin ist mit seiner schwarzen Nachbarin Harriet Sloane (Aja Naomi King, How to Get Away with Murder) befreundet, die sich gleich einer doppelten Ungerechtigkeit ausgesetzt sieht. Auf diese Weise nimmt Lessons in Chemistry wie selbstverständlich auch den Themenkomplex Rassendiskriminierung ins Visier, denn, als Calvin Harriet besucht, malt sie gerade gemeinsam mit ihren Kindern Plakate für eine Demonstration.

Das passt hervorragend in das authentisch umgesetzte Setting, da wir uns zeitlich mitten in das Civil Rights Movement bewegen, die bekanntermaßen in der Ermordung von Martin Luther King mündeten. Damit wird die Serie nicht nur zu einem Statement für die längst noch nicht selbstverständlichen Frauenrechte (man denke nur an die erst kürzlich in vielen US-Bundesstaaten verabschiedeten Antiabtreibungsgesetze), sondern für das allgemeingültige Recht auf Freiheit, Gleichheit und körperliche Selbstbestimmung an sich.

Fazit

Lessons in Chemistry“ verhandelt die wichtigen Themenkomplexe Frauenrechte und Rassenhass mit Feingefühl, Charme, aber auch einer angemessenen Ernsthaftigkeit. Die Hauptdarsteller harmonieren fantastisch, die männlichen Nebendarsteller geben sich herrlich borniert und die weiblichen naiv affektiert. Das Setting ist sowohl in der Bildsprache als auch im Setdesign, in den Kostümen und dem Make-up authentisch umgesetzt. Obwohl uns die Serie in die 60er Jahre entführt, übersehen es die Serienmacher zudem keineswegs, die Weichen in die Gegenwart zu stellen, denn Diskriminierung aller Couleur ist auch heute noch allgegenwärtig. Daran lässt „Eine Frage der Chemie“ keinen Zweifel. Fünf von fünf Punkten.

Hier abschließend noch der Originaltrailer zur Serie „Lessons in Chemistry“ aka „Eine Frage der Chemie“:

Verfasser: Reinhard Prahl am Freitag, 13. Oktober 2023

Lessons in Chemistry 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Lessons in Chemistry 1x01)
Titel der Episode im Original
Little Miss Hastings
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 13. Oktober 2023 (Apple TV)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 13. Oktober 2023
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Freitag, 13. Oktober 2023
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 13. Oktober 2023
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 13. Oktober 2023
Autoren
Lee Eisenberg, Bonnie Garmus

Schauspieler in der Episode Lessons in Chemistry 1x01

Darsteller
Rolle
Lewis Pullman
Stephanie Koenig
Patrick R. Walker
Thomas Mann

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