Dan Brown's The Lost Symbol: Review der Pilotepisode

© zenenfoto aus der Serie Dan Brown's The Lost Symbol (c) Peacock
Die Marketingleute von Peacock machen überhaupt keinen Hehl mehr daraus, was ihre neue Mysteryserie, die einst „Langdon“ hieß, ist. Und warum sollten sie auch? Die Buch-Vorlage zu Dan Brown's The Lost Symbol war mit 30 Millionen verkauften Kopien unglaublich erfolgreich und wenn auch wenn viele es nur ungern zugeben: Der Mann weiß, wie man eine unterhaltsame Schnitzeljagd schreibt. Es ist natürlich alles ganz großer Trash, selbst wenn man von der amüsanten Tatsache absieht, wie ernst Brown seine verschwörerischen Theorien und mystischen Zusammenhänge zum Teil selbst nimmt. Für kurzweilige Guilty Pleasure-Unterhaltung reicht es aber allemal, weshalb es überhaupt nicht überrascht, dass der Stoff in einer Serie viel besser aufgehoben ist als auf der Blockbuster-Leinwand.
Nichts gegen Tom Hanks, der den Symbologen Robert Langdon sehr sympathisch dargestellt hatte, aber die überinszenierte Manier, auf der Browns pseudohistorischer Quatsch bisher präsentiert wurde, war zum Teil etwas viel und verlieh dem Ganzen unnötig unverdiente Gravitas. Die neue Peacock-Serie mit 2009er Romanvorlage hat hingegen ein recht ausgewogenes Oldschool-Serienfeeling, bei dem auch mal ein Augenzwinkern drin ist und man nicht versucht, allzu fancy zu werden.

Das Autoren-Duo Dan Dworkin und Jay Beattie (Matador, The Crossing, Scream) beschloss, die Serie in die aktuelle Zeit zu versetzen, was sich im Auftakt As Above, So Below hauptsächlich durch Langdons Seminar zu Beginn der Episode bemerkbar macht. Ashley Zukerman, den man durch Designated Survivor oder Succession kennen könnte, spielte eine recht junge Version des semiotisch bewanderten Code-Knackers, der kurzerhand nach Washington, D.C. bestellt wird, um seinen Mentor Peter Solomon (Eddie Izzard) zu treffen. Im Kapitol angekommen, muss er allerdings feststellen, dass sein alter Freund entführt wurde und der Verantwortliche kryptische Hinweise hinterlassen hat, die wie auf sein Spezialgebiet zugeschnitten erscheinen. So zeigt Peters abgetrennte Hand samt Freimaurerring und Tätowierungen an die Decke, an der das von Constantino Brumidi gemalte Fresko „The Apotheosis of Washington“ zu sehen ist, auf dem Amerika-Urvater George Washington göttlichen Status erlangt. Langdon wird dadurch klar, es geht dem Täter um eine Art Transformation, wenn nicht sogar um symbolische Gottwerdung.
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Abgetrennte Hände und entführte Freimaurer rufen schließlich auch die CIA-Agentin Sato (Sumalee Montano) auf den Plan, welche gemeinsam mit Robert und dem bodenständiger denkenden Capitol-Cop Alfonso (Rick Gonzales) weitere Hinweise entschlüsselt, die sie in den Keller des in Anlehnung an Rom nachempfundenen Gebäudes und in ein geheimes Freimaurerbüro des Entführten bringen. Hier machen sie nach der Aufdröselung eines Akronyms und der Lösung eines Salzrätsels eine abgeflachte Pyramide ausfindig, deren geheimnisvolle Symbole nur mithilfe der fehlenden Spitze entschlüsselt werden könnten... Sofern die drei Rätselknacker die „Indiana Jones“-mäßigen Fallenwände, die sich allmählich dramatisch um sie schließen, überleben. Dass sich die Serie selbst dafür nicht zu schade ist, ist schon regelrecht charmant.
Hinter dem Spuk in der Hauptstadt steckt ein volltätowiertes Muskelpaket (Beau Knapp), das sich bedeutungsschwanger Mal'akh nennt und auch genauso redet wie ein sich selbst etwas zu wichtig nehmender Dude, der sich Mal'akh nennt und von Kopf bis Fuß in tiefgründige Tattoos gehüllt ist. Er hat eine Verbindung zu Peters Sohn Zachary (Keenan Jolliff), der anscheinend in einem türkischen Gefängnis umgebracht wurde. Mal'akh erhofft sich Gott weiß was vom Auffinden des verlorenen Symbols, ist aber davon überzeugt, dass Robert ihm dabei behilflich sein kann, das mysteriöse Portal im Herzen Washingtons finden und öffnen zu können.
Langdons Schnitzeljagd hat also gerade erst begonnen und wird am Ende der ersten Episode durch Peters Tochter Katherine Solomon (Valorie Curry) ergänzt. Sie und Robert standen schon vor Beginn ihres Abenteuers am Anfang einer potentiellen Romanze, auch wenn sie ganz im Gegensatz zu ihm pseudowissenschaftliche Theorien verfolgt und unter anderem dazu forscht, wie buddhistische Mönche tödlichen Krebs wegbeten können. Ich gebe der Beziehung eine Woche.
Fazit
Dan Brown's The Lost Symbol ist eine typische Dan-Brown-Schnitzeljagd durch Museen und Katakomben, wie man sie aus der Feder des Autors kennt, was bereits auf den ersten Blick viel besser im Serienformat aufgehoben ist als im Kino. Ashley Zukerman gibt einen charmanten Robert Langdon ab, der in seiner überrumpelten Art fast schon etwas vom jungen Hugh Grant hat und auch der restliche Cast kann sich durchaus sehen lassen. Vor allem die aus Hannibal bekannte Eddie Izzard in den Flashbackszenen als Mentor, die hier noch mal im vollen Männermodus auftaucht.
Zugegebenermaßen fühlt sich der Stoff in unserer Post-QAnon- und -Querdenker-Schwurbelwelt ganz anders an als noch vor über zehn Jahren, als das Buch herauskam. So verspielt, wie die verschwörerischen Konzepte hier präsentiert werden, kreiert die Serie aber hoffentlich keine neuen Aluhutträger:innen, die hinter allem die Machenschaften satanischer Freimaurerlogen oder kinderfressender Illuminati vermuten und im Renaissance-Stil gemalte Jünglingsjünger nicht von Maria Magdalena unterscheiden können. Ernüchternd wird für diese nämlich spätestens die verhältnismäßig unspektakuläre Auflösung des Ganzen ausfallen, sofern man sich komplett an die Buchvorlage hält.
Hier abschließend noch der Trailer zur nun angelaufenen, neuen Serie „Dan Brown's The Lost Symbol“ auf Peacock: