La Brea 1x01

© oster zur Serie La Brea (c) NBC
So ein bisschen erfrischend wirkt es ja schon, im Jahre des Herrn 2021 etwas zu sehen, das sich von vorne bis hinten komplett altbacken nach Network-Dramaserie anfühlt, als wären die letzten zehn bis zwanzig Jahre nicht geschehen - und das, ohne es als Retrostück zu verkaufen. Wer allein den Trailer zu La Brea gesehen hat, wird wohl verstehen, was gemeint ist.
Während Will Ferrell das Remake der 70er/90er Abenteuerserie „Land of the Lost - Im Land der Saurier“ nur noch als Filmkomödie anging, lehnt man sich im neuen Projekt von NBC, den Keshet Studios, Universal Television und Showrunner David Applebaum (The Mentalist, The Enemy Within) mit komplett ernster Miene und mehr Ambition als Mitteln ins Aus-der-Zeit-gefallene-Genre und macht den Lost-Vergleich so offensichtlich, dass die nervigste Figur der Serie an einer Stelle anmerkt: „Maybe, we're just in an episode of 'Lost'!“ Als wäre allein die Benennung des Offensichtlichen ein Schutzzauber gegen Rip-off-Vorwürfe. Nice try...

Was man der Pilotfolge von „La Brea“ nicht vorwerfen kann, ist Gemächlichkeit, denn der Auftakt verliert überhaupt keine Zeit, Helikoptermutter Eve (get it?) Harris (Natalie Zea), ihren Sohnemann Josh (Jack Martin) und weitere Leute die riesige Sinkhöhle runterzuschubsen, die sich mitten in Los Angeles auftut - direkt an den berühmten La Brea Tar Pits am Hancock Park, in dem unzählige Tierkadaver aus vergangener Zeit natürlich präserviert wurden. Während die Gestürzten überraschend lebendig in einem Land vor unserer Zeit erwachen, macht die Tochter Izzy (Zyra Gorecki) ihren Vater Gavin (nicht Adam?) (Eoin Macken) ausfindig, einen ehemaligen Soldaten, der seit geraumer Zeit Visionen von ebendiesem seltsamen Ort hat und bald wertvolle Hinweise zum Mysterium liefert.
Hatte die Aluhut-Fraktion etwa Recht mit der Verschwörungstheorie von der Hollow Earth? Bevor die Überlebenden es aber mit vermeintlich ins Innere der Erde geflüchteten Altnazis zu tun bekommen, werden sie von CGI-Wölfen angegriffen, während CGI-Urvögel den anderen Weg durch das Loch kommen und Los Angeles unsicher machen. Nichts gegen begrenztes Effektbudget in Genreserien, aber vielleicht sollte man nicht mehrere fragwürdige Actionszenen um diese Kreaturen herumbasteln, wenn man es sich nicht ansatzweise leisten kann, es überzeugend aussehen zu lassen... Oder die Sache wenigstens nachts drehen, damit die Computerspielgegner (die übrigens absolut unter das weit offene Autoversteck gepasst hätten) nicht ganz so gut „ausgeleuchtet“ präsentiert werden müssen.
Dramatisch wird es, als Josh beim Versuch, die Wölfe abzuwehren, eine Kugel aus dem Revolver von Co-Survivor Ty Coleman (Chike Okonkwo) abbekommt und drauf und dran ist, das Urzeitliche zu Segnen, wenn seine Mutter und ihr kleiner Erkundungstrupp nicht bald den ebenfalls heruntergefallenen Krankenwagen finden, in dem die lebensrettenden Antibiotika liegen. Immerhin leistet ihm sein Crush Riley Valez (Veronica St. Clair) beim Dahinscheiden Gesellschaft.
Natalie Zea schauspielt sich als Mutter, die glaubt, ihren Sohn zu verlieren, wirklich die Seele aus dem Leib, dass es einem fast leidtun kann. Nicht um ihre Serienfigur, sondern weil das Schauspiel vom Rest des Casts nicht gerade die dramatische Schwere der Weltenkonzept-zerschmetternden Situation widerspiegelt - was besonders im Kontrast witzig wirkt, weil der aufgeregte Soundtrack sogar eher Überstunden macht, um dies zu unterstreichen.
(Falls Ihr den Twist der Pilotfolge noch nicht wissen möchtet, überspringt den folgenden Absatz einfach...) Achtung, Spoiler!
Immerhin stellt sich am Ende noch heraus, dass sich die Leute aus Los Angeles nicht in der hohlen Erde befinden, sondern durch einen Riss in der Zeit gefallen sind und immer noch bei den Hollywood Hills sind, wo die Stadt der Engel später erbaut werden wird. So haben sie wenigstens Glück gehabt, was die vermeintlichen Neuschwabenland-Nazis angeht...
Fazit
La Brea zu sehen, fühlt sich an, als wäre man in ein TV-Land vor unserer Zeit gefallen, doch selbst vor 20 Jahren wäre die Abenteuer-Dramaserie wohl als wenig origineller Lost-Klon identifiziert worden, wodurch sie heute nur noch überholter und abgedroschener wirkt. Von der wenig Neues hergebenden Prämisse, die auch durch den Twist nicht gerettet wird, über die Schablonencharaktere bis hin zum langweiligen Look ist hier wirklich nichts zu finden, was irgendwie Interesse weckt oder hängen bleibt. Genau wie das ähnlich gestrickte Zoo von vor ein paar Jahren besitzt diese B-Movie-Serie aber nicht mal den Anstand, wenigstens amüsant-mies zu sein. Eskapismus können wir gerade alle gut gebrauchen, aber dieses Loch sieht alles andere als einladend aus.
Eine deutsche Heimat hat „La Brea“ noch nicht gefunden, wir halten Euch aber natürlich auf dem Laufenden, was das angeht.
Hier abschließend noch der Serientrailer zur neuen Serie „La Brea“ auf dem US-Network NBC:
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Verfasser: Mario Giglio am Mittwoch, 29. September 2021La Brea 1x01 Trailer
(La Brea 1x01)
Schauspieler in der Episode La Brea 1x01
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