The Last Man on Earth 1x01

FOX verbindet mit The Last Man on Earth die Grundprinzipien von postapokalyptischen Serien und Beziehungscomedys. Die Serie thematisiert neben einem Haufen von regelverstoßenden Witzen vor allem auch Grundfragen von Beziehungen und Gesellschaft. Während die erste Episode Alive in Tucson die Isolation Phil Millers (Will Forte) zelebriert, dreht sich The Elephant in the Room um die Frage, was passiert, wenn sich Adam und Eva alles andere als ähnlich sind.
Alive in Tucson

Wir schreiben das Jahr 2020: Nach einem Virus, der anscheinend ein Jahr zuvor die gesamte Menschheit ausradierte, bleibt Phil Miller (Will Forte) als einziger Mann der Welt zurück und tut das, was man in solch einer Situation wohl macht: Er zelebriert seine Freiheiten. So fährt er mit einem Reisebus durch ganz Amerika, sammelt hier und da Souvenirs wie den Teppich des Weißen Hauses, Oscars oder antike Gemälde ein, hinterlässt mithilfe Graffitis seine Spuren, die mögliche Erdenbewohner nach Tucson locken sollen, wo er lebt.
Obwohl es keinerlei Anzeichen gibt, wo die gesamte Menschheit geblieben sein könnte (keine Leichen, keine wild geparkten Autos), hat Phil nämlich noch Hoffnung, nicht nur auf einen weiteren Menschen, sondern vor allem auf eine Frau treffen zu können. Denn während ihm seine Freizeitaktivitäten und sein Freiheitsdrang durchaus kurzweiligen Spaß zu verschaffen scheinen, ist es vor allem die Einsamkeit, die ihn plagt. So spricht er in bester „Cast Away“-Manier mit einer Gruppe von bemalten Sportbällen, datet in Anlehnung an „I Am Legend“ eine weibliche Schaufensterpuppe und endet schließlich wie sein Namensvetter Phil (Bill Murray) in „Und täglich grüßt das Murmeltier“ in dem Versuch, sich selbst das Leben zu nehmen.
The Elephant in the room
Doch plötzlich wird Phil von einem weit entfernten Rauch abgelenkt und trifft tatsächlich auf eine Frau. Doch statt der Frau seiner Träume wartet Carol (Kristen Schaal) auf ihn, die anscheinend das genaue Gegenteil von ihm zu sein scheint. Denn während Phil es vorzug, seine Freiheiten in Egoismus, Anarchie und Zerstörungskraft umzusetzen, hält Carol an den Regeln der nicht mehr vorhandenen Gesellschaft fest. Sie hält an Stoppschildern, parkt nicht auf Behindertenparkplätzen und zieht eine privilegierte Sprache vor.
Erst jetzt nimmt die Comedyserie so richtig Fahrt auf, da mit diesen beiden, verschiedenen Ansätzen erst Reibungspunkte entstehen, die beide Charaktere an ihre Spitzen bringen. So räumt Carol einerseits Phils Unordnung auf oder kritisiert den von ihm begangenen Diebstahl, will sich andererseits aber auch mit ihm vermehren. Doch auch um der Menschheit wieder auf die Beine zu helfen, braucht es für Carol etwas mehr als nur den einfachen Paarungstrieb. Sie hält sich und Phil für auserwählt und möchte deshalb den besten Menschen in ihm zum Vorschein bringen, natürlich nach ihrem Geschmack.

Am Ende der Doppelepisode sehen wir deshalb, wie Phil auf die Knie geht, um Carol einen Antrag zu machen, denn wilde Ehe kommt für diese auch in einer wilden Zeit nicht infrage. Phil erwischt sich derweil dabei, wie er endlich wieder etwas Glücksgefühl verspüren kann, indem er Carol dabei hilft, ihre Tomaten zu bewässern. Neben den herrlich absurden Datingsituationen zwischen den beiden ist es vor allem dieser neue Blick auf gesellschaftliche und menschliche Grundfragen, was The Last Man on Earth auftrumpfen lässt.
Fazit
The Last Man on Earth legt mit seinen ersten beiden Episoden Alive in Tucson und The Elephant in the room einen äußerst amüsanten Start hin. Wenn Forte mit seinem riesigen Tourbus durch die leer gefegten Straßen Amerikas brettert und dabei einfach alles macht, was ihm in den Sinn kommt, bekommt man trotz des Humors ein Gefühl dafür, wie trist es sein muss, als letzter Mensch auf der Welt zu sein. Das liegt vor allem daran, dass der Charakter Phil die Auslebung seiner Freiheit an kulturelle und gesellschaftliche Bedeutungsträger heftet.
So schmückt er sich mit Gegenständen und Symbolen, die ihren Wert in einer Welt haben, die nicht mehr vorhanden ist. Seine gesamte Existenz beruht darauf, sich an den Sinnträgern der vergangenen Menschheit zu ergötzen, ohne jedoch selbst die Regeln der Gesellschaft fortzusetzen. Diese werden stattdessen von Carol verkörpert. Sie klammert sich nicht an materielle Errungenschaften, sondern strukturgebende Einheiten wie Regeln und Gesetze, auch wenn niemand da ist, dem sie damit dienlich sein kann.
Neben dieser Grundsatzdebatte, wie viel Sinn das Leben hat, wenn niemand anderes da ist, der diesen Sinn zu schätzen weiß, werden dabei auch religiöse Themen angesprochen. So betet Phil in seiner Einsamkeit zu Gott, während Carol unbedingt heiraten möchte. Die beiden verkörpern eine Art moderne Version von Adam und Eva, die jedoch nicht aus dem Paradies geworfen wurden, sondern die einzigen sind, die noch in diesem sind. Wie glücklich wären diese also wirklich geworden, wenn sie in Gottes Garten hätten bleiben dürfen? Carol und Phil aus The Last Man on Earth stellen auf jeden Fall eines der wohl interessantesten Comedypaare dar, die wir in letzter Zeit zu Gesicht bekamen.

Die Kritik an dem Konzept der Serie war vorweg, dass es äußerst öde sein könnte, einem einzelnen Mann dabei zuzuschauen, wie er alleine seine Freiheiten auslebt. Doch die Serie verwirft nach den kurzweiligen Eskapaden des letzten Mannes dieses Konzept und bietet mit Kristen Schaal eine Besetzung der last woman on earth, die nicht besser hätte gewählt werden können. The Last Man on Earth gehört für jeden, der postapokalyptische Geschichten, die sich selbst nicht zu ernst nehmen, mag, zum absoluten Pflichtprogramm.
Verfasser: Henning Harder am Montag, 2. März 2015The Last Man on Earth 1x01 Trailer
(The Last Man on Earth 1x01)
Schauspieler in der Episode The Last Man on Earth 1x01
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