Lerchenberg 1x01

Lerchenberg 1x01

Das ZDF nimmt sich pĂŒnktlich zum 50-jĂ€hrigen JubilĂ€um selbst auf die Schippe: Auf ZDFneo lĂ€uft am Donnerstag ab 22.45 Uhr die zunĂ€chst vierteilige Sitcom Lerchenberg mit Sascha Hehn als abgehalftertem Serienstar auf Comeback-Suche.

Der Cast von „Lerchenberg“ / (c) ZDF / Jan Rasmus Voss
Der Cast von „Lerchenberg“ / (c) ZDF / Jan Rasmus Voss

Die junge ZDF-Redakteurin Sybille „Billie“ Zarg (Eva Löbau) will mutiges Fernsehen machen: Gerade ist sie dabei, ein anspruchsvolles Filmprojekt auf die Beine zu stellen. Klar, dass sie es da zunĂ€chst fĂŒr einen Witz hĂ€lt und sich vor Lachen kaum wieder einkriegt, als ihre Chefin Frau Dr. Wolter (Karin Giegerich) ihr ein Demoband von „Traumschiff“- und „Schwarzwaldklinik“-Altstar Sascha Hehn zukommen lĂ€sst - mit der nachdrĂŒcklichen Aufforderung, ihn in dem Film zu besetzen. Doch es ist Frau Dr. Wolters voller Ernst. Wie Billie hinten herum hört, hatte ihre Chefin wohl mal etwas mit dem Hehn.

Ihn fĂŒr den Film zu besetzen, erweist sich jedoch als ein Ding der Unmöglichkeit, da Hehn sofort versucht, das ganze Projekt zu entern. Nachdem die Idee gescheitert ist, ihn in dem Film unterzubringen, entzieht Frau Dr. Wolter Billie ihr Herzensprojekt - und macht es zur Aufgabe der jungen Redakteurin, ein neues Format fĂŒr Sascha Hehn zu finden, was bei einer schillernden Persönlichkeit wie ihm, der sich wahrlich nicht nur Freunde auf dem Lerchenberg gemacht hat, alles andere als eine leichte Aufgabe ist...

Frischer Wind

Famose Idee, manchmal etwas holprige Umsetzung: So kann man Lerchenberg wohl am besten charakterisieren. Die Sitcom, mit der sich das Zweite Deutsche Fernsehen selbst auf den Arm nimmt, bringt definitiv frischen Wind in die deutsche Serienlandschaft. Erstens, schon mal allein dadurch, dass es seit langer Zeit zum ersten Mal wieder der Versuch ist, eine Sitcom an den Start zu bringen. Kein Crime-and-Smile, sondern ganz schlicht und simpel eine Sitcom.

Zweitens wagt sich der Sender auch noch auf das Feld der medialen SelbstreferentialitĂ€t, welches notorisch unter dem Verdacht steht, dass es die große Masse der Zuschauer doch gar nicht interessiert. Der Vergleich mit US-Vorbildern wie 30 Rock, Episodes oder Curb Your Enthusiasm liegt nahe. Man hat bei Lerchenberg aber nie das GefĂŒhl, einen Abklatsch zu sehen. DafĂŒr ist die Serie konzeptionell und von den Figuren her eigenstĂ€ndig genug.

Klasse EinfÀlle

Die Macher haben sich, wie Produzent Florian Schneider im Vorfeld sagte „44996“, handwerklich, aber nicht inhaltlich bei den Amerikanern orientiert. Dem ist nach Ansicht der Serie absolut beizupflichten. Beispielsweise arbeitet Lerchenberg, Ă€hnlich wie es viele US-Sitcoms tun, mit einem Tag, also einer witzigen Schlussszene, die wĂ€hrend des Abspanns lĂ€uft und noch einmal auf eine - und sei es auch nebensĂ€chliche - Begebenheit des Plots Bezug nimmt. Das ist nach allen Regeln der amerikanischen Sitcom-Kunst realisiert, aber natĂŒrlich so, dass es vollkommen organisch zu den eigenen Geschichten passt.

Lerchenberg lebt von seinen wirklich witzigen EinfĂ€llen (beispielsweise der „Ein Fall fĂŒr Zwei“-Vorspann, in dem Hehn in bester Claus Theo Gärtner-Manier ĂŒber eine Motorhaube hechtet). Ja, da und dort sieht man einen Gag auch schon mal von weitem anfliegen. Zumeist gelingt es den Autoren aber, den Zuschauer zu ĂŒberraschen. Auch vor dem ein oder anderen Kalauer schrecken sie nicht zurĂŒck, was in der Gesamtkomposition aber völlig in Ordnung geht (Beispiel: als Hehn von einem Redaktionsleiter verprĂŒgelt wird und sich danach das blaue Auge hĂ€lt, „tröstet“ ihn Billie mit dem wohlbekannten ZDF-Slogan „Mit dem Zweiten sieht man besser“).

Und der deutsche Fernsehpreis geht an...

Das grĂ¶ĂŸte Aktivposten von Lerchenberg ist dabei ganz klar Sascha Hehn selbst, der - Matt LeBlanc nicht kopierend, aber ihm durchaus nacheifernd - wirklich vor nichts zurĂŒckschreckt, was ihn lĂ€cherlich oder auch wie ein regelrechtes Arschloch aussehen lĂ€sst. Hehn agiert in der Serie so etwas von souverĂ€n und angstbefreit, dass seine Vorhersage aus der Pressekonferenz, dass er niemals einen Fernsehpreis gewinnen werde, schon sehr bald falsifiziert werden könnte, ja eigentlich sogar mĂŒsste.

In emotionaler Hinsicht gefĂ€llt Lerchenberg vor allem durch die solidarische Notgemeinschaft, die sich zwischen Hehn und Billie entwickelt: Er, dem die GlĂ€ubiger im Nacken sitzen und deshalb unbedingt das Comeback braucht. Sie, die eigentlich fĂŒr das harte Medienbusiness viel zu sanft ist - und der deshalb beispielsweise die eigene VolontĂ€rin (großartig als falsche Schlange: Cornelia Gröschel) fortwĂ€hrend in den RĂŒcken fĂ€llt.

Minuspunkte

Ja, es gibt auch Schwachstellen in Lerchenberg: namentlich die Dialoge, die vor allem wĂ€hrend der Auftaktfolge ungemein von Floskeln durchsetzt scheinen, was dann manchmal wie ganz schlechter Sitcom-Sprech klingt (gleich zu Beginn: „Du bist aber heute wieder ekelhaft gut gelaunt.“). Das wird, so hat man den Eindruck, im Laufe der Folgen besser.

Ebenso wie die Steifheit der Figuren im Umgang miteinander. Gerade in der Pilotfolge fremdeln sich die fiktionalen ZDF-Mitarbeiter (vielleicht mit Ausnahme von Billie und Sportredakteur Philipp Matthias Lier) an, als wĂŒrden sie sich das erste Mal begegnen - und nicht so, als wĂŒrden sie tagtĂ€glich zusammenarbeiten. Das wirkt auch nicht wie ein (bewusster) Kommentar zur ArbeitsatmosphĂ€re auf dem Lerchenberg. Denn selbst bei einem schlechten Arbeitsklima existiert doch ein GefĂŒhl der Vertrautheit oder sagen wir mal der Routine. Das geht Lerchenberg vor allem zu Beginn ganz klar ab. Verbuchen wir das mal als Kinderkrankheiten eines neuen Formats.

Fazit

Nicht perfekt, aber definitiv sehenswert! Bitte mehr davon!

„Lerchenberg“ lĂ€uft am Donnerstagabend um 22.45 Uhr auf ZDFneo, wo alle vier Folgen in einem Rutsch gezeigt werden. Am Freitag, den 5. April, und Freitag, den 12. April, lĂ€uft die Serie auch jeweils im Anschluss an die „heute show“ im ZDF-Hauptprogramm. Wer es gar nicht abwarten kann, der hat schon jetzt in der ZDF-Mediathek die Möglichkeit, die Serie zu sehen.

Verfasser: Christian Junklewitz am Donnerstag, 28. MĂ€rz 2013

Lerchenberg 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Lerchenberg 1x01)
Titel der Episode im Original
Das Wunder
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 28. MĂ€rz 2013 (ZDF)
Regisseur
Felix Binder

Schauspieler in der Episode Lerchenberg 1x01

Darsteller
Rolle
Eva Löbau
Karin Giegerich
Cornelia Gröschel
Matthias Lier
Anke Sevenich
Sascha Hehn

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?