
FBI-Agent Martin Odum (Sean Bean) begibt sich für seine Aufträge tief undercover. Als eine militante Vereinigung aus Virginia unter der Leitung des unbekannten „Founding Father“ ein neues Attentat plant, ist Odum gezwungen, seine ganze Mission zu riskieren, in der die Grenze zwischen Coverstory und seiner Person zunehmend verschwimmt. Als Basis der Geschichte dient der gleichnamige Roman des Autors Robert Littell, dessen Spionageroman The Company 2007 als Miniserie verfilmt wurde.
The best deep cover operative we've ever had
Martin Odum verbrachte als stotternder Lincoln Dittmann sechs Monate undercover bei der militanten Gruppe „Citizens Army Virginia“, um deren Anschlagspläne zu untergraben. Doch kurz vor seiner Beförderung in den inneren Kreis und einem Treffen mit dem Anführer, zerstört das ATF ihm durch eine Razzia seine Chance und sein Kontakt entkommt.
Von der Mission temporär entbunden, stattet Odum seiner Ex-Frau Sonya (Amber Valletta) und seinem Sohn einen Besuch ab. Sie leben getrennt, da für Martin seine Missionen und sein Pflichtgefühl zu häufig in einem übergeordneten Verhältnis zu seiner Familie standen. An dieser Stelle bricht erstmalig eine seiner Undercoveridentitäten durch: Den Scheck für seine Ex-Frau unterschreibt er als Lincoln Dittmann...
Russel (Brad William Henke), Martins Kontakt innerhalb der Terroristengruppe, teilt ihm per Telefon mit, dass die Pläne immer noch aktuell seine und der große Coup bevorstehe. Der „Founding Father“, der Anführer der Gruppe, möchte sich mit Lincoln Dittmann treffen. Also wird seine Undercoveridentität reaktiviert, und zusammen mit seinem Team beim FBI, das unter anderem aus Kollegin Crystal McGuire (Ali Larter) und Analystin Maggie Harris (Tina Majorino) besteht, wird die Operation fortgesetzt. Beim Briefing und der weiteren Erstellung seiner Legende, fällt Martin zurück in seine Rolle als Dittmann, indem dessen verbale Merkmale in Form des Stotterns und Akzentes zur Verblüffung seiner Kollegen auftreten.
You think I'm afraid to die?
Außerhalb des FBI-Büros wird er von einem mysteriösen Mann (Billy Brown) verfolgt. Als Odum ihn stellt, stellt dieser Martins Identität in Frage. Der Mann teilt ihm mit, dass Martin Odum nicht existiere und nur eine Erfindung wie all seine anderen Charaktere in seinen Missionen sei. Dann verschwindet er wieder. Daraufhin setzt Martin den Analysten Bobby (Utkarsh Ambudkar) auf den Fremden an, um mehr über ihn in Erfahrung zu bringen.

Bevor Martin den „Founding Father“ kennenlernen darf, muss er sich zunächst mit dessen Untergebenen in einem Stripclub treffen. Doch damit begibt er sich in große Gefahr. Denn sein Informant Russel wird bereits vom „Founding Father“ (Zeljko Ivanek) verhört und gefoltert. Es besteht die Gefahr, dass er Martin preisgibt. Dies vermuten auch seine Kollegen, die Crystal als Stripperin getarnt zu ihm schicken, um ihn zu warnen. Als er im Anschluss von den Mitgliedern der „Citizen Army of Virginia“ in Frage gestellt wird und sie drohen, ihn und die ihm zu Hilfe geeilte Crystal zu erschießen, gelingt es ihm, sich aus der brenzligen Situation herauszureden. Odins Beteuerung, er habe keine Angst zu sterben, kann Kennern von Sean Beans Film- beziehungsweise Serienhistorie, trotz ernster Thematik, sicherlich ein Schmunzeln entlocken.
An dieser Stelle macht der Plot ein paar Kompromisse zu Ungunsten der Logik. Der „Founding Father“ foltert Russel zu Tode. Er konnte ihn zwar nicht brechen, ist aber dennoch nicht von Dittmanns Vertrauenswürdigkeit überzeugt. Die Gruppe ist also so vorsichtig, dass sie eines ihrer Mitglieder umbringen, um ein anderes zu verifizieren. Doch eine außenstehende Augenzeugin lassen sie vor ihrem großen Attentat einfach laufen. Lincolns Sprengstoffexpertise wird nicht gebraucht, er soll sich lediglich opfern. Allerdings wären andere Mitglieder bereit gewesen, ihr Leben für die Sache zu opfern, was an späterer Stelle deutlich wird. In der Höhle des Löwen trägt der „Founding Father“ Martin seine Suizidmission auf. Doch bevor es dazu kommt, greift das Einsatzteam des FBI ein. Es kommt zu einer Schießerei, während derer sich der „Founding Father“ der Bombe mittels Deadman-Switch-Auslöser bemächtigt und droht, alle in die Luft zu sprengen. Doch Martin durchschaut dessen Angst vor dem Tod und es gelingt ihm, die Bombe zu sichern.
Who am I?
Nach erfolgreicher Mission widmet sich Martin wieder der Suche nach dem mysteriösen Mann, der ihn zu warnen versuchte - was sehr wahrscheinlich auch die übergeordnete Storyline der Staffel sein wird. Zu Martins Entsetzten findet er seinen vermissten Kollegen Bobby ermordet in seinem Apartment auf.
Danach bekommt er einen Anruf des Gesuchten, der ihm Antworten verspricht. Doch bevor es zu einem Treffen am Bahnsteig kommt, wird einer der beiden tödlich verwundet. Wer jetzt denkt, dass die Macher Sean Bean in einer Serienhauptrolle doch nicht in der Pilotepisode sterben lassen können, liegt... richtig. Martin Odum kommt gerade noch rechtzeitig, um dem sterbenden Mann einige letzte Informationen zu entlocken. Der Mann übergibt ihm ein Buch und teilt ihm mit, dass er nicht einmal selbst weiß, wer er ist, und dass „die“ verhindern wollen, dass Martin etwas bezüglich seiner Identität erfährt. Die Episode schließt damit ab, wie ein aufgewühlter Martin in die U-Bahn steigt, um den Tatort zu verlassen.
Fazit
Das Twitterhashtag #DontKillSeanBean hat sich zum Glück bewahrheitet. Sean Bean liefert in Legends eine sehr ansprechende Performance ab. Bereits in dieser Folge vermag er allein, das Format mit gewohnt charismatischem Schauspiel auf seinen Schultern zu tragen. Allerdings hat die Serie mit so mancher Schwäche zu kämpfen. Odins Familie bleibt bisher blass, und vor allem von Zeljko Ivanek als Bösewicht hat man schon Besseres gesehen, was aber eher dem Drehbuch zuzuschreiben ist.
Zwar ist der Plot durchaus spannend und gekonnt inszeniert, jedoch ist die Ansammlung an Klischees und das Fehlen an innovativen Ideen kaum zu übersehen. Vom klassischen „ihr habt meine Tarnung auffliegen lassen“, über sexuelle Spannung mit der hübschen Kollegin, bis hin zum Helden, der sich durch seine Hingabe und Pflichtbewusstsein von seiner Familie distanziert und entfremdet hat, ist alles schon einmal da gewesen.
Des Weiteren hat die Story mit einer gewissen Vorhersagbarkeit zu kämpfen, ohne sich dabei eng an die Buchvorlage zu halten, auf der die Handlung nur sehr lose zu Fußen scheint. Der Einfluss der Macher von Serien wie 24, Sleeper Cell und Homeland ist der TNT-Serie allgegenwärtig anzumerken. Hier eine Prise Jack Bauer, gewürzt mit ein wenig Jason Bourne, gemischt mit der Wandlungsfähigkeit von Sean Bean. Allerdings muss man das Rad nicht neu erfinden, um ein gutes Auto zu bauen: Das Gesamtwerk kann sich durchaus sehen lassen. Legends hat mich die komplette Episode solide unterhalten.
Auch auf technischer Seite wurde gute Arbeit geleistet, und die dynamische Umsetzung und gelungene Optik hinterlassen einen ansprechenden Eindruck.
Alles in allem gibt es viel Licht, aber auch ein wenig Schatten, weshalb ich meine positive Gesamtwertung momentan unter Vorbehalt abgebe. Ich werde mir auch die nächsten Episoden anschauen und hoffe, dass sich die Macher nicht nur auf Bean als alleiniges Zugpferd verlassen und ihm vor allem einen stärkeren Gegenspieler mit mehr Profil gegenüberstellen.
Legends: Trailer zur Serie: