Kung Fu: Review der Pilotepisode

© zenenfoto aus der Serie Kung Fu (c) The CW
Nach drei Jahren in einem chinesischen Shaolin-Kloster kehrt Nicky Shen (Olivia Liang) in der Pilotepisode des Reboot Kung Fu zu ihrer amerikanischen Familie nach San Francisco zurück. Sie versucht zunächst, die teilweise angespannten, teilweise noch herzlichen Beziehungen zu ihren Eltern und ihren Geschwistern wieder aufzutauen, doch das gerät in den Hintergrund, als das verschuldete Familienrestaurant in Chinatown von einem lokalen Gangster ins Visier genommen und erpresst wird. Gemeinsam mit ihren Geschwistern trommelt Nicky ein paar mutige Verbündete zusammen und stellt sich den Verbrechern entgegen, wobei sie diese schlagfertig ihr Kampfkunsttraining spüren lässt.
Was geschieht im Auftakt von Kung Fu?
Nickys friedliches Leben im Kloster ist nach einem Überfall, bei dem auch ihre Meisterin (Kheng Hua Tan) getötet wird, abrupt vorbei. Gezwungenermaßen kehrt sie zu ihrer Familie in die USA zurück, die sie nach ihrer damaligen plötzlichen Entscheidung mit gemischten Gefühlen empfangen. Während sie um Versöhnung und Harmonie bemüht ist, was ihr Stück für Stück auch gelingt, lernt sie im chinesischen Gemeindezentrum den jungen Geschichtsexperten Henry (Eddie Liu) kennen, der sie bei ihrer Suche nach der Mörderin, ihrer Meisterin und der Recherche über ein mystisches Schwert unterstützt.
Doch ihr Fokus wird auf dringlichere Ereignisse verschoben, denn Vater Jin (Tzi Ma) landet im Krankenhaus, nachdem Handlanger eines Gangsterbosses in Chinatown ihm ein mit schlagkräftigen Argumenten unterstütztes Ultimatum stellen, die Schulden des Familienrestaurants mit nicht gerade dezenten Verzugszinsen obendrauf zu bezahlen. Nicky schließt sich daraufhin mit ihren Geschwistern, Henry und ihren Exfreund Evan (Gavin Stenhouse) zusammen und spendiert den Kriminellen nicht nur eine ordentliche Abreibung, sie trägt auch noch dazu bei, dass deren krumme Machenschaften ein Ende finden und sie dingfest gemacht werden.
Welchen Eindruck hinterlässt die erste Episode?
Sehr schnell kann man zu der Erkenntnis kommen, dass „Kung Fu“ in vielerlei Hinsicht eine typische The CW-Serie ist: Sie ist den Sehgewohnheiten des eher jüngeren Zielpublikums angepasst und offenbar schätzt man deren Aufmerksamkeitsspanne für Exposition nicht besonders hoch ein, denn Nicky rattert aus dem Off mit ein paar Bildern in wenigen Minuten den Großteil ihrer speziellen dreijährigen Hintergrundgeschichte ab, ehe man zu den tragischen Umständen ihrer Abreise kommt. Auch gibt es inmitten der Dialoge immer wieder einsetzende Popsongs, die ein bekanntes Stilmittel des Senders sind. Die langfristigere Storyline um Nickys ermordete Mentorin im Kontrast zu den Geschehnissen von Episode zu Episode ist ebenfalls ein gewisses CW-Muster (und ein sehr gängiges Drehbuch-Setup), ähnlich wie etwa im kürzlich gestarteten Walker. Darüber hinaus bahnt sich mehr Melodrama an, denn in der ersten Episode wird direkt eine Dreiecksbeziehung zwischen unserer Protagonistin, ihrem neuen Schwarm und ihrem Exfreund angedeutet. Caines (David Carradine) Stil wäre das zumindest sicherlich nicht gewesen.
Altes und neues Kung Fu: Wieviel Caine ist noch drin?
Apropos Caine: Bis auf den Namen und den Fakt, dass Nicky in einem Shaolin-Kloster gelehrt wurde und eine verstorbene Meisterin zu beklagen hat, findet man keine wirklichen Gemeinsamkeiten mit der alten Serie aus den 70er Jahren. Das gewisse Western- und Abenteuerfeeling des umherziehenden Mönchs und seine Philosophie der Konfliktlösung, in der Gewalt nicht nur das letzte Mittel, sondern ein Zeichen zu bedauernder unnötiger Eskalation anzusehen war, sucht man hier vergeblich. Nicky muss ihre Familie beschützen und zögert nicht, das mit aller Macht und Kampfkunst zu tun. Zudem bringt man mit der Suche nach einem mächtigen Schwert und weiteren Waffen auch noch Magie und das Übernatürliche sehr früh mit ins Spiel...
Die Kampfszenen
Die erste Episode enthält in erster Linie drei etwas längere Kampfszenen am Anfang, in der Mitte und am Ende. Lediglich die Auseinandersetzung im Mittelteil macht einen relativ ordentlichen Eindruck, der Start und das Ende weisen ein nicht so ideales Muster auf: Viel zu viele Schnitte verwässern die Aktion und legen die Vermutung nahe, dass zumindest die Hauptdarsteller keine erfahren Martial-Arts-Kämpfer sind. Nicht nur macht die hektische Kameraführung es schwieriger, die deswegen unübersichtliche Action zu verfolgen, die Choreografie wirkt wenig wuchtig und das Ganze sieht mehr nach Kameratrick als nach echtem Kontakt aus. Selbst wenn man außen vor lässt, dass die Kämpfe weniger brachial sein sollen, muss sich diese Art von Serie mit aktueller Konkurrenz messen und man kann definitiv sagen, dass man keinesfalls an die Intensität und Qualität von Serien wie Into the Badlands oder Warrior herankommt.

Die Figuren
Auch wenn an mancher Stelle das Schauspiel und die Dialoge etwas hölzern wirken, so kann „Kung Fu“ in Bezug auf seine Charaktere punkten. Denn bereits nach der ersten Episode wirken sie einem schon vertrauter und sind von ihren Persönlichkeiten her sehr gut voneinander zu unterscheiden. Das könnte eine der größeren Stärken werden, zumal man auch auf mehr Drama im Umfeld der Familie und der chinesischen Gemeinschaft in San Francisco zu setzen scheint, was als Setting der Serie durchaus gut funktioniert. Kleinere Abstriche gibt es für den Bösewicht der Episode in Form des Gangsterbosses, der nicht eine einzige Dialogzeile in der Episode bekommt, bevor er wie der Schurke der Woche verhaftet wird. Und ob man die Homosexualität von Nickys Bruder Evan nicht nur aus Prinzip mit ins Drehbuch geschrieben hat, um so divers wie möglich zu wirken, muss sich noch zeigen, denn es wird im Auftakt schon ein wenig aufgesetzt eingestreut.
Fazit
Ich wollte Kung Fu wirklich mögen, denn trotz der vielen aufgeführten Defizite fühlte ich mich doch ganz ordentlich unterhalten. Deswegen ist es nicht ganz einfach, eine allgemeine Wertung abzugeben, denn man müsste diese im Prinzip für zwei Gruppen aufteilen: Wer als Fan des alten Stoffs und der alten Schule hofft, den Geist der Vorlage und seine besondere Atmosphäre wiederzuentdecken, oder wer wegen besonders gut choreografierter Action einschaltet, wird leider ziemlich sicher enttäuscht. Wer auf der Suche nach etwas Popcornunterhaltung ist und mehr Melodrama willkommen heißt, könnte dafür fündig werden.
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Kung Fu (1973): Die Serie im Stream
Der Serientrailer zu Kung Fu:
Hier abschließend noch der Trailer zur Serie „Kung Fu“: