Auf FX, dem Kabelsender, der sich im Comedybereich einen Namen mit anzüglichen und experimentierfreudigen Serien macht, hat Legit von und mit Jim Jefferies auf jeden Fall die richtige Heimat gefunden. Ein Review zum Serienpiloten.

Das Trio aus „Legit“ / (c)FX
Das Trio aus „Legit“ / (c)FX

Jim Jefferies und seine neue Comedy Legit passen wie die Faust aufs Auge zum Kabelsender FX, der Heimat solcher Formate wie Louie, It's Always Sunny In Philadelphia, The League, Wilfred, Archer und Anger Management. Der Kabelsender hat sich einen Ruf aufgebaut für Comedys, die gerne mal die Grenzen des guten Geschmacks sprengen, es dabei aber doch auch bisweilen überraschend schaffen, herzerwärmende Momente zu liefern (dafür ist vor allem Louie gut). Einen Großteil der Zeit zielen sie aber doch auf die Schiene „hart und deftig“. Sprachlich werden dabei gerne Dinge in den Mund genommen, die auf den Networks unmöglich wären. So auch im Fall von Legit, wo der Penis eines körperlich Behinderten schon einmal aus versehen im Mund der Hauptfigur landen kann. Wer jetzt noch nicht abgeschreckt ist, könnte an Legit also seine Freude haben, denn politisch korrekt geht sicherlich anders.

Legit

Im Mittelpunkt von Legit steht der australische Komiker Jim Jefferies, der durch seine sterbende Mutter versucht, etwas vernünftiger und bodenständiger zu werden und an seiner Karriere und seinem Privatleben zu arbeiten. „Legit“, also ein legitimer Künstler, wäre er dann, wenn er regelmäßig im Fernsehen erscheinen würde. Das würde zumindest seine Mutter freuen.

Dazu braucht man jedoch erst einmal eine Arbeitserlaubnis in Amerika, für die er zu Beginn von Pilot ansteht und damit klarmacht, in welche Richtung sich Legit bewegt. Jim ist nicht unbedingt ein Musterbürger, sondern ihm gehen merkwürdige und selbstsüchtige Gedanken durch den Kopf. Etwa, dass es vielleicht an der Zeit wäre, Kinder zu kriegen. Dass dazu noch die Frau fehlt, stört ihn dabei nicht, ebenso wenig, wie die Möglichkeit, dass seine Kindsmutter bei der Geburt stirbt oder zumindest einige Jahre, nachdem sie sein Kind zur Welt gebracht hat. Das alles sind nur Gedankenspiele, die Jim jedoch ungeniert an einem öffentlichen Ort anspricht. In diesem Fall ist es eben das Amt, das für seine weitere Zukunft im Land entscheidend ist. Bald erhält Jim den Status „Alien with Special Abilities“ und darf also verweilen.

In der Warteschlange leistet ihm sein bester Freund Steve (Dan Bakkedahl) Gesellschaft. Dieser bringt bald seinen kleinen Bruder Billy (D.J. Qualls; Breaking Bad, Memphis Beat) und seinen Wunsch, Jim zu sehen, zur Sprache, auch wenn der Rest der Familie nicht unbedingt begeistert davon ist.

Billy ist körperlich schwer behindert, auf eine Atemmaske angewiesen und könnte, wie es scheint, bei jedem ungelenken Handgriff seiner Pfleger sterben - und er weiht Jim auch prompt in seinen herzlichsten Wunsch ein. Mit seinen 32 Jahren ist Billy nämlich noch Jungfrau und wünscht sich, zumindest einmal vor seinem drohenden Tod „flachgelegt“ zu werden. Ohne zu zögern verspricht Jim Billy, das möglich zu machen, auch wenn Steve große Bedenken hat. „Blowjob only“ heißt es von seiner Seite. Also machen sich die beiden gemeinsam mit Billy auf den Weg zu einem Bordell nach Las Vegas, wo Billy nicht nur seinen Wunsch erfüllt bekommt, sondern alle Anwesenden sein mächtiges und enorm langes bestes Stück zu sehen bekommen, das für Aufsehen sorgt.

Im Endeffekt möchte Jim Billy als Wingman nutzen, um mit seiner Hilfe und dem Mitleidsbonus bei Frauen zu landen. Wie genau das präsentiert wird, muss sich zeigen.

Humorbalance zwischen Kontroverse und Wärme

Der Humor, der in der Pilotepisode von Legit präsentiert wird, ist dem von Wilfred, The League oder It's Always Sunny In Philadelphia gar nicht unähnlich. Diskussionen über Tabuthemen (wie dem Umgang mit Behinderungen) und sexuelle Anzüglichkeiten (etwa wenn Jim beim Entkleiden Billys plötzlich meint, dessen Penis im Mund gehabt zu haben und einer der folgenden Sprüche „I am pretty sure that is why the rest of your muscles don't work“ lautet) sind, wie bei den anderen genannten FX-Comedys, vorhanden. Ebenso gibt es auch hier einen liberalen Umgang mit Drogen („Hookers and Blow!“) sowie das Gefühl der Kameradschaft der drei männlichen Hauptfiguren.

Dazu kommt allerdings - wie bei Louie - auch noch der eine oder andere bittersüße Moment. So zum Beispiel, als den beiden einfällt, dass Billy sich ja gar nicht alleine entkleiden kann. Ebenso nett geht es zu, als die Prostituierten es wertschätzen, wie Jim und Steve mit ihrem Kumpel/Bruder umgehen und bereit sind, ihn, nachdem ihm sein Wunsch erfüllt wurde, zu säubern und nach Hause zu bringen. Schön ist außerdem die Montagesequenz, die die Fahrt nach Las Vegas zeigt und dabei den Eindruck eines Miniroadmovies erweckt.

Der Vergleich mit Louie hinkt jedoch etwas, denn Legit wirkt deutlich weniger experimentell und wandlungsfähig als die Comedy von und mit Louis CK. Auf diese muss man bekanntlich allerdings lange Zeit verzichten „43631“, so dass potentieller Ersatz, auch wenn er nie diese Klasse erreicht, willkommen ist. Auch Vergleiche mit Curb Your Enthusiasm oder Girls treffen die Ausrichtung von „Legit“ wohl nur bedingt bis gar nicht.

Fazit

Auch wenn gewisse Teile von Jefferies' Stand-up-Material verwendet werden, fühlt sich „Legit“ im positiven Sinne wie eine Serie und nicht wie eine Verlängerung seines eigenen fiktionalisierten Lebens an. Die erste Episode ist vielleicht noch nicht die große Offenbarung oder der Dauerangriff auf das Zwerchfell, aber ein durchaus interessanter Start. Die Serie ist in etwa vergleichbar mit dem Ton und dem Stil der anderen FX-Comedys, aber irgendwie ganz anders, verspricht „Legit“ doch, eine politisch inkorrekte, aber auch liebenswürdige, schroffe Buddy-Comedy zu werden.

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