Last Man Standing 1x01

Mike Baxter (Tim Allen) ist Marketingchef von Outdoor Man, einem Laden für Sport-, Jagd- und Waffen-Bedarf. Sein Chef Ed (Hector Elizondo) hat jedoch schlechte Nachrichten für ihn: Statt durch die Welt zu jetten, um aufwändige Kataloge zu produzieren, heißt es für Mike, künftig an einem Computer zu sitzen, um den Verkauf im Internet anzukurbeln. Gleichzeitig erhält seine Frau Vanessa (Nancy Travis) in ihrem Job eine Beförderung, durch die sie länger arbeiten muss.
Beide Nachrichten kombiniert bedeuten für Mike vor allem eines: Er muss sich künftig vermehrt um seine Familie kümmern - und hat dabei einiges zu tun. Denn seine drei Töchter - samt kleinem Enkelsöhnchen - halten ihn ganz schön auf Trab. Vor allem aber stellt der Damenhaushalt ihn immer wieder vor die schwierige Aufgabe, der Stimme der Männlichkeit ein wenig Gehör zu verschaffen...
Last Man Standing knüpft dort an, wo Tim Allen mit Home Improvement aufgehört hat: Eine Familiensitcom, die sich thematisch vor allem um das Verhältnis der Geschlechter und die Konzeption von Männlichkeit in der heutigen Gesellschaft dreht - das war auch schon die Grundlage von Allens großem Sitcom-Erfolg in den 90ern. Auch sonst lassen sich manche Parallelen finden: So fungieren Mikes Vlog-Auftritte ganz offenkundig als Äquivalent zu Tim Taylors männerphilosophischen Betrachtungen in Tool Time.
Die Verwandtschaft mit Home Improvement ist für Last Man Standing allerdings nicht ganz unproblematisch: Die beiden Auftaktfolgen sind zwar durchaus amüsant, wirken aber stellenweise schrecklich altbacken. Gäbe es nicht den Gag über Glee und die Einbeziehung des Internets, man könnte glauben, dass Last Man Standing tatsächlich Anfang der 90er Jahre produziert worden ist. Selbst die TV Land-Sitcom Hot in Cleveland wirkt dagegen - man denke nur an die Rückblenden-Folge im Stil von How I Met Your Mother - geradezu modern.
Nicht verschwiegen werden soll, dass es natürlich auch sehr wohl Unterschiede zwischen Home Improvement und Last Man Standing gibt - vor allem hinsichtlich der Konzeption der Hauptfigur und der damit in Zusammenhang stehenden ideologischen Positionierung der Serie.
Home Improvement war entgegen aller anderslautender Behauptungen eigentlich eine geradezu progressive Sitcom, da das klassische Bild von Männlichkeit konsequent dekonstruiert wurde: Tim Taylor hängt einem Ideal von Maskulinität an, welches er selbst jedoch überhaupt nicht erfüllt (wovon unter anderem seine zahlreichen Unfälle bei Tool Time zeugen), während ausgerechnet der sanfte und vermeintlich wenig männliche Al (Richard Karn) genau die handwerklichen Fähigkeiten besitzt, die Tim gerne hätte. Gleichzeitig wäre er in der Ehe mit Jill (Patricia Richardson) verloren ohne die Ratschläge seines intellektuellen Gartennachbars Wilson (Earl Hindman).
Während die Serie mit der traditionellen Auffassung von Männlichkeit ihren (milden) Spott trieb, erklärte sie Qualitäten wie Reflektion und Einfühlsamkeit zur Grundlage eines neuen neuen Männerbildes.
Last Man Standing ist in dieser Hinsicht bislang viel weniger eindeutig zu verorten. Es gibt Szenen, in denen die Serie dem Vorbild von Home Improvement folgt (beispielsweise als Ed in Last Baby Proof Standing eingesteht, dass sich seine vermeintlich heldenhaft erworbenen Kriegsverletzungen aus Vietnam auf sehr viel profanere Ursachen zurückführen lassen). Gleichzeitig gibt es jedoch in der Figur von Mike Baxter keinen vergleichbaren Bruch wie in der von Tim Taylor. Mike ist tatsächlich dieser „männliche“ Mann, der nun lediglich von außen mit der Verweiblichung und vermeintlichen Verweichlichung in seiner Umwelt konfrontiert wird - und sich dagegen auflehnt. Insbesondere in seinen etwas schrill geratenen Vlog-Statements macht die Figur dadurch einen sehr rückwärtsgewandten Eindruck.
Was den faden Beigeschmack dieser Konstellation noch verstärkt, ist vor allem die Verbindung, die zwischen „echter“ Männlichkeit und politischem Konservatismus (Mikes Klage über Obamacare, seine Flucht vor der zu liberalen Kindertagesstätte) gezogen wird. Was immer auch die Intentionen der Macher hinter Last Man Standing sein mögen: Mit Mike Baxter haben sie eine Figur geschaffen, welche geradezu prädestiniert dafür erscheint, einen Archie-Bunker-Effekt auszulösen - und zum TV-Held der Tea-Party-Bewegung aufzusteigen.
Fazit
Hör mal, wer da jammert - weil der Freund seiner Tochter keinen Autoreifen wechseln kann. Last Man Standing versteht als Sitcom schon zu unterhalten. An Home Improvement kommt sie - so weit sich das nach zwei Folgen sagen lässt - aber nicht heran.
Verfasser: Christian Junklewitz am Mittwoch, 12. Oktober 2011(Last Man Standing 1x01)
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